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Dienstag, 13.11.2018 - Nr. 317 - Jahrgang 6 - www.daz-augsburg.de
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Film

„Reden wir über Brecht“ – Regisseur Joachim Lang zu Gast im Thalia

Am gestrigen Sonntag fand im viel zu kühlen Thalia-Kino eine fast ausverkaufte Vormittagsvorstellung von Joachim Langs Dreigroschenfilm statt. Anschließend plauderten der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, Gregor Peter Schmitz, Joachim Lang und Lutz Kessler (Staatstheater Augsburg) über die Kunst, einen Film zu machen.

Von Udo Legner

Brecht in Augsburg – Foto: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Schon am Kinoeingang wurde das Publikum mit der Moritat von Mackie Messer auf die über zweistündige Tour de Brecht und die anschließende Diskussion mit dem Regisseur und ehemaligem Brechtfestival-Leiter Joachim Lang eingestimmt. Was die Temperatur im Thalia-Kinosaal anbelangte, hätte der Kontrast zur geradezu tropischen Premiere des Mackie Messer Dreigroschenfilms am 13. September nicht krasser sein können. Trotzdem gab es am Ende des Films warmen Applaus, als Moderator und Chefredakteur Gregor Peter Schmitz neben dem Regisseur auch Lutz Kessler, den Dramaturgen des Augsburger Staatstheaters begrüßte.

Joachim Lang schwärmte von der Traumbesetzung seines Mackie Messer-Films – angefangen von Lars Eidinger in der Rolle des Brecht, über Hannah Herzsprung als Polly und Tobias Moretti als Macheath. „Ein verschworener Haufen“ sei das Ensemble gewesen, das ihm half, all die Unbill in Zusammenhang mit den Filmrechten und der Finanzierung durchzustehen.

Wie bei Langs Augsburger Brechtfestivals propagierte er in seinem Dreigroschenoper-Film nicht den ideologischen und dogmatischen Bert Brecht, sondern ließ Lars Eidinger Brechts provokative und humorvolle Seite herausstellen. Wie erstaunlich modern Bert Brecht ist – auch darauf wurde im Gespräch zum Film hingewiesen.

Vieles, was in amerikanischen Serien als das Non Plus Ultra der modernen Filmsprache gepriesen wird – wie etwa der direkte Blick, den Kevin Spacey in der Netflix Serie House of Cards in die Kamera wirft, um das Publikum direkt anzusprechen und somit eine Nähe zum Protagonisten entstehen lässt, die ihn trotz seines boshaften Charakters menschlich macht, – sei bereits bei Bert Brecht zu finden, wie Joachim Lang dem Publikum erklärte.

Besonders erfreulich fand Dramaturg Kurt Kessler, dass das Theater durch Joachim Langs Mackie Messer-Film in die Kinos komme, nachdem es von den Fernsehschirmen mehr und mehr verschwunden ist. Mehr als 120.000 Zuschauer hätten den Film bereits seit dem Start am 13. September gesehen und würden dadurch vielleicht auch wieder den Weg ins Theater finden.

Dr. Joachim A. Lang – Foto: DAZ-Archiv

Am Ende der Diskussion konstatierte Joachim Lang, dass das sicher nicht der Film sei, den Bert Brecht drehen wollte, sondern der Film, wie er ihn machen wollte. Er garnierte diese Feststellung mit dem Brecht-Bonmot „Man muss heute heutiges und nicht abgehangenes Rindfleisch essen.“ So habe er versucht, aktuelle Themen und Entwicklungen aufzugreifen. So seien für ihn die Bettler in seinem Dreigroschenfilm die Flüchtlinge, die von Ungarn über Österreich nach Deutschland gekommen sind. Es gehe nämlich – wie es in der Mackie Messer-Moritat anklingt – nicht zuletzt darum, auf das hinzuweisen, was sonst im Dunkeln bleibt: auf die Brutalitäten unserer Welt, in der die Spaltung zwischen Arm und Reich zunimmt, auf das Wiedererstarken des Faschismus und das Eintreten für die Freiheit der Kunst.

Nach langanhaltendem Schlussapplaus setzte der ehemalige Stadtrat Karl Heinz Englet noch einen unerwarteten Schlusspunkt. Er erinnerte an die tolle Zeit, in der Joachim Lang das Festival geleitet hatte und konfrontierte ihn mit der Frage, ob er wieder die Leitung des Augsburger Brechtfestivals übernehmen wolle. In seiner knappen Replik verwies Joachim Lang darauf, dass dies Sache der hiesigen (Kultur-)Politiker sei und verwies noch kurz auf Dessau, wo es bessere Strukturen für eine nachhaltige Brechtpflege gebe.

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