DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Freitag, 05.06.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Der Kommentar

Kommentar zur Kulturpolitik: Eine Absage, die wie ein Abgesang klingt

Nachdem im April die Telefonsitzung der vermeintlich letzten Kulturausschusssitzung des alten Stadtrats abgesagt wurde, weil der abservierte Altreferent keine große Lust darauf  hatte. Doch auch die neue Stadtregierung kann es nicht besser. Gestern kam die zweite Absage. Der Kulturausschuss, der am 15. Juni hätte stattfinden sollen, wurde seitens der Interimsreferentin Eva Weber abgesagt. Die Begründung: keine Themen. Das brachte nicht nur die SPD/Linke-Fraktion, sondern auch Neustadtrat Peter Hummel auf die Palme. Peter Hummel ist gelernter Journalist, Stadtrat der Fraktion Bürgerliche Mitte und Mitglied im Kulturausschuss. 

Kommentar von Peter Hummel

Was dürfen die Bürgerinnen und Bürger von den Mitgliedern des Kulturausschusses des Augsburger Stadtrats erwarten? Richtig, dass sie sich für die Belange der Kulturschaffenden einsetzen, dass sie Visionen entwickeln, dass sie überhaupt kulturelles Leben ermöglichen. Letzteres ist gerade in diesen Corona-Tagen schwierig, wenngleich so manche Musiker, Schauspieler und Tänzer wohl verdutzt zur Kenntnis nehmen, dass man zwar in Fitness-Studios wieder nebeneinander schwitzen, nicht aber bei einem Konzert gemeinsam lauschen darf. 

Ich bin Mitglied im Kulturausschuss und überlegte mir dieser Tage, dass unsere erste Sitzung am übernächsten Montag wohl länger dauern wird – in der Annahme, dass in diesem Gremium um bestmögliche Konzepte für die Theater, die Museen, die freie Künstlerszene gerungen wird. Denn natürlich haben die Kulturschaffenden in unserer Stadt aktuell mindestens so große Sorgen wie Gastronomen, Einzelhändler und Schausteller. Ich bin sogar der Meinung, dass der Besuch einer Theater-Aufführung oder einer Lesung systemrelevanter ist als der reibungslose Betrieb eines Nagelstudios, aber gut, darüber kann man diskutieren, vor allem dann, wenn einem der Nagel eingerissen ist. Jedenfalls ging ich davon aus, im Kulturausschuss die Anliegen der Kulturschaffenden und der Kulturliebhaber gleichermaßen zu vertreten. 

Jetzt ist es allerdings so, dass ich übernächsten Montag frei habe, denn die Sitzung wurde abgesagt. Abgesagt nicht wegen Corona oder weil am 15.6. der bundesweite Tag des Strandkorbs gefeiert wird, sondern mit der Begründung, dass „keine Punkte zur Beratung oder Beschlussfassung anstehen“. 

Keine Punkte zur Beratung im Kulturausschuss? Das ist ungefähr so, als würde man ein Fußballspiel deshalb ausfallen lassen, weil drei von zehn Theologen nicht an den Fußballgott glauben. Ich halte das Signal, das mit einer solchen Absage in die Kulturszene Augsburgs gesendet wird, für fatal: Zum Thema Kultur gibt’s nichts zu besprechen, Kultur hat keine Relevanz, es gibt Wichtigeres. 

Dabei wäre es durchaus interessant, was es mit den anhaltenden Diskussionen rund um die Theatersanierung auf sich hat. Wie dafür die Pläne B, C und D aussehen. Wie Künstler den öffentlichen Raum während der Sommermonate bespielen können und ob schon mal jemand daran gedacht hat, die Philharmoniker in der WWK-Arena auftreten zu lassen. Dort könnten 5000 Musikliebhaber-Kumpel im Abstand von 1,50 Meter einen wunderbaren Abend verbringen. 

Klingt absurd, ja, klar, aber lasst uns doch endlich wieder unsere Phantasie anregen, lasst uns quer denken, verrückte Gedanken spinnen, überhaupt rum spinnen, lasst uns erst im Kopf und dann im Alltag die Depression überwinden. Vielleicht bin ich da noch zu naiv, aber ich habe mir tatsächlich ein paar positive Signale vom Kulturausschuss des Stadtrates erwartet. Jedoch, der Optimismus, der Glaube an die ersten Lichtblicke wurde abgesagt. Die Bühnen der Stadt gehören weiterhin den Fleischküchle-Bratern, den Nagelstudios und den Anbietern von Zumba-Yoga mit Qi-Gong-Workout. 

