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Freitag, 17.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Kino

Sehnsuchtsort Kino ist nicht tot zu kriegen

Fast am gleichen Tag, an dem die 78. Internationalen Filmfestspiele Venedig begannen, ging das 15. Bayerische Fünf Seen Filmfestival zu Ende. Trends und Verlauf des bayerischen Kino-Spektakels geben Anlass, einen Blick auf die Situation und Perspektiven der Augsburger Programmkinos in und nach der Corona-Krise zu werfen.

Von Udo Legner

Bildquelle: Ruth Plössel/Stadt Augsburg

Während die Berlinale wegen der Corona-Pandemie von ihrem traditionellen Februartermin auf März und Juni verschoben werden musste und sich fast ausschließlich mit Streaming und Open-Air-Formaten zu behelfen hatte, profitierten das Münchner Filmfest (1. -10. Juli), das Fünf Seen Filmfest (18.-31.8.) und die Filmfestspiele in Venedig (1.-11. September) von ihren späteren Terminen. Nach achtmonatigem Corona-Lockdown (von November 2020 bis Ende Juni 2021) durften die Festivalkinos endlich wieder öffnen, wenn auch unter stets neuen Auflagen, die von Abstand, Maskenpflicht bis hin zu 3G-Auflagen reichten.

Dass sich das Publikum trotz all dieser Einschränkungen nicht vom Kinobesuch abschrecken ließ, ist Beleg dafür, dass der Sehnsuchtsort Kino nichts von seiner Faszination verloren hat. Das gemeinsame Filmerlebnis vor großer Leinwand ist für viele nach wie vor das Nonplusultra der Filmrezeption, mit der auch die Serien-Dauerberieselungen via MUBI, Netflix und Amazon Prime nicht mithalten kann, auch wenn diese Plattformen während des  Corona-Lockdowns enormen Zuwachs verzeichneten. 

Was die Festivals zudem  reizvoller denn je machten, ist die der Corona-Kino-Auszeit geschuldete Rekordanzahl von Filmen, die sehnlichst darauf warten, endlich über die Kino-Leinwand zu flimmern. 

Impressionen vom 15. Internationalen Fünf Seen Filmfestival

Seit jeher richtet dieses bayerische Festival-Kleinod im Fünf-Seen-Land, kurz FSFF genannt und nach München und Hof das bedeutendste Filmfest Süddeutschlands, seinen Fokus auf Arthouse Filme mit dem Schwerpunkt Mitteleuropa im Bereich Spielfilm, Dokumentarfilm und Kurzfilm. In den bayerischen Sommerferien bzw. Ende August präsentiert Festivalleiter Matthias Hellwig mit seinem Team in den Festivalorten Starnberg, Gauting, Seefeld und Weßling Premieren und Previews, wobei die idyllische Open Air Kinos direkt am Starnberger See sowie am Wörthsee bereits ab Mitte Juli den Auftakt machen. 

Stargast Senta Berger im Starnberger Kino

Das Festivalpublikum des Breitwand Kinos in Starnberg durfte sich gleich zweimal über den Besuch der Grande Dame des deutschen Films freuen. 

Senta Berger bei der Vorführung von Satte Farben vor Schwarz Foto: Udo Legner

 

Die Schauspielerin Senta Berger kam sowohl zu den Vorstellungen von Satte Farben vor Schwarz (Regie: Sophie Heldmann; in den Hauptrollen Senta Berger und Bruno Ganz) als auch von Willkommen bei den Hartmanns (Regie: Simon Verhoeven; in den Hauptrollen Senta Berger und Heiner Lauterbach) nach Starnberg und stand ihren zahlreichen Fans Rede und Antwort. Damit alle Platz fanden, wurde das Gespräch sogar von einem Kinosaal in einen zweiten übertragen.

Kino und Klima

In diesem Jahr wurde erstmals der KINO & KLIMA AWARD vergeben, dessen Premiere Festivalintendant Matthias Hellwig erläuterte: “Mit dem Fünf Seen Filmfestival haben wir immer den Anspruch, die Welt ein bisschen zu verbessern.“ Da in diesem Festivaljahr der Klimawandel das bestimmende Thema sei, war die Aufnahme diese Publikumspreises ins Festivalprogramm – in Kooperation mit der Initiative unserklima.jetzt – nur konsequent.

Sieben ausgesuchte Spielfilme, – darunter Der Wilde Wald (DE 2021, Regie: Lisa Eder), Teachers for Life (DE 2021, Regie: Julian Wildgruber, Kathrin Höckel) sowie der Gewinner des Kino und Klima Awards Dear Future Children (DE/AT/GB 2021, Regie: Franz Böhm) samt vier Kurzfilmen, Diskussionen und Vorträge gaben Anregungen, das eigene Handeln klimafreundlich und nachhaltig zu gestalten.

