Wendejahre
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Bundesliga

FCA auf Schalke: torlos, mutlos, sang- und klanglos

Dank der 1:3 Niederlage des VfB Stuttgart bei Hertha BSC war der Klassenerhalt für den FCA bereits vor dem Sonntagsspiel auf Schalke gesichert. Wer allerdings gehofft hatte, dass dies den FCA bei seinem vorletzten Auswärtsspiel beflügeln würde, der wurde maßlos enttäuscht. Mit einem torlosen Unentschieden der übelsten Sorte knüpfte der FCA in der ausverkauften Veltins-Arena an Auftritte an, die man nach dem Trainerwechsel und dem FCA-Zwischenhoch bei den Siegen gegen Frankfurt und Stuttgart schon nicht mehr für möglich gehalten hatte.

Von Udo Legner

Ohne die Offensivkräfte Finnbogason (Sehnenverletzung in der Wade) und Cordova (Schambeinentzündung) war der FCA nach Gelsenkirchen angereist. Nach der 1:4 Heimniederlage gegen Leverkusen nahm  FCA-Coach Martin Schmidt zwei Wechsel vor: Für Danso rückte Koo in die Startelf und für Richter sollte es Schieber in der Offensive richten. 

Nichts Nennenswertes vom Spielgeschehen

Die Höhepunkte der ersten Halbzeit lagen vor dem Spiel – eine faszinierende Fan-Choreo für den verstorbenen Schalke Manager Rudi Assauer – und nach heftigem Hagelschauer, auch wenn nur für kurze Zeit, auf dem  Rasen der Veltins-Arena. Ansonsten boten die beiden Mannschaften von der 1. bis zur 45. Minute wenig Nennenswertes. 

Die Partie begann äußerst schleppend, da beide Mannschaften auf Sicherheitsfußball bedacht waren. Nach holprigem Auftakt bestimmten die Königsblauen das Spielgeschehen, ohne aber für Gefahr vor dem Augsburger Tor zu sorgen. Auf der Gegenseite investierte der FCA viel zu wenig, um die Schalker Defensive in Verlegenheit zu bringen. Es dauerte bis zur 41. Spielminute (in Worten: einundvierzigsten!) bis die Schalker zur allerersten Großchance kamen: Der ansonsten fehlerfreie FCA- Keeper Kobel patzte beim Abstoßversuch und ließ sich den Ball von Embolo abnehmen. Der Pass des Schweizers landete bei Sedar, der jedoch – stellvertretend für die Gesamtperformance der Königsblauen – bei seinem Schuss zu Fall kam und so den Ball am Augsburger Tor vorbeisetzte.

Fazit zur Halbzeit: Die Schalker konnten nicht, die Augsburger wollten nicht.

Die zweite Halbzeit bescherte den Zuschauern wenigstens ein paar Hingucker. Auf Schalker Seite gelang Sedar (53.) ein imposantes Solo, das er nach schönem Doppelpass mit Embolo lediglich mit einem Pfostenschuss abschließen konnte. Nur wenige Minuten später kam der FCA zu seiner besten Chance. Nach einem von Max getretenem Freistoß wurde Gregoritschs Torschuss von Caligiuri abgefälscht und zwang den Schalker Keeper Nübel zu einer Glanzparade. 

Matondo hüben, Kobel drüben

In der Schlussphase der dahin dümpelten Partie sorgte lediglich der eingewechselte Jungspund Matondo für frischen Wind in der Schalke Offensive, aber auch seine Abschlüsse (75./ 82.) wurden vom besten Augsburger, Keeper Gregor Kobel, pariert.

Am Ende stand ein „leistungsgerechtes“ 0:0 Unentschieden, da das Match keinen Sieger verdient hatte. Für den FCA geht es im letzten Heimspiel der Saison gegen die Berliner Hertha (Samstag, 15.30 Uhr) darum, den Fans einen halbwegs versöhnlichen Abschluss zu bieten. Bei einem Sieg könnte der FCA in der Tabelle sogar noch an Freiburg vorbeiziehen!

