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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 06.11.2018 - Nr. 310 - Jahrgang 6 - www.daz-augsburg.de
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Kolumne

Bananenröckchen zur Weihnachtszeit

Die neue DAZ-Rubrik „Das geht gar nicht“ soll auf Missstände, Vergessenes oder Verborgenes hinweisen, in der Stadt Augsburg gibt es davon reichlich. Heute senkt sich das Haupt vor dem Vogeltor zur Weihnachtszeit.

Genau weiß man es heute nicht mehr, warum das Vogeltor „Vogeltor“ heißt. Seit 1374/75 ist an dieser Stelle ein Tor mit Brücke aufgezeichnet. 1445 wurde dieses Tor abgerissen und möglicherweise auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Konrad Vögelin ein neues errichtet, eben das heutige Vogeltor, dessen gotisches Durchgangsgewölbe selbst den Fliegerbomben der Allierten standhielt. Neben der Benennung nach dem Auftraggeber könnte der Name aber auch von einem Vogelfänger stammen, der von 1403 bis 1409 das alte Tor bewohnte.

Als hätte man dem Vogeltor unter den Rock gegriffen: Augsburger Denkmalpflege am Vogeltor

Als hätte man Josephine Baker unter den Rock gegriffen: Augsburger Denkmalpflege am Vogeltor (c) DAZ


Wann es anfing, wer damit anfing und was der Denkmalschutz davon hält oder warum Heimatpfleger Hubert Schulz deshalb nicht Alarm schlägt, soll an dieser Stelle nicht erörtert werden. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit, wenn sich die Bewohner der Städte enthemmt im Konsumrausch befinden, ist alles erlaubt: mit Würstchen- und Ramschbuden zugestellte Plätze und Straßen und öffentliche Dauerberieselung mit Erbauungsmusik, die neben dem üblichen Kaufzwang eine wochenlange Apathie auslöst und somit gefährliche Familienzusammenführungen ermöglicht.

Wer will sich also in der sogenannten „stillen Zeit“ darüber aufregen, dass das Vogeltor jedes Jahr zur Weihnachtszeit – von wem auch immer veranlasst, einen zu kurzen Rock verpasst bekommt? Ein Lichterkettenrock, der mehr an Josephine Bakers Bananenrock erinnert als an Weihnachtsschmuck, ist am Vogeltor zwar so überflüssig (und so hässlich) wie ein Kropf, aber im Krieg und zur Weihnachtszeit ist, wie gesagt, alles erlaubt.

Ein leuchtender Bananenrock ist nichts Aufregendes, auch dann nicht, wenn ihn ältere Damen tragen müssen, wie unser Wehrturm, der ursprünglich maskulin ist, aber von der Augsburger Verwaltung ein paar Wochen im Jahr eine Geschlechtsumwandlung ertragen muss. Sturmtief „Burglind“ hat nun das Kleidungsstück zersaust, sodass Augsburgs Bananenröckchen das historische Gemäuer freilegte, das es doch festlich überdecken sollte.

Mit dem Ablegen des Bananenrocks ging gestern die stille Zeit zu Ende. Das Vogeltor ist wieder nackt, man muss sich nicht mehr schämen, doch es bleibt nur wenig Zeit zur Entspannung – der Fasching naht.

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Welt voller TeufelInnen

Dass die Hölle ein real existierender Ort ist, ist schwer zu widerlegen, wenn man sich in der Welt der Lebenden ein wenig umsieht. Wenn man sich genauer umsieht, dann verliert sogar die biblische Vorstellung der Hölle ihren Schrecken. Um der metaphysischen Negierung des Himmels wieder jene furchteinflößende Kraft zu verleihen, die den Siegeszug und die […]

