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Donnerstag, 12.09.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Ausstellungen

Hörl-Ausstellung: Brecht nicht getroffen

Im Park des Kurhauses Göggingen sind derzeit Brecht-Figuren zu bestaunen. Lohnenswert ist der kostenfreie Besuch auch deshalb, weil das Projekt nach allen Regeln der Kunst misslungen ist.

Von Siegfried Zagler

I Prolog

Der Künstler Ottmar Hörl ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass eine langjährige Professur nahezu spurlos an jemand vorübergehen kann. Das soll nicht herablassend gemeint sein. Hörl plaudert angenehm unakademisch über seine Ambitionen und sein Werk, über Kunst und Markt und über seine erstaunlichen Bildungsdefizite: „Ich wusste nicht, dass Brecht in Augsburg geboren wurde.“

II Brecht

Ottmar Hörl und seine Brecht-Figur © DAZ

Bert Brecht hat im Laufe seines Lebens 48 Theaterstücke geschrieben, zwei davon in Augsburg, über 2300 Gedichte, zirka 200 Erzählungen und drei Romane, seine theatertheoretischen Ausführungen haben ihn zum Übervater des deutschen Regietheaters gemacht und überall auf der Welt gilt für Theatermacher der Satz, dass man an Brecht nicht vorbeikomme. Dass Brecht in Augsburg geboren wurde und seiner Heimatstadt mit Gedichten und den Keuner-Geschichten in der Literaturgeschichte einen Spitzenplatz einräumte, ist nicht weniger bekannt als der Sachverhalt, dass das Ulmer Münster in Ulm steht.

III Die Kunst

„Wenn man nach einer durchsoffenen Nacht neben einer fremden Frau aufwacht und im Bad über einen Hörl-Hasen oder eine Avantgarde-Schnecke stolpert, sollte man schnell das Weite suchen.“ Dieser Satz, der von Brecht sein könnte, aber nicht ist, ist in der Tat gesagt worden, und zwar in einer Kreuzberger Kneipe von einem Freund, der in diesem Zusammenhang verständlicherweise seine Identität nicht preisgeben will (Nennen wir ihn Hans-Peter.). Hans-Peter wollte mit diesem Flame seine Geringschätzung über Badezimmer-Kunst zum Ausdruck bringen und hatte natürlich damit blitzartig Erfolg, nämlich die Lacher auf seiner Seite. Doch er tat der fremden Frau Unrecht, denn sie könnte die Plastik a) geschenkt bekommen haben oder b) genau deshalb erworben haben, damit Typen wie Hans-Peter schnell wieder verschwinden.

IV Worauf es ankommt

Ottmar Hörl, über den Männer gern Männer-Witze reißen, weil er Gartendekor mit Kunst in Verbindung setzt, gießt auch gerne Berühmtheiten in Plastik, um sie dann medien- und verkaufswirksam auf öffentlichen Plätzen zu platzieren. So standen (stehen) Luther-Figuren in Wittenberg, Marx-Figuren in Trier, Einstein-Figuren in Ulm, Wagner-Figuren in Bayreuth, Goethe-Figuren in Frankfurt, Karl der Große-Figuren in Aachen oder Franz-Josef Strauss-Figuren in München. Hörl sagte bei der Ausstellungseröffnung in Göggingen, dass es ihm darauf ankomme, dass seine Kunst von jedermann erwerbbar sein solle. Deshalb das serielle Konzept – mit und ohne Signatur. Die genannten Figuren stehen in „ihren“ Städten, also dort, wo die realen Personen geboren wurden oder gewirkt haben, sind zirka einen Meter groß und sehen den Berühmtheiten ähnlich, die sie darstellen .

V Die Kritik  

Bei den Brecht-Figuren, die nun im Park des Kurparktheaters in Göggingen stehen, ist das nicht der Fall. Wüsste man es nicht, käme man nicht auf die Idee, dass es sich bei der gelassen dreinblickenden Brecht-Figur, um Bertolt Brecht handeln könnte. Der Ledermantel, mit dem Brecht sich vom  Augsburger Fotografen Reßler in Szene setzen ließ, sieht wie ein Bademantel aus und die Physiognomie des Gesichts erinnert weder an den jungen Brecht  noch an Brecht als er älter und bereits eine Art Popstar war. Wenn man vom Haarschnitt absieht, hat Hörls Brecht-Figur mit der Person Bertolt Brecht nichts gemeinsam. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass es bei dieser Form der Konzeptkunst auf Erkennbarkeit, Ort und Zuordnung ankommt.

Wenn man es nicht wüsste, käme man nicht darauf: Brecht-Figur von Ottmar Hörl © DAZ

Göggingen hat zu Lebzeiten Brechts nicht zu Augsburg gehört. Die Siedlung wurde 1969 im Rahmen eines feierlichen Festaktes zur eigenständigen Stadt ernannt. Drei Jahre später, im Rahmen der großen Gebietsreform, wurde Göggingen eingemeindet – und somit zu einem Augsburger Stadtteil. Brecht ist im Lechviertel geboren, in der Bleich aufgewachsen. Die Altstadt (Gablers Taverne), der Rathausplatz, der Plärrer, der Lech (Wolfzahnau) waren Brechts Orte. Göggingen hat mit Brecht so wenig zu tun wie die Hörl-Plastik, die Brecht darstellen soll.

Wem es darauf nicht ankommt und eine Plastik-Figur erwerben will, die Brecht kaum ähnelt, kann das über die Max-Galerie tun: info@maxgalerie.de – Die Ausstellung im Park des Kurhauses Göggingen läuft noch bis zum 29. September.

 

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