FC Augsburg: 

Kobel – J. Schmid , Gouweleeuw , Khedira , Stafylidis – D. Baier – Koo , Gregoritsch – Hahn , Max – Schieber

57. Min. Marco Richter (für Schieber)

66. Min. Jan Moravek (für Koo)

83. Min. Georg Teigl (für Gregoritsch)

#MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Bayern MünchenFC Bayern32235483:315274
2Borussia DortmundDortmund32217476:423470
3RB LeipzigRB Leipzig32198562:273565
4Eintracht FrankfurtFrankfurt32159859:411854
5Bayer LeverkusenLeverkusen321731263:501354
6Bor. MönchengladbachM'gladbach321571051:401152
7VfL WolfsburgWolfsburg321571054:46852
81899 HoffenheimHoffenheim321312768:472151
9Werder BremenSV Werder321211955:48747
10Fortuna DüsseldorfDüsseldorf321251545:61-1641
11Hertha BSCHertha BSC3210101244:49-540
121. FSV Mainz 05Mainz 05321071540:55-1537
13SC FreiburgSC Freiburg327121341:57-1633
14FC AugsburgAugsburg32881647:59-1232
15FC Schalke 04Schalke 0432871736:54-1831
16VfB StuttgartVfB Stuttgart32662029:70-4124
171. FC NürnbergNürnberg323101925:59-3419
18Hannover 96Hannover 9632462227:69-4218


FCA auf Schalke: bedeutungslos, torlos und grauenvoll

Am 32. Spieltag traf der FCA in Gelsenkirchen auf Schalke 04. Die Partie endete vor 60.000 Zuschauern mit einem torlosen Unentschieden.

Von zwei schlechten Mannschaften hätten die Knappen den Sieg ein Quäntchen mehr verdient gehabt, da sie  bei dem lausigen Grottenkick, die besseren Torchancen vergaben. Die Partie war von Beginn davon geprägt, dass beide Mannschaften den Relegationsplatz nicht mehr zu fürchten hatten, weshalb über weite Strecken der Partie ein fahriges Mittelfeldgeplänkel zu sehen war.

Am Ende konnten alle Beobachter das zutreffende Resüme bemühen, dass keine der Mannschaften den Sieg verdient gehabt hätte. Aus Augsburger Sicht lässt sich sagen, dass der Neu-Trainer Martin Schmidt die extremen Leistungsschwanken der Augsburger bisher nicht beheben konnte. Sodass nach zwei starken Leistungen gegen Stuttgart und Frankfurt zwei tiefe Abstürze gegen Leverkusen und Schalke folgten. Nach vorne fand selten ein ballführender Augsburger einen Mitspieler.

Das Beste, das sich über den FCA nach dieser Partie sagen lässt, besteht darin, dass niemand verletzt wurde und sich die Einwechselspieler nahtlos dem Niveau anpassen konnten. Das gibt Hoffnung für die beiden letzten Spiele gegen Berlin und Wolfsburg. Ein Spielbericht von Udo Legner folgt, obwohl der DAZ-Reporter vor Ort angesichts der Trostlosigkeit des Geschehens von seiner Chronistenpflicht entbunden wurde. (Siegfried Zagler)



MEINUNG

Kommentar: Das marktkritische Grundrauschen und die Augsburger SPD

Wer bei der Kommunalwahl 2020 in Augsburg zu den Siegern gehören will, muss glaubhaft ein Konzept anbieten, das mit konsequenter Eile der katastrophalen Mietpreisentwicklung entgegenwirkt

Kommentar von Siegfried Zagler

Schwäbische Volkszeitung von 1919 – Bildnachweis: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Thomas Piketty gehört zur Wissenschaftselite der eliteverliebten Franzosen. Er machte bereits in jungen Jahren eine steile Karriere und festigte zunehmend seinen Ruf auch außerhalb Frankreichs als „Starökonom“. Zum „Weltstar der Kapitalismuskritiker“ stieg er 2014 auf, als sein Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ die Bestsellerlisten anführte. 

Ein publizistischer Donnerschlag, der nicht weniger laut von einem Salonlöwen der marxistischen Philosophie begleitet wurde. Gemeint ist der slowenische Philosoph Slavoj Zizek, der Popstar der Kapitalismuskritik, der von 2010 bis 2013 mit seinen Aufsätzen und Statements in Europa ein Millionenpublikum beeindruckte. 

