DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 01.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Gastbeitrag

„Wir tragen die Stimme der Unterdrückten in die Politik“

Frieden in der Türkei im Blick: In Augsburg diskutierten kurdische, alevitische und andere zivil­gesell­schaft­liche Gruppen auf der Konferenz „Demokratie, Gerechtigkeit und sozialer Frieden“ über den laufenden Friedens­prozess zwischen Abdullah Öcalan und dem türkischen Staat. Die Ver­anstaltung bot der Diaspora die Möglichkeit, die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen, Forderungen nach Menschen­rechten und Gleich­be­rech­tigung zu formulieren und gemeinsame Per­spektiven für Demokratie zu entwickeln.

Von Sait İçboyun

von links: Mustafa Aslan, Tülay Hatimoğulları, Moderatorin Denise Can, Umut Akdoğan (Foto: Deniz Babir)

Noch eine Woche zuvor hatte Tülay Hatimoğulları, Co-Vorsitzende der pro­kurdischen DEM-Partei, in Istanbul beim Newroz-Fest vor Hundert­tausenden gesprochen. Am 28. März 2026 saß sie in Augsburg-Oberhausen vor rund 200 Zuhörer:innen im Ale­vitischen Kultur­zentrum und Cemevi. Gemeinsam mit dem CHP-Abge­ordneten Umut Akdoğan und dem Aleviten­vertreter Mustafa Aslan diskutierte sie über politische Per­spek­tiven. Moderiert wurde die Ver­anstaltung von Denise Can.

Der Kontrast zwischen der Groß­ver­anstaltung in Istanbul und der Diskussion in Augsburg hätte kaum größer sein können. Und doch blieb die Botschaft dieselbe: Es geht um Frieden, Demokratie und gleiche Rechte für alle gesell­schaft­lichen Gruppen in der Türkei.

Themen der Konferenz: Frieden, Rechte und Reformen

Im Mittelpunkt der Konferenz standen zentrale gesell­schaft­liche und poli­tische Fragen:

  • die kurdische Frage und die Chancen eines Friedens­prozesses,
  • die Gleichberechtigung der Aleviten,
  • Frauenrechte, soziale Gerech­tigkeit und öko­logische Heraus­forderungen.

Hatimoğulları betonte, dass konkrete Schritte notwendig seien, um Vertrauen aufzubauen. Dazu gehörten die Umsetzung von Urteilen des Euro­päischen Gerichtshofs für Menschen­rechte, die Freilassung politischer Gefangener und die Stärkung kommunaler Selbst­verwaltungen.

Zugleich wurde auf strukturelle Probleme hingewiesen: Eine einseitige, zentra­listi­sche Regierungs­führung stelle eines der größten Hinder­nisse für Frieden dar. Genannt wurden unter anderem die einge­schränkte Unab­hängigkeit der Justiz, die Kontrolle der Medien, zunehmende Armut, Gewalt gegen Frauen und ökologische Zerstörung.

Auch die internationale Dimension spielte eine Rolle. Mit Blick auf die Konflikte im Nahen Osten wurde betont, dass die Region unter dem Einfluss globaler Mächte neu geordnet werde. Umso wichtiger sei es, dass unter­schiedliche Bevöl­kerungs­gruppen und Glaubens­gemein­schaften gemeinsame Wege des Dialogs und der Zusammen­arbeit entwickeln.

Unterschiedliche Perspektiven – gemeinsame Heraus­forderungen

Auch andere politische Positionen wurden sichtbar: CHP-Abgeordneter Umut Akdoğan stellte Reform­vorschläge seiner Partei vor, darunter Maßnahmen zur Stärkung kultureller Rechte und zur Aufar­beitung histo­rischer Konflikte. Dabei wurde deutlich, dass verschiedene politische Akteure ähnliche Probleme erkennen, jedoch unter­schiedliche Lösungs­ansätze verfolgen.

Die alevitischen Organisatoren hoben insbe­sondere die Bedeutung von religiöser Gleich­berech­tigung und Minder­heiten­rechten hervor. Eine nachhaltige Versöhnung könne nur gelingen, wenn die kulturellen und identi­tären Rechte aller gesell­schaft­lichen Gruppen vollständig anerkannt werden.

Ausblick

Ein Jahr nach den ersten neuen Signalen im Friedens­prozess zeigt sich ein gemischtes Bild: Es gibt Bewegung, doch viele zentrale Fragen bleiben offen. Ob es gelingt, Vertrauen zwischen den Konflikt­parteien aufzubauen und politische Reformen umzusetzen, ist weiterhin ungewiss.

Die Konferenz in Augsburg machte deutlich, dass die Ent­wicklungen in der Türkei weit über das Land hinaus beobachtet werden. In der Diaspora wird der Prozess aufmerksam verfolgt – mit Hoffnung, aber auch mit Skepsis.

Klar ist: Eine dauerhafte Lösung erfordert politische Schritte auf vielen Ebenen – und die Bereit­schaft, unter­schied­liche gesell­schaft­liche Gruppen gleich­be­rechtigt ein­zu­beziehen.


