DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Donnerstag, 20.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Kino

Rätselhafter Todesfall im Alpenhotel – ein Filmprojekt des Theter-Ensembles

Normalerweise spielen sie im City Club. Das Theter-Ensemble, einst von Leif Eric Young gegründet, ist ein gemeinnütziger Verein und bekannt dafür, spielfreudigen jungen Leuten, die gerne (aber nicht zwingend) eine Schauspielkarriere anstreben, eine Auftrittsplattform für die Umsetzung unterschiedlichster künstlerischer Ideen zu bieten. Man könnte auch sagen: eine Spielwiese.

Von Halrun Reinholz

Der Kreativität sind bei Theter keine Grenzen gesetzt. Unter dieser Prämisse darf man sich nicht wundern, dass die Theter-Akteure neuerdings zu Filmstars geworden sind. „Das Alpenhotel – da, wo die Liebe zu Gast ist“ feierte kürzlich im Königsbrunner Cineplex-Kino Premiere.
Was der Titel schon ahnen lässt, bestätigt das mit Dirndl und Berglandschaft reich bestückte Plakatmotiv: Es handelt sich um eine Anspielung auf die Berg-Heimat-Schmacht-Liebe-Krimi-Produktionen und Serien, die kreuz und quer durch das Fernsehprogramm geistern und deren dominante Präsenz vom Theter-Ensemble anlässlich der Corona-Pandemie wohl verstärkt wahrgenommen wurde.

Iris Schmidt, künstlerische Leiterin des Ensembles, entwickelte daraus die Idee, selbst mal eine solche „Serienepisode“ selbst zu entwickeln und zu gestalten. Die Geschichte lässt fast kein Klischee aus: Alfons Seehofer,  Inhaber und Patriarch des 5-Sterne – „Alpenhotels“, ist plötzlich unter mysteriösen Umständen verstorben, ohne seiner langjährigen rechten Hand und (nicht nur geschäftlich) Vertrauten Lucy van der Blomen (Giulia S. Young) die legale Nachfolge gesichert zu haben. Stattdessen soll nun die kaufmännisch unbedarfte Tochter Wilhelmine (Iris Schmidt) mit Hilfe ihrer noch unmündigen (und deshalb von allen unterschätzten) Nichte Ramona (Daria Welisch) das Hotel führen, deren beide Geschwister sich nach Hawaii abgesetzt haben.

Die Komissare Loibl und Schuster (Simon Müller und Lukas Ullmann) ermitteln unterdessen betont unlustig die Todesumstände des Verstorbenen, stoßen dabei auf einen unbeschwerten Hotelpagen und dessen stets eifersüchtige Freundin, die mit ihrem Staubwedel argwöhnisch in so mancherlei Ecken schnüffelt, vor allem als die neue Rezeptionistin Clara im Hotel auftaucht. Und natürlich gibt es da noch den skrupellosen Geschäftsmann Fusilli und den mit seinem düsteren Blick stark an Klaus Kinski erinnernden Gärtner (ein „Gastspiel“ von Thomas Prazak vom Ensemble des Augsburger Staatstheaters).

Lustvoll und mit sichtlicher Spielfreude zelebrieren die Darsteller Klischee um Klischee, zum großen Vergnügen des Premierenpublikums. Dass bei dem Film mehr als nur ein Laienklamauk herauskam, ist zu großen Teilen dem professionellen Film-Experten und Kameramann  Felix Nölte zu verdanken, der die Handlung fokussiert und dessen Freude am Detail, etwa am Zoomen von Pflanzen und Tieren,  deren kabarettistischen Effekt noch erhöht. Auch die Darstellerinnen und Darsteller achteten bei den Spielszenen bei allem Spaß auf die professionelle Ernsthaftigkeit. Durch den sauberen Schnitt von Felix Nölte entstand ein handwerklich solides Werk. Hinzu kommt die traumhafte Kulisse, nicht nur der Landschaft (auch Schloss Neuschwanstein ist Teil der Klischeereihe), sondern auch des Interieurs: Als „Alpenhotel“ konnte das Theter-Ensemble nämlich ein echtes „Schloss“ nutzen, das die dem Ensemble verbundene Amelie von Stetten und deren Familie für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt hatten.