Renaissance des engagierten Politfilms

Neben dem Schwerpunkt Kino & Klima fielen beim diesjährigen Programm des Fünf Seen Filmfests die Anzahl und Qualität der engagierten Politfilme auf, die oftmals als Deutschland Premieren präsentiert wurden und demnächst ihren deutschen Kinostart haben. Besonders hervorzuheben sind Je Suis Karl (DE 2021 Regie: Christian Schwochow), der vier Nominierungen zum deutschen Filmpreis 2021 erhielt, bei der Berlinale als provokantester Film galt und am 18. September in die Kinos kommt. Thema des Films: Das Ausmaß der neuen rechten Bewegungen in Europa. Bislang nur in den österreichischen und schweizer Kinos sind die Filme Fuchs im Bau (AT 2020, Regie: Arman T. Riahi) und Kühe auf dem Dach (CH 2020, Regie: Aldo Gugolz) zu sehen. Bei letzterem handelt es sich um das vordergründig idyllische Leben auf der Alp, das durch einen Kriminalfilm erschüttert wird, während es bei dem mit dem Dachs-Drehbuchpreis ausgezeichneten Spielfilm Fuchs im Bau um das Wirken eines Gefängnislehrers geht, der mit seinen unkonventionellem Lehrmethoden nicht nur die Häftlinge in Schach, sondern auch die  Justizwache auf Trab hält. Weitere Highlights des Festivals waren die Deutschlandpremieren der Feel Good Movies Der Hochzeitsschneider von Athen, dem Gewinner des SZ Publikumspreises (DE 2021, Regie: Sonia Liza Kenterman) und Der Rosengarten der Madame Vernet (FR 2020, Regie: Pierre Pinaud) – beide Filme sind inzwischen auch in Augsburg  zu sehen.

Perspektiven der Augsburger Programmkinos

Franz Fischer im Schulterschluss mit Marcus Rosenmüller (Foto: Wolfgang Schick)

Sowohl das LILIOM Kino als auch das Kino-Dreieck reagierten auf die Corona-Krise mit Freiluftkino, dem Gersthofer Kinosommer (von 24. Juni bis 18. September 2021) und dem traditionellen Lechflimmern mit zwei Grossleinwänden im Plärrerbad (vom 1. Juli bis 15. September). In Kooperation mit der Stadt Gersthofen mutierte das „Gersthofer Loch“ mitten im Stadtzentrum zum Open Air Kino mit dem Novum, dass die Besucher die 4K-Projektoren-Technologie auf der 100qm grossen Leinwand mit Kopfhörer genießen konnten. Dass trotz des sehr durchwachsenen Sommerwetters – nicht wenige Kinovorführungen fielen ins Wasser – bislang 27.000 Zuschauer ins Lechflimmern strömten, übertrifft alle Erwartungen und dürfte selbst den FCA neidisch machen. Die Erfolgsrezepte der Freiluftkino-Formate: der Kinostart lang erwarteter Publikumsrenner wie der Oscar Sieger Nomadland, der neue Eberhof-Teil KAISERSCHARRNDRAMA mit geradezu reißerischer Werbung in den sozialen Medien – Beispiel der Lechflimmern Facebook O-Ton: „5.Tag in Folge ausverkauft! Ihr seid gigantisch!❤ Augsburg Lechflimmern von der Besucherzahl bundesweit die Nr.1 (von 500 Kinos)“ oder „Meet and Greet mit SEBASTIAN BEZZEL“ – oder die Komödie von  Marcus H.Rosenmüller Beckenrand Sheriff (am genuinen Ort) und last but not least Veranstaltungen mit bewährten Kooperationspartner, wie dem Just Kids Festival (Auftritt der Kasseler Band „Dylan‘s Dream“ und Lesung mit der Autorin Alexandra Tobor zum Thema Erinnerungskultur), der Werkstatt Solidarische Welt (Premiere des Films BORGA), oder des Maria-Theresia Gymnasiums, dessen gesamte Oberstufe samt der frisch gebackenen Abiturienten mit Kino-Freikarten zum Lechflimmern gelockt wurden. 

Keine Zeit zu sterben

Nicht zuletzt die in der Corona-Pause durch die Kulturförderprogramme ermöglichten Umbauten und Modernisierungen in den Spielstätten des Kino-Dreiecks – das Mephisto wurde mit neuen Kinosesseln ausgestattet und bietet nun 160 (statt bisher 220) Besuchern mehr Platz und  Komfort – und im LILIOM dürften dafür sorgen, dass die Kino-Krise trotz aller Corona-Nachwehen bewältigt wird, zumal – ein weiterer Hoffnungsschimmer! – nach wiederholtem Verschieben der neue James Bond Keine Zeit zu sterben  (Kinostart 28. September) viele Kinofans in die Kinos locken wird.

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Ein großartiger Film – und was ein Augsburger damit zu tun hat

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Charlie Hebdo hautnah

Die Regisseure Daniel und Emmanuel Leconte stellten im Thalia ihren Dokumentarfilm über das Attentat vor Von Frank Heindl Am Freitag und Samstag zeigten die französischen Regisseure Daniel und Emmanuel Leconte ihren Dokumentarfilm „Je suis Charlie“ in drei Vorstellungen im Thalia-Kino und diskutierten danach mit dem Publikum – eine deutschlandweit einmalige Veranstaltung und ein bemerkenswerter, teils […]

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