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Mittwoch, 13.11.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Baukultur

Debatte: „Diese Planung muss gestoppt werden“ – Der Streit um die Theatersanierung geht weiter

Die in der Kritik stehende Theatersanierung hat Ende Oktober zu einer nervösen und schnell vorübergehenden Debatte geführt, die überwiegend von der Augsburger Allgemeinen angezettelt wurde, indem sie politische Statements destillierte, die den anvisierten zentralen Theaterstandort am Kennedy-Platz nicht mehr als Heiligen Gral betrachten.

Die Kritiker der aktuellen Sanierungspläne haben seit gestern eine weitere Stimme mit Gewicht zu verzeichnen: Bruno Marcon und seine Initiative „Augsburg in Bürgerhand“ haben sich zu Wort gemeldet. Es müsse nun darum gehen, am Kennedy-Platz die Kostenspekulationen zu beenden, Seriosität und Planungssicherheit sollen verlässliche Parameter werden, damit die gesamte Wahrheit des Projekts auf den Tisch komme, und zwar vor der Kommunalwahl. Das verantwortliche Planungsbüro habe die Kosten für das Bauteil 2 mit zirka 20 Millionen Euro überschritten. Für das Große Haus (Bauabschnitt I) drohten ebenfalls weitere, bisher ungenannte Kosten. Die bisherige Bauplanung könne nicht mehr aufrecht erhalten werden. „Mit heißer Nadel wurde durch Umplanungen versucht, die Kosten auf die ursprüngliche Schätzung zu reduzieren. – Die bisherige, fehlerhafte Kostenkalkulation lässt die Wahrscheinlichkeit wachsen, dass alle Vorgaben keinen Bestand mehr haben werden.“

So orakelt die Initiative und schießt dabei scharf: Der verantwortliche Planer und die Stadt seien nicht in der Lage, eine realistische Kostenkalkulation auf den Tisch zu legen. Aus der Verwaltung sei zu entnehmen, dass eine Finanzplanung für das Theater „reine Spekulation“ ist. Und die Stadtregierung habe die Entscheidung über die Finanzplanung und den weiteren Ausbau auf die Zeit nach der Wahl verlegt. „Den Bürgern soll die Möglichkeit genommen werden, mit einer Wahlentscheidung Einfluss auf das desaströse Finanzgebaren der Stadtregierung zu nehmen.“

Außerdem fordert die Initiative „eine vollständige Transparenz über die Kostenentwicklung“. Diese Kostenplanung müsse in Eckpunkten noch vor der Kommunalwahl auf den Tisch. „Um Beschönigungen vorzubeugen, muss sie den jetzigen Planern aus der Hand genommen und von unabhängigen Gutachtern geprüft werden“, so die Initiative, die sich für ein umfassendes Moratorium und ein zukünftiges Theater mit dezentralen Spielstätten positioniert.

Bruno Marcon

„Augsburg in Bürgerhand“ fordert ein umfassendes Moratorium.“ Dieses Moratorium bezieht sich nicht nur auf das Einfrieren der Kosten bis sämtliche Kostenkalkulationen und Bauplanungen vorliegen. Die Gruppierung fordert auch eine andere inhaltliche Ausrichtung des Theaters. Das Moratorium solle auch eine neue Konzeption eines „Theater der Zukunft“ entwickeln. Das „Ästhetische Theater“ der Vergangenheit müsse ergänzt werden durch ein Theater der Zukunft, das mitten aus dem Leben stamme und Brücken zu unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen spannen könnte.

In diesem Sinne soll, ginge es nach der Initiative, eine Debatte um die zukünftige Ausrichtung des professionellen Kulturlebens angestoßen werden und auch wie dessen Vernetzung mit der freien Szene stattfinden könne. Welche Kultur, für wen und an welchen Orten, soll zur Leitfrage erhoben werden, ebenso die Frage nach einer dezentralen Ausrichtung.