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Kasperle auf der Bombe

Dass Augsburg als „Bombenstadt“ in die Geschichtsschreibung eingegangen ist, verdanken wir dem neuen Politmarketing der Stadtregierung, die sich in der Gestalt des Oberbürgermeisters daran begeisterte, dass sich die Bewohner eines Gefahrensektors so widerstandslos an die Anweisungen der Experten hielten und für ein paar Stunden ihre Wohnungen verließen. Von Helge Busch Dem Freilichtbühnen-Theater der Extraklasse folgt […]

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In diesen heil’gen Hallen kennt man die Rache nicht

Wenn in Augsburg schon kein „ARD-Tatort“ gedreht wird, dann wenigstens vor Ort Tatort-Theater machen. So denkt Augsburgs neuer Intendant André Bücker. Von Helge Busch Ein Theater sei ein politischer Ort, der soziale Gegenwart reflektieren müsse, sagt Bücker. Wie wahr. Deshalb macht der neue Intendant die Augsburger mit seiner Tatort-Idee richtig mordlustig. Doch eigentlich müsste so […]

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Es brennt, es brennt!

Alles ist gut und wird besser Von Helge Busch Personalisierte Schlagzeilen in der Zeitung sorgen garantiert für Zündstoff. Und wenn über ein Feuer auf einem Flachdach in Pfersee der OB beunruhigt war, fühlt sich der Augsburger AZ-Leser im Nachhinein wieder beruhigt. Ist es nicht schön zu wissen, dass selbst Brände, die dem obersten Feuerwehrmann der […]

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Ein „Brechtbühnenbordell“ wäre die Lösung

Ja, so ein Pech! Jetzt hat die Stadt nicht nur ein großes Theater mit dem Großen Haus am Kennedyplatz und möglichen Ausweichstätten für dasselbe, nein, jetzt kommen auch noch Auseinandersetzung mit Betreibern zu etablierender Bordelle und Laufhäuser an verschiedenen Standorten dazu. Von Helge Busch Super, dass die Öffentlichkeit darüber ausführlich informiert wird. Vorschlag: Man könnte […]

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Brecht-Lehrstück in der Bundesliga: FCA könnte Weinzierl auf Schalke stürzen

Gewinnt am kommenden Sonntag der FC Augsburg auf Schalke, darf man unverblümt davon sprechen, dass das Duo Heidel/Weinzierl gescheitert ist. Langsam müsste es nämlich den Verantwortlichen in Gelsenkirchen dämmern, dass sich die Erfolgsphänomene der kleinen Provinzen nicht in die große Provinz übersetzen lassen. Von Siegfried Zagler Die Fußballbundesliga bestätigte am 23. Spieltag eine schlichte Prognose […]

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„Nazi ist doch nicht gleich Nazi!“

„Werner Egk bleibt lebendig“. Ja geht’s noch?! Glosse von Helge Busch „Wer suchet, der findet“, so heißt es in der Bibel. Wer ernsthaft nach Erkenntnis sucht, muss in der Vergangenheit suchen, um ans Licht zu bringen, was meistens eh bekannt ist. In Friedberg war’s das Wernher-von-Braun-Gymnasium, das (zu Recht) in die braune Ecke gerückt wurde […]

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Bundesliga: Sitzen die 18 besten Trainer im Karussell der Träume?

Der FC Bayern München hat sich Trainer geleistet, die man als „Irrtum“ bezeichnen muss. Louis van Gaal und Pep Guardiola zum Beispiel wurden nicht geholt, um die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Ob sich mit Carlo Ancelotti der dritte Welttrainer zu höheren Weihen aufschwingt, wird sich zeigen. Bei den Münchnern steht jeder Trainer sehr lange auf […]

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Treppe und Treppenlauf

Was man für das kommende Jahr wünschen darf. Teil I+II Von Siegfried Zagler In der „staaden Zeit“ kann es ohne Schnee nicht wirklich still sein. Weihnachten ohne Schnee ist beinahe wie ein Turm ohne Treppe, weshalb eine gewisse Altaugsburg-Gesellschaft kurz vor Weihnachten wohl auf die Idee kam, im vergangenen Bauausschuss einen Bauantrag zu stellen, der […]

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