Augsburger Hafen-Traum: Ein Theaterspaziergang durch die Jakobervorstadt
Ein kühner Plan, der nie verwirklicht wurde – und doch Spuren hinterließ: Bei einem theatralen Spaziergang entlang der Augsburger Wasserwege erwacht die Hafen-Vision des Stadtbaumeisters Karl-Albert Gollwitzer zu neuem Leben. Der nächste Termin ist bereits am heutigen 30. Mai.
Von Bruno Stubenrauch
Schauspieler Matthias Klösel als Karl-Albert Gollwitzer (Foto: Kurt Idrizovic, Buchhandlung am Obstmarkt)Was wäre, wenn Augsburg heute eine Hafenstadt wäre? Nicht Ruderboote, sondern Handelsschiffe auf dem Stadtgraben – das war einmal kein Hirngespinst, sondern ein ernsthafter Plan. Der Stadtbaumeister Karl-Albert Gollwitzer entwarf im 19. Jahrhundert eine regelrechte „Mobilitätsdrehscheibe“ für Augsburg: Straßen, Kanäle, eine Localbahn und einen richtigen Hafen sollten die Stadt an die großen Handelswege der Welt anschließen.
Dieser fast vergessenen Vision widmet sich nun ein besonderes Format: Die Themenführung „Vom Lech zu den Weltmeeren“ nimmt das Publikum mit auf einen Theaterspaziergang durch die Jakobervorstadt – direkt an den Original-Schauplätzen, an denen Gollwitzers Träume einst reifen und schließlich scheitern sollten.
Geschichte zum Anfassen
Stadtführer und Autor Kurt Idrizovic übernimmt die kundige Erzählung durch das sogenannte „Hafen-Viertel“ entlang der historischen Wasserwege. Der Schauspieler Matthias Klösel schlüpft dabei in die Rolle Gollwitzers selbst – und macht dessen wagemutigen Pläne und ihr Scheitern auf eindringliche Weise erlebbar. Was in Geschichtsbüchern trocken klingt, wird hier sinnlich und spannend: Stadtgeschichte als Theater, mitten in der Stadt.
Die Idee eines Augsburger Hafens mag heute wie eine fantastische Utopie erscheinen. Damals aber war sie ein durchaus realistisches Planspiel – ein Zeugnis dafür, welche Bedeutung die Augsburger Wasserwege für die aufkommende Industrialisierung hatten. Statt Handelsschiffen gleiten heute Ruderboote über den romantischen Stadtgraben der Kahnfahrt.
Regio plant Gastronomieboot auf der Kahnfahrt
Für Tourismusdirektor Götz Beck ist Gollwitzers Vision mehr als ein historisches Kuriosum. Sie liefert ihm einen authentischen Aufhänger für ein konkretes Gegenwartsprojekt: Nach der Umsetzung der Neuen Kahnfahrt soll dauerhaft ein Gastronomieboot auf dem Wasser etabliert werden. Da an der Kahnfahrt keine feste Gastronomie gebaut werden soll, um den idyllischen Charakter des Orts zu bewahren, könnte laut Regio Augsburg Tourismus GmbH ein schwimmendes Schiff die ideale Lösung sein. Besonders für Gruppenevents wie Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten wäre es ein wetterunabhängiger Veranstaltungsort. Die altaugsburggesellschaft hat die Pläne der Regio jedoch heftig kritisiert (DAZ berichtete).
Termine und Tickets
Der erste Spaziergang findet bereits am 30. Mai um 15 Uhr statt. Weitere Termine folgen am 6. Juni sowie am 11. und 25. Juli, jeweils um 15 Uhr. Treffpunkt ist am Eingang der Kahnfahrt.
Karten sind in der Buchhandlung am Obstmarkt, Obstmarkt 11, erhältlich – telefonisch unter 0821–518804. Erwachsene zahlen 16 Euro, ermäßigt 14 Euro. Weitere Informationen gibt es unter buchhandlung-am-obstmarkt.de.