Ich werde im Stadtrat den Antrag stellen, Kulturausschuss-Sitzungen künftig auch dann einzuberufen, wenn es keine Themen für die Tagesordnung gibt. Denn wo es keine Themen gibt, gibt es jede Menge Probleme. 

gesamten Beitrag lesen »



Kommentar zur Gewalttat am Königsplatz: Die Augsburger Staatsanwaltschaft hat sich selbst überführt

Der Gewaltakt am Königsplatz ist ein Verbrechen und bleibt ein Verbrechen. Daran ändert die Herabstufung der Anklage von Totschlag auf Körperverletzung mit Todesfolge nichts. Dass dieser Fall dennoch ein “merkwürdiges Verbrechen” bleibt, ist auch der Augsburger Staatsanwaltschaft geschuldet.  Kommentar von Siegfried Zagler Als in den späten Abendstunden des 6. Dezember ein erwachsener knapp 50-jähriger Mann […]

gesamten Beitrag lesen »



Augsburg: Eine Stadt macht dicht – und sperrt ihre Bürger aus

Eine städtische Pressemitteilung, die darauf hinweist, dass ein öffentliches Areal knapp zwei Jahre nicht zugänglich ist, wird seitens der Augsburger Bürgerschaft nur noch mit Resignation und fatalistischem Achselzucken zur Kenntnis genommen. Gemeint ist das Olympiagelände am Eiskanal. – Es geht nicht um Corona-Sperrungen aus Infektionsschutzgründen, sondern um den ganz normalen Wahnsinn der konkret temporären wie […]

gesamten Beitrag lesen »



Bundesliga: Bizarrer Neustart mit einem scheinheiligen Konzept

Warum Bundesligafußball in Zeiten von Corona eine Lachnummer ist Kommentar von Siegfried Zagler Ein Virus stirbt mit seinem Wirt, die Gastronomie mit ihren Gästen und die Konjunktur kratzt in der Regel durch den Mangel an Nachfrage ab. Manchmal lassen sich komplizierte Sachverhalte einfach darstellen. Nur die Kirchen kommen in Deutschland ohne Gläubige aus – wie […]

gesamten Beitrag lesen »



Kommentar: Warum Weitzel gehen muss

Warum Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel seinen Abgang selbst zu verantworten hat Kommentar von Siegfried Zagler Augsburgs scheidender Kulturreferent Thomas Weitzel ist im Mai 2014 Kulturreferent geworden, weil er quer durch die Kulturszene in sein Amt gelobt wurde. Mit den Vorschusslorbeeren eines kulturaffinen, verwaltungserfahrenen und parteilosen wie kompetenten Fachmannes wurde er von einer großen Schar Kulturschaffender vors […]

gesamten Beitrag lesen »



Stadtregierung: Ein schwaches Bild bereits vor dem Start

Die sich derzeit formierende Stadtregierung zeigt sich vor der konstituierenden Stadtratssitzung am 4. Mai in einem merkwürdigen Zustand der Verunsicherung. Das liegt vornehmlich an der CSU-Fraktion, die von einer Zerreißprobe gebeutelt ist, die sich mit den beiden Namen “Dietz & Kränzle” zusammenfassen lässt. Kommentar von Siegfried Zagler Beide wollten den Fraktionsvorsitz und Leo Dietz zeigte […]

gesamten Beitrag lesen »



Corona-Isolation: Nichts Traurigeres als ein leeres Theater

Der Kulturbetrieb leidet besonders unter der Corona-Krise, doch er zeigt sich mit findigen Ideen in einer verzweifelten Lage Von Halrun Reinholz Ende März wandte sich André Bücker unter dem Motto  „Backstage-Geflüster“ mit einem ausführlichen Podcast an das nur virtuell vorhandene Theaterpublikum. Ein erster Versuch des Augsburger Staatstheaters, den Kontakt zu den Zuschauern  zu halten, eine […]

gesamten Beitrag lesen »



Kommentar zur Kommunalwahl: Der Niedergang der Augsburger SPD hat konkret mit den hiesigen Akteuren zu tun

Warum die SPD in Augsburg stärker verlor als in anderen bayerischen Großstädten Kommentar von Siegfried Zagler Die Augsburger SPD-Fraktion ist von rund 26 Stadtratssitzen in den siebziger Jahren auf 9 Sitze im heutigen Stadtrat in die Bedeutungslosigkeit gestürzt. Die Analysen zum allgemeinen Niedergang der SPD haben mit dem gesellschaftlichen Wandel, der bundesweiten politischen Großwetterlage und […]

gesamten Beitrag lesen »



Grüner gehts nicht: Kommentar zum Koalitionsvertrag der Schwarz-Grünen Stadtregierung

Die Augsburger Stadtregierung aus CSU und den Grünen hat sich auf dem Papier eine linksgrüne Programmatik verordnet, die sich die Grünen in ihren kühnsten Träumen nicht hätten vorstellen können. Es ist ein Werk des Grünen Aufbruchs, sodass man den Eindruck erhält, dass sich die Gribl-CSU in Luft aufgelöst hat Von Siegfried Zagler Die Maximilianstraße und […]

gesamten Beitrag lesen »



Schwarz-Grün folgt einem Wählerauftrag – Kommentar zur Bildung der neuen Augsburger Stadtregierung

Warum nach zwei schwachen Regierungen der Gribl-Ära eine starke Stadtregierung zu erwarten ist Kommentar von Siegfried Zagler Es ist eine gute Sache im demokratischen Sinn, wenn sich eine Regierungskoalition aus zwei Parteien bildet. In Augsburg lässt sich nach der Kommunalwahl 2020 der Wille des Wählers mit Händen greifen: Die Grünen konnten die Anzahl ihrer Stadträte […]

gesamten Beitrag lesen »