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Dienstag, 21.01.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Theater

Ein Präsident, der aus Stroh Gold spinnt – Welturaufführung: “Trumpelstilzchen”

Im Februar wird in Augsburg ein Theaterstück uraufgeführt, das die Macher selbst als “anarchistisches Theater” bezeichnen. Es handelt sich um eine kleine Sensation.

Von Siegfried Zagler

Foto: Helmut Mayer mit SPIEGEL-Titel © Lina Mann

Wie alt Stückeschreiber Helmut Mayer ist, weiß niemand so genau. Vielleicht 200, vielleicht 256 Jahre, schließlich lautet sein Pseudonym “Jean Paul”, der bekanntermaßen 1763 geboren wurde. Co-Autor und Regisseur Arno Loeb ist auch nicht mehr der jüngste, sein Alter ist ebenfalls ein Mysterium. Nach Informationen der DAZ befindet sich der ewige Punk bereits jenseits des 70. Lebensjahres und ist somit ein bis zwei Jahre jünger als Heinz Schulan, der den Hauptdarsteller gibt. “Je oller desto doller”, sagt der Volksmund so schön. Nichts könnte passender sein, denn schließlich handelt das Stück von einem 73-jährigen Präsidenten.

Sein eklektisches politisches Programm, das er gern spontan verändert, enthält Elemente des Populismus, Protektionismus und Isolationismus. Er zieht mit einfacher Sprache, rassistischen, frauenfeindlichen Äußerungen und irrwitzigen Ideen, etwa zur Migration und zum Islam, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Medien gleichermaßen auf sich, und er ist über Twitter selbst zum Medium geworden; zum Sender seiner ureigenen Monstrosität, zum Livesprecher des Präsidenten der USA. Die Rede ist, man ahnt es längst, von Donald Trump, der – Weißes Haus hin oder her – im Zwielicht der Weltbühne schillert wie eine Shakespeare-Figur, deren schicksalhaftes Ende vorhersehbar scheint – wie der Verlauf von Ebbe und Flut.

Und da William Shakespeares Stücke vom Schmerz unerfüllter Liebe, von familiären Intrigen und durchtriebenen Mordplänen der Königshäuser erzählen, darf es niemand wundern, wenn aus der lyrischen Hochburg Augsburg, genauer: aus der Feder Helmut Meyers ein Trump-Stück entstanden ist.

Arno Loeb © DAZ

Meyer ist ein ungezügelter Autor, dessen Texte mitreißen. Impulsiv unkontrolliert und widersprüchlich treibt er seine Figuren in Balanceakte zwischen inszenierter Selbstdarstellung und trostloser Wirklichkeit. Die Handelnden in seinen Textminiaturen entwickeln keine Pläne und Lebensziele, alles geschieht durch Begegnung und unmittelbare Wandlung. Einsicht entsteht bei Meyer nur dort, wo sprachliches Dahintreiben auf einen Gedanken stößt, den man nicht direkt mit einem Halbsatz und dem Gelächter dazu auf den Müllhaufen werfen kann.

In den wenig erhältlichen Textfragmenten des Gersthofener Literaturpreisträgers Helmut Meyer weht ein Wind, der zu einem Orkan hätte werden können, wäre er ein Schriftsteller geworden, der schreibt. Dass Mayer seit vielen Jahren nichts mehr zu Papier brachte, wäre nicht der Rede wert, stünde nicht ein Meyer-Stück kurz vor der Uraufführung – nicht im Staatstheater Augsburg, nicht im Münchner Residenztheater oder an den Kammerspielen, sondern in der Projektschmiede zu Lechhausen. “Trumpelstilzchen”, so der Titel, des Bühnenspektakels, dessen Text in Auszügen der DAZ vorliegt. Regie führt kein geringerer als Arno Loeb, der als Co-Autor gerade dabei ist, den letzten Schliff in das Ein-Personen-Stück einzuarbeiten.

Heinz Schulan Foto: privat

Schauspieler Heinz Schulan gewährt dem Publikum mit irrwitzigen Szenen einen tiefen Blick in das Leben eines sexsüchtigen und durchgeknallten Präsidenten, dessen Frisur organisierter ist als sein politisches Programm. Er ist nicht nur besessen davon, eine riesige Mauer zu bauen, sondern plant auch ein Attentat auf sich selbst, um zu einem mythenumrankten Helden zu werden. Trumpelstilzchen: Ein machtbesessener Mann, ein gefährlicher Vulkan, der vor keiner Beleidigung und vor keiner Lüge zurückscheut. Der Augsburger Autor Helmut Mayer zeichnet mit diesem Theaterstück eine teuflische Figur, die an den Kobold denken lässt, der aus Stroh Gold spinnen kann.

Der Schauspieler Heinz Schulan, der in Augsburg durch das Theaterstück „Fugger Consulting“ von Sebastian Seidel und durch die Valentin-Brecht-Abende bekannt wurde, spielt einen Größenwahnsinnigen, der innerlich zerrissen ist. Seit 7 Jahren inszeniert Schulan in der Projektschmiede Lechhausen eigene Projekte, wie zum Beispiel „Farbenwahn“, ein Stück, das vom Leben und Sterben des Malers Vincent van Gogh erzählt.

Premiere von Trumpelstilzchen ist am Donnerstag, den 13. Februar 2020, in der Projektschmiede Lechhausen – Hanauerstr. 6.

 

 

 

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