DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 20.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Stadt geht vorsichtig auf Distanz zu Fritz Koelle: Zwei Figuren werden kontextualisiert

Der in Augsburg geborene Bildhauer Fritz Koelle (1895-1953) ist mit seinem Werk numerisch so oft wie kein anderer Künstler in der Stadt Augsburg vertreten. Mindestens zwölf Koelle-Figuren sind im öffentlichen Raum der Stadt verteilt. Zwei davon erhalten nun Kontexttafeln, die bezüglich seines Werkes “kritisch-historische Distanz” empfehlen.

Dr. Thomas Elsen (Kunstsammlungen Augsburg) stellte die Texte am gestrigen Montag dem Kulturausschuss vor, dieser nahm sie wohlwollend zur Kenntnis. Somit sind die Kontexttafeln quasi beschlossen. Der Ausschuss folgte somit einem Antrag von CSU und den Grünen vom September 2020. Ein Antrag, der von einer Ausstellung der Kunstsammlungen Augsburg angestoßen wurde.

Anlässlich des 125. Geburtstags des Augsburger Bildhauers Fritz Koelle zeigten die Kunstsammlungen und Museen Augsburg eine thematisch organisierte Ausstellung im Grafischen Kabinett des Höhmannhauses, die im Januar dieses Jahres zu Ende ging. Museumsleiter Dr. Christof Trepesch schlug in seinem Begleittext zur Ausstellung vor, eine kritische Distanz zu den teils lebensgroßen Bronzefiguren im öffentlichen Raum herzustellen. Die Forschung (Eva Pasche 2008) zeichne Koelle als „labile Persönlichkeitsstruktur“, enttarne ihn als „gezielt taktierenden Opportunisten“, „der sich bereitwillig und bedenkenlos den jeweiligen (politischen) Situationen und Lagern anpasste.“ Das stete Anpacken politischer Themen werfe aus heutiger Sicht einen Schatten über das künstlerische Tun des Augsburger Bildhauers. “Insofern ist auch eine kritische Distanz zu den teils lebensgroßen Bronzefiguren des Bildhauers im öffentlichen Raum – wie sie von Augsburg bis St. Ingbert und Reden bis heute aufgestellt sind – durchaus angebracht, so Trepesch.

 “Wir begrüßen den Vorstoß der Augsburger Kunstsammlungen und Museen sehr, sich kritisch mit der eigenen Kunst zu beschäftigen und unterstützen diesen Vorschlag,” so der CSU-Fraktionsvorsitzende Leo Dietz in der Erklärung des gemeinsamen Antrags der Regierungsfraktionen.


Text zum Saarbergmann, 1937 (Standort: Heinrich-von-Buz-Realschule, Eschenhofstraße, Augsburg-Oberhausen):

F. Koelle: Saarbergmann — Foto DAZ

“Das Motiv des Bergmanns hat der in Augsburg geborene Bildhauer Fritz Koelle durch seine aus dem Saargebiet stammende Frau Elisabeth kennengelernt. Die überlebensgroße Bronzefigur zeigt einen stehenden Bergmann in heroischer Haltung der seinen Blick in die Ferne richtet. Einziges Attribut ist die am Gürtel hängende Bergmannslampe. Solche Bergmannfiguren wurden in der NS-Ideologie mit dem Soldaten gleichgestellt, indem man die Bergleute als „Soldaten der Arbeit“ stilisierte.”

Text zum betenden Saarbergmann, 1934 (Standort: Fritz-Koelle-Straße/Ecke Reichenbergstraße, Augsburg (Herrenbach)):

“Bei dieser Figur greift Fritz Koelle als Motiv das Gebet vor der Einfahrt ins Bergwerk auf. Die Bergarbeiterthematik hat Koelle durch seine im Saargebiet geborene Frau Elisabeth Karmann in den 1920er Jahren kennengelernt. Ein weiterer Abguss – deren Verbleib unbekannt ist – wurde anlässlich der Saarabstimmung 1935 in der Berli- ner Reichskanzlei aufgestellt. Für die Nationalsozialisten verkörperte die Figur das „schwere Bergmannslos“, das sich für sie schicksalhaft mit der „Saarfrage“ zum Anschluss des Saarlandes an das Deutsche Reich verbindet.”

Text für beide Figuren:

“Der Augsburger Bildhauer rückte den Menschen ins Zentrum seines künstlerischen Interesses und schuf in den 1920er Jahren zahlreiche Arbeiterdarstellungen. Während der menschenverachtenden Diktatur des Nationalsozialismus stellte er seine Kunst schließlich in den Dienst des Systems, ebenso im sozialistischen Unrechtsstaat der sowjetischen Besatzungszone und späteren Deutschen Demokratischen Republik. Bei der Betrachtung seiner Figuren ist daher eine kritisch-historische Distanz angebracht.”

