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Montag, 11.05.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Interview

Zwischen zwei Jahrzehnten Volkspartei und dem paneuropäischen Aufbruch

StadtGestalten: Thorsten Frank (Volt)

Wir sitzen in der Kälberhalle, einem Ort, der Trans­formation atmet. Vor mir sitzt Thorsten Frank. Er ist eines der neuen Gesichter im Stadtrat, doch seine politische Vita ist alles andere als die eines Neulings. Bevor wir beginnen, klären wir die Etikette: „Lieber Herr Stadtrat, soll ich Sie jetzt siezen? Oder reichen 19 Jahre Freund­schaft aus, um hier im Du fortzufahren?“ Thorsten lacht. Er fände es befremd­lich, wenn wir so täten, als würden wir uns gar nicht kennen. Wir bleiben beim bewährten „Du“ – unter Freunden, aber objektiv in der Sache.

Ein Interview zum Thema „Erfahrung trifft Vision – Volt im Augsburger Stadtrat“ von Sait İçboyun

Sait İçboyun: Lieber Thorsten, du bist einer von 28 neuen Stadträten und das neue Gesicht von Volt in Augsburg. Du warst auch zuvor lange politisch aktiv, von 1998 bis 2025 in der SPD. Was hat dich an Volt so fasziniert, dass du bereit warst, als Spitzen­kandidat anzutreten und nach deiner Wahl sofort in die aktive Politik einzusteigen?

Thorsten Frank: Ich bin bei Volt eingetreten, weil ich den Eindruck hatte, dass ich dort meinen bisherigen Werdegang optimal mit meinen europa­politi­schen Ansichten kombi­nieren kann.

Sait İçboyun: Das ist ein spannender Punkt – die Verbindung von großer Europa­politik und der Arbeit hier vor Ort. Volt wirbt ja oft damit, gute Ideen aus anderen europäischen Städten zu übernehmen. Wenn du auf deinen neuen Arbeits­platz im Rathaus blickst: Welches konkrete „Best Practice“ brennt dir am meisten unter den Nägeln?

„Copy with pride“: Thorsten Frank

Thorsten Frank: Der Kerngedanke ist auf jeden Fall richtig. Das heißt einfach „Copy with pride“. Das bedeutet, wenn sich in einer ähnlichen Stadt in Europa etwas bewährt hat, könnte das ja auch Vorbild­charakter für Augsburg haben. So kann man von guten Beispielen anderer Städte lernen, wie man das auch in Augsburg nutzen kann. Man muss ja nicht immer das Rad neu erfinden, sondern wenn sich irgendwo bei­spiels­weise in Sachen Radverkehr was bewährt hat, kann man sich diese Lösung auch mal genauer angucken und muss in Augsburg nicht eine neue Lösung finden, sondern von diesen Best-Practice-Modellen lernen.

Was natürlich auch super wichtig ist: Nicht nur von diesen Modellen zu lernen, sondern im zweiten Schritt auch noch zu überlegen: Wie kriegen wir denn das finanziert? Viele Parteien schlagen ja etwas vor, das irgendwie nur kostet, aber sie haben gar keine Ahnung, wie sie das jeweils finan­zieren sollen. Ich finde die Besonder­heit bei Volt ist, sich auch Gedanken darüber zu machen, wo nötige Mittel dafür herkommen können.

Sait İçboyun: Damit die Augsburger dich noch besser kennenlernen: Welchen beruflichen Background bringst du mit und bei welchen Themen brennst du am meisten darauf, deine Expertise einzubringen – auch wenn die Ausschüsse noch nicht final verteilt sind?

Thorsten Frank: Also von meinem beruf­lichen Back­ground bin ich erst mal von der Aus­bildung her Diplom-Geograph, was mich relativ breit auf­stellt. Da habe ich mich unter anderem auch schon früher um Stadt­ent­wicklung gekümmert. Das heißt, das ist tat­säch­lich ein Punkt, der mich inter­essiert: Wie soll die Stadt in zehn Jahren aussehen? Wie kann man das Zusammen­leben von Menschen so erleich­tern, dass sich alle mög­lichst wohl­fühlen und wie kann man das gezielt ent­wickeln? Und wie soll Augsburg in zehn Jahren aussehen?

