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Dienstag, 15.01.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Wissen

Die Schule von morgen denken – Ein Rückblick auf den 4. Augsburger Begabungstag

Wie sich die Bilder gleichen: Einmal mehr war der Obere Rathaus Fletz Schauplatz des Augsburger Begabungstages. Vor dem Logo der Lokalen Agenda war das Pult für die Keynote Speakers postiert. In der rechten Hälfte des Raumes war der Marktplatz der Möglichkeiten, auf dem sich mittags die Besucher tummelten. Im Eingangsbereich diente der Info-Desk als Wegweiser zu den verschiedenen Workshops. Der Gastronomie-Bereich, der von der Catering-Crew des AK Global des Holbein Gymnasiums gestemmt wurde, rundete das Bild ab.

Von Udo Legner

Prof. Dr. Margit Stamm Foto: © Ramona Stonner

Die Zahlen sprechen für sich. Über 150 Besucher hatten sich zum 4. Augsburger Begabungstag angemeldet. 40 Anbieter informierten an den Ständen des Marktplatzes der Möglichkeiten. 9 Workshops luden dazu ein, sich mit Projekten und Angeboten der schulischen und außerschulischen Bildung auseinanderzusetzen. Zweifelsohne: Die vierte Neuauflage des Begabungstages dokumentiert die Erfolgsgeschichte und steht für die Nachhaltigkeit dieses vom Augsburger Bildungsbündnis organisierten Bildungsevents.

Erfolgsfaktoren in der individuellen Lernbegleitung

In seinem Impulsvortrag „Erfolgsfaktoren in der individuellen Lernbegleitung“ ging Referent Torsten Nicolaisen aus Kiel auf die wichtigsten Faktoren und die drei Ebenen für gelingendes Lernen ein. Neben der fachlichen Unterweisung und Unterstützung sollte dabei das dialogische (Weiter-) Entwickeln von Lernstrategien und das Eingehen auf das subjektive Erleben des Lernenden Berücksichtigung finden. Oft seien es Kleinigkeiten, die den Erfolg der Lernbegleitung ausmachen – Selbstbeobachtung (Wie gut komme ich voran?), Verarbeiten von Informationen (Erstellen von Übersichten und Wiederholen) und Stützstrategien wie etwa die Gestaltung der Lernumgebung und das Schaffen von Zeitfenstern. Besonders wichtig für gelingendes Lernen sei die Abkehr von der Defizitorientierung und die Zuwendung zur Ressourcenorientierung, da der Kontakt zu den eigenen Ressourcen Motivation und Anstrengungsbereitschaft schaffe. Wenn der Fokus auf Erlebnisse von Gelingen und Sich-unterstützt-fühlen gerichtet werden könne, dann sollte es auch gelingen, die Emotionen der Lernenden einzubeziehen und für die weitere (Lern-)Entwicklung zu nutzen.

Von der Wiege bis zur Bahre: Begabung und Entwicklung über die Lebensspanne

Der zweite Vortrag von Frau Prof. Dr. Stamm, die bis 2012 Lehrstuhlinhaberin für Pädagogische Psychologie und Erziehungswissenschaft an der Universität Fribourg war und im Rahmen ihrer Arbeit an dem von ihr gegründeten Forschungsinstitut Swiss Education in der nationalen und internationalen Bildungsforschung tätig ist, rückte das lebenslange Lernen und die Talententwicklung über die Lebensspanne in den Mittelpunkt. Eindrucksvoll führte die Referentin aus, dass es auf der einen Seite noch nie so viele Kinder wie heute gegeben habe, die früh schon als begabt etikettiert und intensiv gefördert worden seien. Doch längst nicht alle von ihnen seien in Schule und Beruf erfolgreich. Gleichzeitig gebe es zunehmend mehr Menschen, die erst spät im Leben ihr Potential entfalten und zu Experten werden würden. Wie Ergebnisse der Begabungsforschung – insbesondere der Terman-Studie – zeigten, lassen sich überragende frühe Fähigkeiten kaum nur durch Umwelteinflüsse erklären. Hohe intellektuelle Fähigkeiten seien keine hinreichende Voraussetzung für spätere herausragende Leistung. Als ebenso wichtig hätten sich Motivation, Übung und Begleitung herauskristallisiert. In Bezug auf die frühe Kindheit und das Schulalter stellte die Referentin fest, dass überdurchschnittliche kognitive Fähigkeiten signifikant mit eigenmotiviertem Kompetenzerwerb einhergingen. Am Ende der Schulzeit käme dem eigenmotivierten Kompetenzerwerb zunehmende Bedeutung zu. Das Fazit des Vortrags lautete, dass Talente und Begabungen nicht auf (akademische) Exzellenz und Hochbegabung eingeengt werden dürfen und die frühe Förderung ebenso wie die Berufsbildung, der Blick auf begabte Minoritäten und die Talente Älterer in den Fokus zu rücken seien.

Global denken, lokal handeln: Netzwerke der Nachhaltigkeit

Der Augsburger Bildungsreferent ließ es sich nicht nehmen, die Besucher des Begabungstages zu begrüßen und den Markt der Möglichkeiten zu eröffnen.

Augsburgs Bildungsreferent Hermann Köhler Foto: © Ramona Stonner

Sein Dank galt dem Team des Bildungsbündnisses Augsburg, dem es einmal mehr gelungen sei, wichtige Impulse für die Augsburger Bildungslandschaft zu setzen. Gerade der Markt der Möglichkeiten ließe die Akteure der schulischen und außerschulischen Bildung miteinander ins Gespräch kommen und Pläne für wertvolle Kooperationen und Projekte schmieden. Als Beispiele verwies er auf den Stand des internationalen ERASMUS Projekts „Owning the Future“ des Holbein und Maria-Theresia Gymnasiums. Hier warben die Schüler im Kontext des globalen Aktionsplans der Vereinten Nationen um die Ausrichtung möglichst vieler Baumfeste an Augsburger Schulen.

Interessenten würden von ihnen an den Kulturkieselstand geschickt, an dem sie Informationen zu möglichen Workshops und konkrete Tipps für die Projektfinanzierung erhielten. Die Auswertung der Feedbackbögen des 4. Augsburger Begabungstages verdeutlichte, was den Teilnehmern am wichtigsten war. Am häufigsten genannt wurden neben den äußerst anregenden Impulsvorträgen die persönliche Begegnung und der Austausch mit anderen Bildungsakteuren sowie die Netzwerksarbeit im Rahmen des Marktplatzes der Möglichkeiten.

Erasmus Projekt „Owning the Future“ Grafik: © Nontira Kigle

 

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