2016 kam die Universität Harvard in einer ausführlichen Erhebung zu dem überraschenden Ergebnis, dass in den USA die Hälfte der 18 bis 29-jährigen dem Kapitalismus ablehnend gegenübersteht. Selbst im Mutterland des Kapitalismus scheint sich die Auffassung durchzusetzen, dass ein allzu freier Markt eher Probleme schafft, statt sie zu lösen.

„Ein marktkritisches Grundrauschen habe längst viele westliche Länder erfasst, schreibt der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. „Auch in Deutschland, wo die Menschen sehr lange zufrieden waren und sozialistischen Ideen schon deshalb reserviert gegenüberstanden, weil der Osten des Landes seine ganz eigenen Erfahrungen damit gemacht hat.“ 

Kevin Kühnerts antikapitalistisches Statement im ZEIT-Interview, in dem er unter anderem vorschlägt, den Wohnungsmarkt zu verstaatlichen, indem man nur noch soviel Wohnraum besitzen dürfe, wie man selbst zum Wohnen benötigen würde, kommt also nicht aus dem Nichts. Der Juso-Chef schöpft aber nicht nur aus einer politischen Mode, die schnell verpuffen kann, sondern aus einer konkreten Erfahrung, die sich nicht nur aus der Lebensrealität junger Familien, Rentner, alleinstehender Mütter und einem Heer prekär Beschäftigter herausgebildet hat: Wohnen in der Stadt ist unerschwinglich geworden. 

Dafür sind viele Versäumnisse verantwortlich. Die Bundesregierung hat den Erwerb von Baueigentum viele Jahrzehnte zu schwach gefördert. Die Länder haben ihren einkommensorientierten Wohnungsbestand an private Immobilienriesen verhökert und die Kommunen haben ihre städtischen Wohnungsbaugesellschaften zu knapp gehalten, so dass viel zu wenig einkommensorientierter Wohnraum entstanden ist, der die Mietpreisentwicklung hätte ausbremsen können.

Kurzum: Das sozialpolitische Versagen der Regierungen auf allen Ebenen hat selbst im reichen Bayern für gesellschaftliche Brennpunkte gesorgt, die das beschriebene marxistische Grundrauschen nicht nur ermöglichen, sondern zu einem für die Volksparteien gefährlichen Erdrutsch gestalten: Die CSU verliert weiterhin, die SPD bleibt stabil deutlich unter 20 Prozent, während sich die rechtspopulistische AfD bei 15 Prozent einzupendeln scheint. Ein Wert, den die Grünen überbieten könnten, würden sie staatliche Steuerung in der Wohn- und Baupolitik verstärkt fordern.

Auf der kommunalen Ebene hat nun in Augsburg die SPD-Stadtratsfraktion den Schwur geleistet, dass sie in Zukunft keinem Bebauungsplan mehr zustimmen werde, der eine geringere Quote als 30 Prozent für geförderten Wohnungsbau vorsieht. Die SPD hat damit den Wahlkampf eröffnet. In Augsburg sind die Mieten seit 2008 um 60 Prozent gestiegen. Die Augsburger SPD bewertet diese Entwicklung als dramatisch, muss sich dabei aber an die eigene Nase fassen, denn schließlich stimmt sie in Augsburg seit Jahrzehnten Bebauungsplänen zu, die weit unter dieser Quote liegen.  Zuletzt war das der Fall in Oberhausen (Zeuna- und Cema-Areal) sowie in Göggingen (Servatiusstift-Areal) oder wie bei der Bebauung des Dierig-Areals oder des ehemaligen Geländes des Post-SV. Bodenflächen für Bebauungspläne mit der SPD-Forderung sind somit kaum noch vorhanden.

Die SPD fühlte sich bei diesem Ausverkauf von Baureferent Gerd Merkle (CSU) getäuscht, der eine pauschale Quote für geförderten Wohnungsbau bisher ablehnte, weil diese rechtlich nicht zulässig sei, da Bebauungspläne mit vorgeschriebener Quote einen Teil der Bodenwertsteigerungen abschöpfen würden. Die SPD-Fraktion zweifelt nun nach vielen Jahren der Regierungsbeteiligung an der rechtlichen Einschätzung des Baureferenten, da es Kommunen gebe, „die eine verbindliche Quote an gefördertem Wohnungsbau schon seit langem festgeschrieben haben“, wie Fraktionschef Florian Freund plötzlich weiß.

