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Dienstag, 31.03.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Kulturpolitik

Kulturpolitik in Augsburg: Sechs verlorene Jahre

Warum Thomas Weitzel als Kulturreferent nicht überzeugen konnte

Von Peter Bommas

Thomas Weitzel © DAZ

Noch nie in den vergangenen 30 Jahren war ein Kulturreferent mit einer so deutlichen und erwartungsvollen Unterstützung quer durch die Kulturszene in sein Amt gestartet. Die Rede ist von Thomas Weitzel. Von der freien Szene ausdrücklich als Antwort auf die KuSpo-Politik seines glück- bis bodenlosen Vorgängers ins Amt gelobt, mit der Expertise eines kulturaffinen, verwaltungserfahrenen und parteilosen Fachmannes von einer Sympathiewelle an den Start gespült und von den Rathausparteien durchweg als „Glücksfall“ gewertet, fällt das Fazit nach sechsjähriger Amtszeit umso ernüchternder aus.

Bei aller Freude über den Abschied des Vorgängers war offensichtlich in Vergessenheit geraten, dass ein starker und kommunikationsfähiger Kulturamtsleiter noch lange kein versierter  Akteur auf der stadtpolitischen Ebene sein muss. Konnte anfangs sein ewiges Lamento vom parteilosen Kulturfrontmann verfangen, der ohne parteipolitische Kampftruppen auf verlorenem Posten stehe und deshalb eher leise und hinter den Kulissen für die Interessen seiner Kulturklientel agieren müsse, so fiel ihm dieses Argument spätestens zu dem Zeitpunkt auf die Füße, als bekannt wurde, dass er von Beginn an in die Fraktionssitzungen der CSU eingebunden war – und auch in die Wahlkampfkasse der CSU einbezahlte. Und somit alle in den Hinterzimmern des Rathauses ausgehandelten Deals aus erster Hand kannte. 

Vor diesem Hintergrund sind einige, nicht unwichtige kulturpolitische Verrenkungen des Referenten ganz anders zu bewerten. Seine mit mangelnder Unterstützung im Stadtrat argumentierende Konzeptionslosigkeit in Sachen Gaswerk und moderne Kunst, in Sachen Museumslandschaft, Kulturpark und Kulturentwicklungsplan, in Sachen Partizipationskultur und Festivalentscheidungen gewinnt so einen ganz neuen Stellenwert. 

Man kommt sich hintergangen vor, wenn man, begründet mit Gesten der Hilflosigkeit und mangelnder politischer Durchsetzungskraft, erläutert bekommt, warum kulturelle Stadtentwicklung im Schneckentempo und ohne konkrete Visionen stattfindet, wenn Bürgerwerkstätten ohne Berücksichtigung von Resultaten als kleine Erfolge angepriesen werden. Ein Schelm, wer angesichts der jetzt bekannten, politischen Tatsachen, Schlimmes dabei denkt. 

Vor der anstehenden Wahl, bei der der Referent auf dem 9. Listenplatz der CSU antritt (und dafür  5000 Euro bezahlen musste), sind jedenfalls die allerletzten Vorschusslorbeeren verbraucht. Es ist kein Geheimnis: Der übergroße Teil der Kulturszene hofft auf einen Wechsel in diesem Amt, befürchtet aber eine Fortsetzung der Ziellosigkeit unter Weitzel, der nichts anschob – und selbst beim Ausbremsen glücklos agierte. 

Und wenn Wirklichkeit werden sollte, was im Hintergrund immer wieder zu hören ist, dass nämlich nach der Wahl kein selbständiges Kulturreferat mehr gebildet werde, sondern das Kulturreferat dem Bildungsreferat zugewiesen wird – dann hat ein solches Vorhaben viel mit dem zu tun, was in den letzten sechs Jahren versäumt, verdaddelt und verraten wurde. 

Weitzel, würde er wieder als Kulturamtsleiter zurückkehren, hätte in diesem Fall den für ihn passenderen Stuhl unterm Hintern. Doch dazu sollte es nicht kommen, auch wenn unter den lokalen Akteuren niemand auszumachen ist, der für das Amt des Kulturreferenten infrage käme. 

Aus diesem Grund sollte man eine alte Forderung wieder aufgreifen und den neuen Kulturreferenten ausschreiben.

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