Tülay Hatimoğulları im Interview

gesamten Beitrag lesen »



Freistoß der Meinung vom Elfmeterpunkt

Nun ist die Hysterie der Wokeness also mitten in die seriöse Presse­land­schaft geschwappt. Der Leitartikel der Augsburger Allge­meinen vom 25. März – Man(n) muss sich für Männer schämen – liest sich wie Graffiti an der Brandmauer zum Boulevard. Gastbeitrag von Dietmar Sigl KI-Bild „Digitale Vergewaltigung“ Der vom Chef des AZ-Kulturressorts verfasste Leit­artikel dreht mit dem Deep-Fake-Drama […]

gesamten Beitrag lesen »



Der Auftrag zur Erneuerung: Augsburgs demo­kratischer Gezeitenwechsel

Es gibt Tage, an denen eine Stadt tief Luft holt. Gestern Abend hat Augsburg genau das getan. Mit einem klaren Ergebnis von 56,58 Prozent für Dr. Florian Freund haben die Bürgerinnen und Bürger eine Entscheidung getroffen, die weit über das tages­politische Kalkül hinausreicht. Es ist ein Votum, das Respekt verlangt – Respekt vor dem Sieger, aber ebenso […]

gesamten Beitrag lesen »



Das Feuer der Unbeugsamen: Eine Weltgeschichte des Newroz

Von den zoroastrischen Wurzeln zur politischen Identität Heute, am 21. März 2026, erreicht die Sonne den Äquator. Tag und Nacht halten sich für einen flüchtigen Moment die Waage, bevor das Licht die Herrschaft über die Finsternis übernimmt. Es ist die astronomische Tagundnachtgleiche – ein Ereignis, das für über 300 Millionen Menschen zwischen dem Balkan, dem […]

gesamten Beitrag lesen »



Die Kraft der Hoffnung gegen den Wahnsinn der Welt

Am 4. März 2026 versammelte sich im Augustanasaal des Annahofs in Augsburg ein Publikum, das spürte: Es geht um mehr als eine gewöhnliche Vortragsveranstaltung. Das Bündnis für Menschenwürde Augsburg – Schwaben e.V. hatte eingeladen, Jörn Seinsch moderierte den Abend, und Heribert Prantl sprach über einen Satz, der wie eine Warnsirene durch die Geschichte hallt: „Wer […]

gesamten Beitrag lesen »



Wer wir wirklich sind (2): Die Verlassenen des Erfolgs

Früher, als der Kaffee noch einen Euro kostete, saßen vor der amerikanischen Burgerkette am Königsplatz vier, manchmal drei, manchmal fünf Männer an den kleinen schwarzen Tischen. Ein hüfthoch gezogener Metallzaun umgab sie wie eine Invasion des Privaten ins Öffentliche – eine starre Besitzanzeige auf dem weiten Platz. Während die Wege in alle Richtungen Freiheit versprachen, […]

gesamten Beitrag lesen »



Wer wir wirklich sind: Eine Entdeckungsreise durch die vielen Gesellschaften unserer Stadt

Gastbeitrag von Sait Içboyun „Migranten aus Stein“: Aus Spanien und Portugal importiertes Pflaster am Königsplatz trotzt der Augsburger Witterung Am Königsplatz, dort, wo das Herz der Stadt am lautesten schlägt, herrscht an den Flanken eine seltsame Totenruhe. Inmitten dieser Szenerie stehen die Fahrräder, die niemand mehr will. Sie lehnen in den Ständern wie müde Trinker […]

gesamten Beitrag lesen »



DAZ-Buchtipps für die Zeit zwischen den Jahren

Vier Bücher hat Gastautor Dietmar Sigl für die DAZ gelesen: Bücher, die kein Genre eint, sondern ein Anspruch. Sie widersetzen sich der bequemen Lektüre, fordern das Denken heraus – historisch, kulturell, literarisch. Den Rezensenten faszinieren die Bücher dort, wo das zum System wird: Verwaltung als Macht­archi­tektur, Schach als Modell des Intellekts, Literatur als Seismo­graph gesell­schaft­licher […]

gesamten Beitrag lesen »



SPD Neusäß informiert über Zukunft und aktuelle Probleme des Nah­verkehrs

Am Montag, 24. November lud die SPD Neusäß zur Dis­kus­sion unter dem Titel „Wie gelingt ein attraktiver Nah­verkehr in Neusäß?“ nach Hammel in die Sport­gast­stätte Pee Nong ein. Zahl­reiche Besuche­rinnen und Besucher folgten der Ein­ladung und betei­ligten sich enga­giert an der Diskussion. Gastbeitrag von Georg Eller Die 3. Bürger­meisterin Susanne Höhnle er­öff­nete die Ver­an­stal­tung mit […]

gesamten Beitrag lesen »



Terra A: Stellungnahme zugunsten der Karmelitengasse in der Standortfrage Römisches Museum – Teil II

von Dr. Ernst L. Schlee Heute geht es weiter mit Teil II der Stellungnahme zum Standort des Römischen Museums in Augsburg. Den Teil I finden Sie hier. II. Im vorangegangenen Teil wurde festgehalten, dass die Römerstadt in der letzten Phase ihrer Existenz um weit mehr als die Hälfte ihrer Ausdehnung geschrumpft war. Bei gleich­bleibender Südgrenze […]

gesamten Beitrag lesen »