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Donnerstag, 04.06.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Gesellschaft

Coronavirus in New York: Wie Verharmlosung von COVID-19 den Zusammenbruch des Gesundheitssystems auslöste

Über 100.000 Todesfälle und fast zwei Millionen Infizierte – die Vereinigten Staaten sind weltweit am stärksten von der Pandemie betroffen. Fast ein Viertel der Infizierten und Todesfälle hat dabei allein der Bundesstaat New York zu beklagen – laut einer Antikörperstudie ist bereits ein Viertel der Einwohner infiziert. Warum es die Region so hart getroffen hat und was dies nun für Folgen für die Einwohner hat.

Von Annika Kögel

New York City Foto © Hanne Klein

Fast 400.000 Infizierte und 24.000 Todesfälle in New York – das sind dreimal so viele Tote wie in ganz Deutschland. Die Stadt hat mit einem solchen Ausmaß nicht gerechnet und war damit beim Ausbruch der Pandemie überfordert. Zeitweise musste die Stadt Kühllaster mieten, da sie die vielen Leichen nicht mehr unterbringen konnte. In den Kliniken fehlte es an Schutzausrüstung, Ärzte, Sanitäter und Pflegepersonal mussten tagelang die gleiche Maske benutzen, weshalb sich viele infizierten. Am 28. März war das 911-Notrufsystem der Stadt am zusammenbrechen und Rettungskräfte mussten entscheiden, welche Fälle priorisiert behandelt werden, und welche überhaupt keine Behandlung erhalten konnten. Auch die Kliniken mussten Patienten wieder nach Hause schicken, die normalerweise aufgenommen worden wären. Wie konnte es so weit kommen?

New York City verzeichnet 10.000 Menschen pro Quadratkilometer – und ist damit am dichtesten besiedelt in ganz Nordamerika. „Social distancing“ ist hier generell schwer durchzuführen. Auch zählt die Stadt als internationaler Knotenpunkt – unzählige Personen aus Ländern, in denen das Virus bereits grassierte, reisten hier täglich ein und aus. Als New York Anfang März seinen ersten Fall registrierte, hatte sich das Virus wohl schon wochenlang unbemerkt in der Stadt ausgebreitet, wie Wissenschaftler im Nachhinein festgestellt haben. Aufgrund von mangelnden Tests ist dies vorerst niemandem aufgefallen und Ärzte bemerkten im Januar und Februar nur ungewöhnlich hohe Zahlen an Patienten mit Lungenentzündungen, denen aber noch keine COVID-19-Diagnose zugeordnet werden konnte.

Auch die für Maßnahmen zuständige Regierung des Bundesstaates unter Bürgermeister Bill de Blasio und Gouverneur Andrew Cuomo haben viel zu spät reagiert: Als die Menschen Ende März angewiesen wurden, zuhause zu bleiben, war das Gesundheitssystem den hohen Zahlen an Infizierten bereits nicht mehr gewachsen. 

Am 2. März twitterte Bill de Blasio noch, dass die Menschen das Virus ignorieren sollen und in die Stadt gehen sollen. Auch der New Yorker Gesundheitskommissar sagte auf einer Pressekonferenz am 3. März, er ermutige die Menschen, ihrem Alltag nachzugehen. In den Tagen darauf bezeichneten die Behörden das Virus als „durch Angst verursacht“ und versicherten der Bevölkerung, dass das Gesundheitssystem die Lage unter Kontrolle hat. Es gebe keinen Grund, nicht mit Erkrankten zusammen in der U-Bahn zu sitzen, und ohne Symptome müsse auch niemand unter Quarantäne gestellt werden. Schätzungen zufolge waren zu diesem Zeitpunkt schon 10.000 New Yorker unwissentlich infiziert. Als dann Mitte März die New Yorker Schulen geschlossen wurden und am 20. März auch die Unternehmen, rief Bürgermeister de Blasio noch dazu auf, noch einmal seine Lieblingsbar zu besuchen, während er ins Fitnessstudio ging.

Jesse Rosas, der ein Bauunternehmen in New York betreibt, erzählt, dass viele Leute nicht auf die Maßnahmen hören – besonders in den ärmeren Regionen der Stadt. Dies könnte wohl auch am schlechten Vorbild der Regierung liegen. „Die Menschen geben der Regierung die Schuld“. 

Die Ausbreitung des Virus ist sehr von den sozialen Unterschieden in der Stadt geprägt – so trifft es wie überall auf der Welt die Armen heftiger. Auch kommen Menschen oft zu spät ins Krankenhaus, weil sie illegale Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung und ohne Versicherung sind. Diese Menschen leben hauptsächlich in dem besonders betroffenen Gebiet der Bronx in New York City – hier gab es teilweise 200 Infizierte in einem Häuserstockwerk. Abstandsregelungen einzuhalten ist nicht möglich, weil viele Menschen in engen Räumen leben. Laut Gesundheitsminister Alex Azar sei die amerikanische Bevölkerung sehr divers, und die afroamerikanische Bevölkerung sei besonders gefährdet, weil signifikante Gesundheitsschäden vorliegen. Medizinische Vorbedingungen, die sich bei einer Erkrankung mit dem Virus dramatisch auswirken. 

Währenddessen empfiehlt Präsident Donald Trump die prophylaktische Einnahme einer Kombination aus Malariamedikamenten, die er selbst einnehme, und gibt die Schuld für die missliche Lage in den USA der Vorgängerregierung unter Barack Obama, einem Missmanagement der Weltgesundheitsorganisation WHO und China, wo das Virus seinen Ursprung hat. China droht er mittlerweile, die Beziehungen abzubrechen und der WHO hat er mit dem Ausstieg der USA bereits den Rücken zugekehrt. Die „Vertuschung“ des Virus führte seiner Meinung nach dazu, dass es sich in der ganzen Welt verteilen konnte. Auch beschuldigt er China, das Virus im Labor gezüchtet zu haben. Eine Leuchttafel am New Yorker Times Square zeigt nun die Zahl der Corona-Toten an, für die US-Bundespräsident Donald Trump verantwortlich sein soll – Annahmen zufolge 60 Prozent der Todesopfer.

Foto: © Jesse Rosas

Dennoch schickte die Regierung in Washington ein Krankenhausschiff nach New York, um die Kliniken zu entlasten. Ebenso wurden viele Feldkrankenhäuser in Parks errichtet und die Tests stark hochgefahren. Die hohe Anzahl an Infizierten zeige an, dass die USA viel getestet habe, so Trump.

Heute verzeichnet die USA 40 Millionen Arbeitslose – die Arbeitslosenquote ist noch nie so hoch gewesen. Trump drängt die Gouverneure darauf, weiter Lockerungen durchzuführen, um die Wirtschaft aufzubessern. In New York konnte dies in neun Regionen bereits realisiert werden, in New York City selbst steht die Lockerung am 8. Juni an – ein Teil der Wirtschaft soll wieder hochgefahren werden, wenn die nötigen Bedingungen wie genügend Krankenhausbetten, ausreichende Tests und rückläufige Zahlen der Neuinfektionen es zulassen. 

Jesse Rosas berichtet, dass die letzten drei Wochenenden bereits wieder im Central Park Sport getrieben wurde –  als wäre nichts passiert.  

Falls es eine zweite Infektionswelle geben sollte, soll nicht wieder auf strenge Maßnahmen zurückgegriffen werden, um die Infektionen einzudämmen: „Um die Gesundheit unserer Bevölkerung zu schützen, brauchen wir eine funktionierende Wirtschaft“, so Donald Trump. 

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