„Durch eine dezentrale Ausrichtung wäre der Bau eines Schauspielhauses am jetzigen Theaterstandort nicht mehr notwendig“, so Bruno Marcon, der auch ans Sparen denkt: „Mit der dezentralen Lösung könnte in der Baustufe II der Bau eines Schauspielhauses wegfallen und zu enormen Kosteneinsparungen beitragen. Damit würden sich auch die nötigen Ausbauschritte für das Haupthaus reduzieren. Auch dies könnte zu weiteren Kostenreduzierungen beitragen. Gleichzeitig könnte mit der Maßnahme auch mehr Wert auf den Ausbau der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten gelegt werden.“

Dirk Wurm und die SPD-Fraktion agierten als Stichwortgeber der Debatte Ende Oktober deutlich verhaltener und hatten sich eingangs nur darüber echauffiert, dass die Kostensituation des gesamten Projekts nicht geklärt sei: „Hier braucht es schnellstmöglich Antworten, unter Berücksichtigung der temporären und gut angenommenen Spielstätten im martini-Park und am Gaskessel. Denn einerseits wurden diese Spielstätten mit erheblichem finanziellen Aufwand hergestellt, andererseits kann in der räumlichen Diversität durchaus eine Chance für die Verankerung des Staatstheaters in der Stadtgesellschaft liegen, indem neue, „theaterfernere“ Zielgruppen angesprochen werden“, so der OB-Kandidat der SPD Dirk Wurm vor zwei Wochen.

Dirk Wurm

Mit diesem Statement hatten Wurm und Co. einen heftigen wie schnell vorübergehenden Herbst-Sturm entfacht. So meldete sich mit einer wolkigen wie kurzen Stellungnahme Kunstminister Sibler aus München zu Wort, um zu betonen, dass der Freistaat zum Staatstheatersanierungsplan stehe, ganz so, als ob man daran zweifeln müsste. Die Stadt ließ – quasi gleichgeschaltet – in einer ausführlichen Stellungnahme ihrer Sorge freien Lauf, dass durch ein dezentralisiertes Staatstheater die Sanierungshöchstförderquote des Freistaats gefährdet sei und im laufenden Betrieb eines dezentralen Staatstheaters die Kosten wesentlich höher wären, da der Freistaat zum Beispiel nicht die Mieten für die beiden Interimspielstätten bezahlen würde. Außerdem wäre bei einem Staatstheater eine veränderbare Bühne eher angebracht als die statischen Guckkasten-Bühnen im Martini Park und im Gaswerk.

Und selbst die CSU-Fraktion, die in den vergangenen zwölf Jahren keine drei Pressemitteilungen zu kulturpolitischen Themen verfasste, stand plötzlich im Wind: „Die weit über einen „Theaterbau“ hinausgehende Vision eines Kulturviertels rund ums Theater wird nach Ansicht der CSU-Fraktion durch solche Überlegungen pulverisiert. Dies zeige mal wieder, so der CSU-Kulturausschuss-Vorsitzende Andreas Jäckel, dass „die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirkungen von Kultur und zudem eines Arbeitgebers für über 400 Menschen inmitten der Stadt völlig verkannt werden. Es ist schlichtweg kultur- und wirtschaftspolitisch kurzsichtig, von den Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten mal ganz zu schweigen“.

Die Dezentralisierung von Werkstätten, Verwaltung und Bühnen hätte nach Angaben des Theaters, so Jäckel, erhebliche Arbeitserschwerungen für die Mitarbeiterschaft insbesondere in den technischen und logistischen Bereichen zur Folge, die ebenso wieder finanziell Niederschlag finden würden.

Volker Schafitel

Und selbst der Augsburger CSU-Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich (zugleich auch Bezirkschef der Augsburger CSU) blies ins gleiche Horn wie die Kulturpolitiker der CSU-Fraktion. „Die SPD agiert  auch scheinheilig in Bezug auf die Theatersanierung, wenn sie vorgibt Kosten sparen zu wollen, gleichzeitig im Rahmen der Bürgerbeteiligung große Versprechungen in Aussicht stellt, die das jetzt in Frage gestellte Bauteil teuer machen. Dazu komme noch eine Milchmädchenrechnung der SPD: Sie übersieht, dass die Mehrkosten mehrerer Theaterstandorte im Betrieb so hoch sind, dass die höheren Kosten für das Bauteil 2 am Zentralstandort schon in wenigen Jahren überstiegen werden.“

Unabhängig davon äußerte sich Stadtrat Volker Schafitel (FW) auf Nachfrage in seiner Eigenschaft als Architekt zur Planung von Bauteil 2. „Das kann man so nicht machen. Das ist völlig daneben, ich habe mich jetzt lange mit dieser Planung beschäftigt. Sie muss gestoppt werden.“

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