„Analoge Menschen nicht abhängen“ (Fotos: Sait İçboyun)

Von mir bekannt ist, dass ich ehren­amtlich im Europa-Bereich enga­giert bin – ich bin ja weiterhin Landes­vor­sitzen­der der über­partei­lichen Europa-Union und war zehn Jahre lang Vor­sitzen­der in Augsburg. Insofern ist Europa ein Schwer­punkt, den ich gerne verfolgen möchte. Mich inter­essiert auch Verkehr; ich habe in Augsburg unter anderem bei „Bei Anruf-Auto“ mitgewirkt als stell­ver­tre­tender Vor­sitzen­der und konnte das ein bisschen voran­bringen. Wir haben da auch den Zukunfts­preis der Stadt Augsburg 2014 gewonnen.

Mir geht es darum: Wie kann man in Augsburg die Exper­tise, die man hat, ein­bringen? Dazu gehört für mich auch, dass ich in der Akzeptanz-Kommu­nika­tion für Groß­pro­jekte aktiv bin, was Infra­struktur- und Stadt­ent­wick­lungs­projekte anbelangt, die in einem größeren Maßstab sind. Ich glaube, es ist gut, wenn man sich da ein­bringt, wo man auch eine Ahnung davon hat. Was noch dazu kommt: Volt steht ja auch für Digi­tali­sie­rung und ich habe den Eindruck, da geht in Augsburg schon auch noch was.

Sait İçboyun: Du hast die „Akzep­tanz-Kommu­nika­tion“ ange­sprochen. Als Stadtrat bist du nun das Binde­glied zwischen den Plänen im Rathaus und den Menschen. Wie möchtest du die Bürger bei diesem Wandel mitnehmen?

Thorsten Frank: Man wird merken, dass die Digi­tali­sierung nicht bedeutet, dass die analogen Menschen abgehängt werden sollen, sondern dass Vorgänge, die manchmal als munteres „Pingpong“ zwischen Ver­wal­tungs­ein­heiten und Bürgern hin und her spielen, hoffent­lich reibungs­loser funktio­nieren. Das spart allen Zeit und Nerven. Mir geht es darum, dass eine Stadt sinnvoll ent­wickelt wird und nicht nur aufgrund von Druck irgendwie „vor sich hin gewursch­telt“ wird, sondern tat­säch­lich ziel­führend ent­wickelt wird – ob das Wohnen ist, Verkehr, Wirt­schaft oder andere Grund­daseins­funk­tionen. Man kann eine Stadt so ent­wickeln, dass man per­spek­tivisch weiß, wo sie hin will.

Sait İçboyun: Zum Abschluss: Wenn wir uns in ein paar Jahren wieder hier in der Kälber­halle treffen – welches Detail im Stadt­bild wird zeigen, dass der frische Wind von Volt einen Unter­schied gemacht hat?

Thorsten Frank: Also hätte ich eine Glaskugel, würde ich gerne Mut­maßungen anstellen. Jetzt bin ich aber nur ein Mensch. Ich glaube, was die Menschen von mir nach dieser Stadtrats­periode auf jeden Fall sehen werden, ist, dass da ein sehr fleißiger, gerad­liniger, auf­rechter Mensch sich für Augsburg einge­setzt hat. Und wenn ich mich da ein­bringen kann, wo ich mich gerne ein­bringen möchte, wird man sicher­lich merken, dass Augsburg tat­säch­lich eine Europa­stadt ist. Man wird fest­stellen, dass Augsburg digi­taler aufge­stellt ist und dass der Verkehr an der ein oder anderen Stelle viel­leicht auch so geregelt ist, dass alle ent­spannter unterwegs sein können. Und last but not least – dass eine syste­mati­schere Ent­wicklung der Stadt erkennbar wird.

Sait İçboyun: Vielen Dank, lieber Thorsten Frank, für das offene Gespräch. Wir von der DAZ wünschen dir für deine Arbeit im Augsburger Stadtrat viel Erfolg und eine glück­liche Hand im Namen unserer Bürge­rinnen und Bürger.


StadtGestalten – Augsburger im Porträt.

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