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Mittwoch, 30.09.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Museen

Rassismusdebatte: Regio-Chef Beck räumt Schwächen ein, verteidigt Gesamtkonzept und will Fugger Welser Museum “noch besser” machen

Im Fugger und Welser Erlebnismuseum könne man Sklavenhandel „zum Anfassen“ erleben, so der verantwortliche Regio-Chef Götz Beck in einer Stellungnahme. Das unter Becks Leitung konzipierte und 2014 eröffnete “Erlebnismuseum” steht derzeit im Fokus der Rassismus-Kritik.

Von Siegfried Zagler

© DAZ

Der Vorwurf lautet, dass das Museum die Handelsimperien der Fugger und Welser sowie ihre Art des Wirtschaftens, ihre politische Einflussnahmen glorifiziere und in diesem Zusammenhang in dieser “goldenen Augsburger Zeit” Kinderarbeit und Sklavenhandel plausibilisiere. Das Augsburger Museum reagiert nun auf die von der DAZ veröffentlichten Rassismus- und Glorifizierungskritik, indem es das bisherige Konzept verteidigt, Zugeständnisse macht und Nachschärfungen verspricht.

Nach eigenen Recherchen zeigt sich Götz Beck, Tourismusdirektor der Regio Augsburg Tourismus GmbH, überrascht: “Es gibt fast kein Museum in Deutschland, dass sich annähernd umfassend wie das Fugger und Welser Erlebnismuseum mit dem Sklavenhandel auseinandersetzt.” –  Thematisiert werde Sklaverei zwar auch im Missionsmuseum Sankt Ottilien, im Museum Soul of Africa in Essen oder auch im Schifffahrtsmuseum Flensburg – aber kaum irgendwo derart massiv wie im Augsburger Wieselhaus: 18 Manillen – Armreife aus Bronze oder Messing – würden als Exponate eine Museumswand dominieren. Anfassen sei erlaubt, und auch die Geschichte dieser Artefakte, die als Primitivgeld Zahlungsmittel beim Sklavenhandel in Westafrika waren, werde im Museum erklärt. Das dafür benötigte Kupfer stamme nicht selten aus Fugger‘schen Bergwerken in Tirol oder in der heutigen Slowakei. 

Auch die Rolle der Welsergesellschaft in den Frühzeiten der Globalisierung werde nicht geschönt. Beck verweist in diesem Zusammenhang auf ein Zitat aus dem Text einer Museumsstele: „Wie in allen spanischen Nachbarprovinzen wurden gefangene Ureinwohner verkauft, um Beutezüge zu finanzieren. Indianer wurden ermordet, gefoltert und beraubt. Selbst getaufte Indianer wurden als Träger versklavt, wenige überlebten.“ Dass das Welser’sche Conquista-Unternehmen mit der Einfuhr versklavter Afrikaner finanziert wurde, werde im Museum ebenfalls “deutlichst formuliert”.

Der Kulturwissenschaftler Dr. Mark Terkessidis beschreibt in seinem Buch „Wessen Erinnerung zählt? Koloniale Vergangenheit und Rassismus heute“ (Hoffmann und Campe) das glorifizierende und verharmlosende Narrativ des Museums.

“Götz Beck, Chef der Regio Augsburg Tourismus GmbH, ist durchaus nicht in jedem Punkt der Kritik einverstanden, doch er nimmt sie durchaus ernst”, wie es in der Stellungnahme der Regio heißt. Die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsel sei aber nicht notwendig, da das Fugger und Welser Erlebnismuseum nicht nur die Vergangenheit durchaus kritisch beleuchte, sondern sogar die globale Wirtschaft von heute und ihre negativen Folgen hinterfrage.

„Nachschärfen“, so Beck, wird das Museum in den kommenden Monaten dennoch. Die Rolle der Fugger und Welser bei den Schattenseiten der beginnenden Globalisierung soll markanter herausgearbeitet werden. „Wir werden deutlich machen, dass immer irgendwer für den Reichtum Weniger bezahlen muss – und wer das jeweils war“, so Beck.

“Sie grüßen nicht freudig, sondern sie drohen mit Keule und Bogen”: Drei nackte “Indianer” als Wandgemälde im Welserzimmer © DAZ

“Kritisiert wird auch”, so Beck, “eine Darstellung von Indianern an der Küste Venezuelas im Museum, zu der Mark Terkessidis schreibt”: „Nackt winkten sie ihren ,Entdeckern‘ freudig zu.“ Dabei habe der Autor übersehen, dass diese Indianer nicht freudig grüßen, sondern mit Keulen und Bogen drohen. Eventuell werde deshalb künftig eine Texttafel das umstrittene Motiv beschreiben.

“Jeder Raum und jedes Motiv wird geprüft”, so Beck. „Missverständliche Museumsinhalte werden wir in Zukunft einfach besser erklären müssen, das ein oder andere werden wir neu installieren“. Dabei wird die Zusammenarbeit mit Kritikern gesucht werden. Auch bei der Neugestaltung einer zuletzt umstrittenen Museums-App zum Thema Sklaverei will Beck diese Kritiker und andere Experten einbinden. Beck sieht die Kritik aber auch als Chance: „Dadurch, dass wir uns mit dieser Thematik befassen, wird das Museum nur noch besser.“

 

 

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