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Montag, 08.07.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Freilichtbühne

Diesmal wieder Oper: Turandot auf der Freilichtbühne

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist mal wieder eine Oper auf der Freilichtbühne angesagt. Zwar insgesamt nur wenige Vorstellungen, aber die Befürchtung, dass nur Musical vom Publikum angenommen wird, hat sich wohl nicht bestätigt. So mancher, der spontan den lauen Sommerabend nutzen wollte, bekam keine Karte mehr.

Von Halrun Reinholz

Foto: Jan-Pieter Fuhr

Ein Märchen, das ist Turandot ja eigentlich, wurde da auf der Bühne gegeben. Eines der grausamen Märchen, die eher nicht kindertauglich sind. Turandot ist eine Prinzessin in China, die sich der Rache verschrieben hat. Der Rache an den Männern für das Leid, das diese ihrer Ahnin zugefügt haben. Alle Männer, die um ihre Hand anhalten, müssen drei schwere Rätsel lösen. Können sie das nicht, wird ihnen gnadenlos der Kopf abgehackt. Ein bleicher persischer Prinz sitzt beim Beginn der Vorstellung auf der Bühne und wird vom Henker (der immer wieder in Quasimodo-Manier etwas albern mit einem Beil herumfuchtelt) abgeführt. Der Henker hält dann später triumphierend einen abgehackten Kopf in der Hand.

Diese plakativen voyeuristischen Momente sind in der Inszenierung von André Bücker zum Glück die Ausnahme. Freilichtbühne verlangt zwar immer etwas mehr Show als eine normale Bühneninszenierung, aber Turandot ist eher handlungsarm und bietet deshalb nur wenig Möglichkeiten der großen Inszenierung. Bühnenbild (Karel Spanhak) und Kostüme (Aleksandra Kica) vermitteln auf angenehme Art orientalisches Flair und märchenhafte Fantasiewelten und die Höhenunterschiede auf der Freilichtbühne werden dramaturgisch geschickt ausgenutzt, sodass spektakuläre Stunts oder Auftritte nicht vermisst werden.

Wie in den meisten Puccini-Opern bietet auch die Musik nur wenig publikumswirksame Ohrwürmer, dafür subtile Dramatik. Einzig die bekannte Arie „Nessun dorma“ des Calaf hat sich dem Opernpublikum nachhaltig eingebrannt, Xavier Moreno als Gast erfüllt nicht nur hier alle Erwartungen. Mit Sally du Randt als Turandot durften die Augsburger nach längerer Zeit einen langjährigen Publikumsliebling wiedersehen. Facettenreich war das Zusammenspiel der drei Minister Ping, Pang und Pong (Wiard Withold, Claudio Zazzaro und Roman Poboinyi). Jihyun Cecilia Lee als Liù brillierte aufopferungswillig neben und mit Avtandil Kaspeli als Timur. Wie immer auf der Freilichtbühne hatte der großartige Chor mit Extrachor und Unterstützung der Augsburger Domsingknaben eine tragende Rolle zu spielen, auch wenn das Zusammenspiel manchmal vom Winde verweht schien. Das Orchester im regensicheren Verschlag war kaum sichtbar, die Töne fanden unter Domonkos Héja auf wundersame Weise dennoch ihren Weg ins Publikum.

Das Interesse des Publikums hat gezeigt, dass Oper zu Unrecht so lang von dieser großartigen Freilichtbühne verbannt war. Trotz aller Wetter-Risiken ist und bleibt das Erlebnis unter freiem Himmel ein besonderes. Nicht umsonst pilgern Opernliebhaber deswegen im Sommer von Verona bis Bregenz zu den einschlägigen Spielstätten. Eine mutige und richtige Entscheidung des Intendanten, die hoffentlich nicht so schnell wieder im Sand verläuft. In der nächsten Spielzeit ist leider schon wieder keine Oper auf der Freilichtbühne vorgesehen.