In weiser Voraussicht, dass die Kinotermine für den Film sich in Grenzen halten werden (es sind noch einige Vorführtermine im Dezember geplant), hat das Team gleich schon mal eine DVD produziert, die bei der Buchhandlung Pustet und im City-Cafe, vielleicht als vergnügliches Weihnachtsgeschenk für lange Heimkino-Winterabende, erworben werden kann. Näheres und Termine unter www.theter.de 

gesamten Beitrag lesen »



Sehnsuchtsort Kino ist nicht tot zu kriegen

Fast am gleichen Tag, an dem die 78. Internationalen Filmfestspiele Venedig begannen, ging das 15. Bayerische Fünf Seen Filmfestival zu Ende. Trends und Verlauf des bayerischen Kino-Spektakels geben Anlass, einen Blick auf die Situation und Perspektiven der Augsburger Programmkinos in und nach der Corona-Krise zu werfen. Von Udo Legner Während die Berlinale wegen der Corona-Pandemie […]

gesamten Beitrag lesen »



Staatstheater: Stummfilmnacht mit Livemusik

„Auf den Trümmern das Morgen“, so das Motto der zweiten Stummfilmnacht des Augsburger Staatstheaters Nachdem im Oktober die neue Serie des Staatstheaters bereits in die wilden 20er Jahre entführt hat, gibt es nun am 27. Januar die zweite Stummfilmnacht. Passend zur großen Eröffnungspremiere in der neuen brechtbühne im Gaswerk »Europe Central«, bei der unter anderem […]

gesamten Beitrag lesen »



Architektur-Film-Jazz: „Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus“

In der Veranstaltungsreihe „Architektur-Film-Jazz“ zeigt das Thalia Kino Am Obstmarkt in Augsburg am Montag, 07. Mai 2018 um 19 Uhr den Dokumentarfilm „Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus“ von Niels Bolbrinker und Thomas Tielsch. Das von Walter Gropius 1919 gegründete Bauhaus war weit mehr als bloße Schule für neue Architektur und Design – […]

gesamten Beitrag lesen »



Stadttheater: Oscar-Nacht im hoffmannkeller

Das Schauspielensemble fiebert der 90. Oscar-Verleihung entgegen und lädt das Publikum am 4. März um 23 Uhr (bis in die Morgenstunden) in die Kellergewölbe des Theaters zum Public-Viewing ein „Die Zeit bis zur nächtlichen Liveübertragung wird dabei garantiert nicht lang, denn zu Beginn hilft ein musikalisch eingerahmtes Vorprogramm beim langsamen Warmwerden, inklusive Rotem Teppich, den […]

gesamten Beitrag lesen »



Architekturfilm über Louis Kahn – und Jazz im Thalia

Am Montag, den 5. Dezember (19 Uhr), zeigt das Augsburger Kino Thalia in der Reihe „Architekturfilm und Jazz“ den Dokumentarfilm  „MY ARCHITECT – A Son`s Journey“ (OmU) von Nathaniel Kahn, der sich mit Kamera auf die Fährte seines Vaters begab. Ab 20 Uhr gibt es anschließend Live-Jazz im Thalia Kaffeehaus: Helmut Hiller spielt Piano. Louis […]

gesamten Beitrag lesen »



Architektur und Jazz: Porträt von Hans Döllgast

In der erfolgreichen Reihe „Architekturfilm und Jazz“ steht am Montag ein weiteres Highlight auf dem Programm. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Architekturfilm und Jazz” zeigt das Thalia Kino am kommenden Montag, den 7.11.2016 um 19 Uhr ein Filmporträt des Architekten Hans Döllgast (1891-1974), der in die Architekturgeschichte als Meister der Einfachheit und Schlichtheit einging. In Architektenkreisen […]

gesamten Beitrag lesen »



„Anna, ich hab Angst um dich“

Dokufilm über Augsburger Antifaschistin „Mitten im Ersten Weltkrieg bin ich geboren“, erzählt Anna Pröll. „Als ich das Laufen lernte war immer noch kein Frieden. Und als ich Nachdenken lernte, sprach man wieder vom Krieg. 1939 habe ich selbst erfahren, was Krieg für die Menschen bedeutet. Und im hohen Alter bin ich wieder eine von denen, […]

gesamten Beitrag lesen »



Was schert sich der Markt um die Menschenwürde?

Kinoverleiher Michael Hehl stellt den bemerkenswerten Film „Der Wert des Menschen“ im Liliom vor. Von Sophia Winiger Wie nimmt einer die Welt wahr, der seit fast zwei Jahren keine Arbeit findet? Der zu alt ist für eine neue Laufbahn, aber zu jung für die Rente? Dem die kalte Distanziertheit des kapitalistischen Systems entgegenschlägt, in Form […]

gesamten Beitrag lesen »



Ein großartiger Film – und was ein Augsburger damit zu tun hat

Michael Hehls Verleihfirma bringt „Je suis Charlie“ nach Deutschland Von Sophia Winiger Nach der Vorstellung von „Je suis Charlie“: Die Regisseure, Vater und Sohn Leconte, positionieren sich für die Publikumsfragen vor der Leinwand des Thalia-Kinosaals. Neben ihnen fällt ein lebhafter junger Mann ins Auge, schwarz und sportlich gekleidet, ein dunkler Schal reicht ihm fast ins […]

gesamten Beitrag lesen »