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Donnerstag, 10.11.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Tag des offenen Denkmals

KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz

Am kommenden Sonntag  findet auch in Augsburg wieder der Tag des offenen Denkmals statt. Es ist die größte Kulturveranstaltung Deutschlands und steht in diesem Jahr unter dem Motto „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“.

Bausubstanz als Beweismittel der Geschichte

Denkmalschutz heißt: Geschichte bewahren. Die reiche Geschichte Augsburgs spiegelt sich im heutigen Denkmalbestand wider. So sind von den circa 80.000 Gebäuden der Stadt 1.068 als Einzelbaudenkmäler geschützt, 4.500 befinden sich in einem Denkmalensemble (Stand 2015). Ein Blick hinter die Fassade macht die Denkmalpflege ebenso spannend wie wichtig. Denn Denkmale sind Zeugen vergangener Geschichten ihrer Bewohner und Erbauer. Ihre Bausubstanz steckt voller Beweismittel. Historische Narben, Ergänzungen und Weiterentwicklungen erzählen viel über das Leben eines Bauwerks. Nur durch intensive „Spurensuche“ lässt sich die Baukunst verstehen und an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Alle Interessierten sind eingeladen, sich auf Spurensuche zu begeben und Geschichte wie Geschichten am Denkmal zu ermitteln.

Vielfalt denkmalgeschützter Bauwerke

Am Tag des offenen Denkmals 2022 bieten die Stadt Augsburg und das Team der Unteren Denkmalschutzbehörde mit Unterstützung engagierter Denkmaleigentümer, Initiativen, Vereine, ehrenamtlich Tätiger und Architektur-Experten den Besucherinnen und Besuchern ein vielseitiges Programm an. „Besonders erfreulich ist, dass nach zwei Jahren Pandemie der ‚Tag des offenen Denkmals‘ wieder in gewohnter Form stattfindet und sich die Gäste vor Ort auf Spurensuche begeben können“, so Baureferent Gerd Merkle. Den ganzen Tag über öffnen zahlreiche Bauwerke ihre Tore. „Alle werden fasziniert davon sein, an wie vielen Beispielen sich das breite Feld des Themas in Augsburg entdecken lässt – ob in den großen Sakralbauten, den Bürgerhäusern, den Stadtbefestigungen, den Bauten des Augsburger Wassermanagements oder den berühmten Bauten des Handwerks und der Industrialisierung in Augsburg“, so Merkle.

„KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“ in Augsburg

Für spannende Spuren am Denkmal finden sich auch in Augsburg zahlreiche Beispiele. Bei archäologischen Grabungen werden Spuren der Vergangenheit immer wieder sichtbar. Die Archäologie im Stadtgebiet umfasst alle vorgeschichtlichen Epochen von der Jungsteinzeit über die Metallzeiten bis zur Erforschung der römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum und ihrer Umgebung (Straßen, Friedhöfe, Gutshöfe, Infrastruktur). Für die Bewahrung, Erforschung und Dokumentation dieses kulturellen Erbes sind die Stadtarchäologie und das Archäologische Zentraldepot im Augsburger Textilviertel zuständig. Der Archäologische Garten und das Römerlager im Zeughaus beteiligen sich am 11. September am „Tag des offenen Denkmals“.

Das Wassermanagement-System

Das Augsburger Wassermanagement-System ist heute Welterbe. So lassen sich auch an den Bauten des Augsburger Wassermanagements, wie den Wassertürmen am Roten Tor, am Eiskanal in der Olympia-Kanuslalomanlage oder am Wasserwerk am Hochablass spannende Spuren der Vergangenheit entdecken und die Technik verstehen. Denn Augsburgs Ingenieure und Gelehrte waren höchst einfallsreich dabei, das Wasser der drei Flüsse Lech, Wertach und Singold so zu stauen und umzuleiten, dass es die ganze Stadt erreichte. Sie nutzten die Kraft des Wassers auch, um die Stadtbevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und waren damit Vorreiter in ganz Europa.

Fernmeldeamt mit außergewöhnlicher Architektur

Was heute normal ist, einfach den Hörer in die Hand zu nehmen und ein Telefonat zu führen, war früher eher kompliziert: Telefongespräche mussten händisch per Steckverbindung vermittelt werden. Bis heute ist das Augsburger Fernmeldeamt in der Langenmantelstraße als ein architektonisch außergewöhnliches Gebäude sehr gut erhalten. Bei einer Führung am 11. September lassen sich gestalterische Elemente des Kubismus, Expressionismus sowie der Neuen Sachlichkeit entdecken und bestaunen.

Geschichte des Denkmaltages

Den Tag des offenen Denkmals hat der frühere französische Kulturminister Jaques Lang 1984 ins Leben gerufen. Seit 1993 findet der Denkmaltag auch in Deutschland immer am zweiten Sonntag im September statt, heuer also am 11. September. Seit 2001 wird der Denkmaltag von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die deutschlandweit die Präsentationen koordiniert, unter ein gemeinsames inhaltliches Dach gestellt.

Das Programmheft und die Broschüre sind in der Bürgerinfo am Rathausplatz 1 kostenlos erhältlich. Eventuelle kurzfristige Programmänderungen werden im Internet unter augsburg.de//tag-des-offenen-denkmals mitgeteilt. Für Führungen sind zum Teil Anmeldungen erforderlich. Genaue Informationen sind im Programmheft aufgeführt. Die Führung am Alten Schießplatz in Haunstetten entfällt krankheitsbedingt.