 

 

gesamten Beitrag lesen »



Staatstheater Augsburg: Erstarrung auf dem Zauberberg

“Staatsintendant André Bücker entdeckt das berühmte Opus Magnum für die Bühne des martini-Park neu und bezieht die philosophischen und politischen Fragen des Romans auf unsere Gegenwart. Die Empfindung von Raum und Zeit, die Erfahrung sozialer Entschleunigung und Isolation sowie der Umgang mit Krankheit und Tod werden im Zuge der Pandemie auch auf dem Theater neu […]

gesamten Beitrag lesen »



„Der Drache“ in der Brechtbühne: Eine bittere Komödie mit aktuellen Bezügen

Das Stück „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz stammt aus dem Jahr 1943. Schon seine Aufführungsgeschichte zeigt, dass die Märchenlogik – das Gute besiegt das Böse – im realen Leben nicht so recht funktioniert. Von Halrun Reinholz Seit Jahrhunderten beherrscht ein Drache die Stadt. Jedes Jahr holt er sich eine Jungfrau und heiratet sie. Klassischer Fall […]

gesamten Beitrag lesen »



Ausstellung: Lehrer Rembrandt – Der große Maler im Spiegel seiner Schüler

Zum Ausklang des Rembrandt-Jahres anlässlich seines 350. Todestages zeigen die Städtischen Kunstsammlungen im Schaezlerpalais eine Ausstellung zum einflussreichen Wirken des bedeutendsten und berühmtesten holländischen Malers der Barockzeit. Von Dr. Helmut Gier Ausgehend von einem großen Werk Rembrandts selbst spiegelt die Präsentation den großen Künstler in Gemälden und Zeichnungen seiner Schüler. Denn auch als Lehrer war […]

gesamten Beitrag lesen »



Brechtfestival: Julian Warner wird neuer künstlerischer Leiter

Es ist entschieden, der Vertrag in trockenen Tüchern. Der neue künstlerische Leiter des Augsburger Brechtfestivals steht fest: Julian Warner. Julian Warner, geboren 1985, arbeitet als Kulturanthropologe interdisziplinär in den Bereichen Kuration, Musik, Performance-Kunst und Wissenschaft. Seit 2019 kuratiert er Festivals mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern in Frankfurt am Main, Berlin, München und Stuttgart. Warner studierte Theaterwissenschaft, […]

gesamten Beitrag lesen »



Uraufführung in der Brechtbühne: „Die Antwort auf alles“

Ein vielversprechender Titel, mit dem die Spielzeit am Theater eröffnet wird. „Endlich“, getreu dem Spielzeitmotto, stehen wieder Menschen auf der Bühne. Und (man glaubt es kaum) selbst im Zuschauerraum sind die Abstandsregeln gefallen, man sitz wieder „normal“ nebeneinander, wenn auch mit Maske. Die neue „Normalität“ hat sich aber noch nicht so herumgesprochen, zumindest scheint es […]

gesamten Beitrag lesen »



Sehnsuchtsort Kino ist nicht tot zu kriegen

Fast am gleichen Tag, an dem die 78. Internationalen Filmfestspiele Venedig begannen, ging das 15. Bayerische Fünf Seen Filmfestival zu Ende. Trends und Verlauf des bayerischen Kino-Spektakels geben Anlass, einen Blick auf die Situation und Perspektiven der Augsburger Programmkinos in und nach der Corona-Krise zu werfen. Von Udo Legner Während die Berlinale wegen der Corona-Pandemie […]

gesamten Beitrag lesen »



Führungen und Veranstaltungen der Kunstsammlungen und Museen vom 14. bis 19. September

Die städtischen Kunstsammlungen bieten bemerkenswerte Führungen und Veranstaltungen vom 14. bis 19. September an. So startet zum Beispiel am Freitag, 17. September die ” Sonderausstellung Lehrer Rembrandt – Der große Maler im Spiegel seiner Schüler” im Schaezlerpalais.  Weitere Führungen und Termine: 14. September 12 Uhr: Mittagssnack in der Sonderausstellung: Stiften gehen! Wie man aus Not eine Tugend […]

gesamten Beitrag lesen »



Gottesfürchtigkeit und Gemeinwohl: Ausstellung im Augsburger Maximilianmuseum zur Geschichte des Stiftergedankens

„Stiften gehen! Wie man aus Not eine Tugend macht.“ Eine Ausstellung im Maximilianmuseum erinnert an das Engagement reicher Augsburger für das Gemeinwohl der Stadt Von Halrun Reinholz Vor 500 Jahren stiftete Jakob Fugger die älteste Sozialsiedlung der Welt, die heute noch als Stiftung bestehende Fuggerei. Es war nicht seine einzige Stiftung und er war auch […]

gesamten Beitrag lesen »



Summer in the City: Das Ferienprogramm der Museen und Kunstsammlungen

Von Schatzsuche bis zum eigenen Trickfilm. Das Sommerferien-Programm der Kunstsammlungen & Museen bietet über die Sommerferien und darüber hinaus ein spezielles Programm an.  Im Rahmen des Ferienprogramms bei den Kunstsammlungen und Museen Augsburg gibt es verschiedene spannende Möglichkeiten Kunst und Kultur zu erleben. Auch rund um das Hohe Friedensfest im Augsburger Stadtgebiet am morgigen Sonntag, […]

gesamten Beitrag lesen »