Es gibt Güter und Werte in der politischen Daseinsfürsorge, die den Schutz des Staates vor dem Zugriff der Kapitalwirtschaft dringend benötigen: Boden, Lebensmittel, freie Wissenschaft, Energie, Wasser, Wohnen und die freie Kunst sind solche schützenswerte Güter und Werte. Versagt der Staat dabei, führt das zu schweren Krisen der Demokratiesysteme.

Wer sich in der wichtigsten Angelegenheit der Lokalpolitik, in der Baupolitik, getäuscht fühlt, müsste sofort die Koalition kündigen, die sich in Augsburg aus der CSU, der SPD und den Grünen zusammensetzt. Dieses Thema steht zwar auf einem anderen Blatt, doch will die SPD bei der Kommunalwahl 2020 aus ihrem Dauertief kommen, muss sie sich mit aller Macht von der Bau- und Wohnungspolitik der CSU lösen und verstärkt auf eine konsequente Marktregulierung setzen und zum Beispiel die städtische Wohnungsbaugesellschaft mit einem hohen Etat versehen und Wohnungen kaufen und bauen lassen.

Davon sind die Augsburger Genossen noch weit entfernt. Aber es reicht immerhin für ein Postulat wie dieses: „Für die SPD-Fraktion ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum wichtiger, als die Gewinne von großen Investoren.“

Hört, hört, wer hätte das gedacht?



Bundesliga: FCA hält die Klasse

Drei Spiele hat der FC Augsburg in der laufenden Saison noch vor sich, steht mit gerade 31 Punkten auf dem 14. Tabellenplatz und muss dennoch den Abstieg nicht mehr fürchten, da der VfB Stuttgart am gestrigen Samstag in Berlin mit 1:3 verlor.

Damit liegen mit Hannover, Nürnberg und eben Stuttgart drei Vereine hinter dem FCA, so dass dieser von diesen Klubs nicht mehr eingeholt werden kann. Da es ohnehin „nur“ noch um das Vermeiden des Relegationsplatzes ging, weil der Club und die 96er zu weit abgeschlagen waren, um den FCA zu einholen zu können, fällt der von FCA-Trainer Martin Schmidt vielzitierte „Matchball“ auf Schalke flach. Der Augsburger Big-Point gegen den Abstieg wurde bereits beim 6:0 Heimsieg gegen Stuttgart eingefahren.

Der FCA kann seit gestern 17.18 Uhr die nächste Bundesligasaison planen und mit einem starken Schlussspurt sogar noch das ein oder andere millionenstarke Zubrot an Fernsehgeldern einfahren, indem man Schalke und eventuell noch Freiburg hinter sich lässt. Ein Finish, das mit einem Sieg gegen das „Elend Schalke“ (heute 13.30 Uhr) begönne, ein Schalke, das vergangenen Spieltag gegen Dortmund (vermutlich vorübergehend) von einem Formhoch heimgesucht wurde, mit einem Heimsieg gegen die nicht weniger schwächelnde Berliner Hertha fortgesetzt werden müsste und möglicherweise mit einem Dreier bei Wolfsburg sein Ende fände. Dass es so kommt, ist ziemlich unwahrscheinlich, aber bei der „Wundertüte FCA“ nicht unmöglich.

#MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Bayern MünchenFC Bayern32235483:315274
2Borussia DortmundDortmund32217476:423470
3RB LeipzigRB Leipzig32198562:273565
4Eintracht FrankfurtFrankfurt31159758:352354
5Bor. MönchengladbachM'gladbach321571051:401152
6VfL WolfsburgWolfsburg321571054:46852
71899 HoffenheimHoffenheim321312768:472151
8Bayer LeverkusenLeverkusen311631257:49851
9Werder BremenSV Werder321211955:48747
10Hertha BSCHertha BSC3210101244:49-540
11Fortuna DüsseldorfDüsseldorf311241544:60-1640
121. FSV Mainz 05Mainz 05321071540:55-1537
13SC FreiburgSC Freiburg317111340:56-1632
14FC AugsburgAugsburg31871647:59-1231
15FC Schalke 04Schalke 0431861736:54-1830
16VfB StuttgartVfB Stuttgart32662029:70-4124
171. FC NürnbergNürnberg323101925:59-3419
18Hannover 96Hannover 9632462227:69-4218


300 Millionen
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