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Freitag, 17.05.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Interview

Der Hingucker beim Augsburger Europatag: Der Flashmob der „Omas for Future“

Bislang hatte die Augsburger Omas für Future Initiative vornehmlich durch ihre Website omasforfuture.de und auf Demos auf sich aufmerksam gemacht. Dann wurde in der AZ über die Gründung der Regionalgruppe berichtet und eine Aktion zur EU-Wahl angekündigt. Beim Europatag auf dem Augsburger Rathausplatz bildeten die Omas (und Opas) nun Europas Gefolge, die mit ihrem Stier auf einem Lastenrad anreiste und zur Europawahl aufrief.

Von Udo Legner

Dazu die Pressesprecherin der Gruppe Marianne Mors:

„Wir rufen zur Wahl auf, um Europa nicht den Rechtsextremen und die politische Bildung nicht Tiktok zu überlassen. Es geht uns um eine andere Form der politischen Kultur, um eine kreative, lebendige Art der Einmischung. Wir als Wähler*innen 50plus möchten eine Stimme sein für eine lebenswerte, ökologisch orientierte Zukunft, für uns und die Generationen nach uns. Das Lastenrad ist für uns ein Symbol der Klimabewegung und der Mobilitätswende. Wir wollen gerade auch unsere Altersgenoss*innen, welche mehr als die Hälfte der Wähler*innen ausmachen, zur Wahlbeteiligung ermuntern und auf humorvolle Weise an ihre Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen erinnern. Kooperation und Solidarität über Generationengrenzen hinweg!“

Das nachfolgende Interview mit Marianne Mors (Fragen 4 bis 6) und Vorstandsfrau Isabella Geier (Fragen 1-3 und 7) gibt weitere Hintergrundinformationen zu diesem Highlight des Augsburger Europatags.

DAZ: Wie kam es zur Idee, Omas for Future in Augsburg zu gründen?

Isabella Geier: Als ich in Rente und einen großen Berg Arbeit los war, konnte ich mir irgendwann vorstellen, zusätzlich zu meinem Engagement in der Flüchtlingsarbeit noch etwas anderes machen. Ich kannte FFF, parents for future usw. und fand, eigentlich sollte es auch so etwas wie Großeltern for future geben. Ich fand heraus, dass es das schon seit 2019 gab, nämlich Omas (und Opas) for future, und schrieb eine Mail. Nichts passierte. Als ich nach Monaten dann doch eine Antwort bekam, war ich zwar gar keine Rentnerin mehr – der Personalnot an der Waldorfschule geschuldet – eine Ortsgruppe habe ich aber trotzdem gegründet.

DAZ: Was waren die ersten Schritte und grössten Hindernisse hierbei?

Isabella Geier: Ich nahm an online-meetings von OfF teil, bekam eine Email-Adresse, 3 Erdherzen und Material zum Verteilen. Das größte Hindernis war, dass ich ja wieder arbeitete, was so nicht geplant war. Also Zeitmangel. Zunächst beschränkten sich die Aktivitäten mehr oder weniger auf die Teilnahme an Demos und das Verteilen von Quizheftchen – Omas for Future ist mit seinen Quiz-Veranstaltungen und -Materialien BNE-zertifiziert.

DAZ: Wie wurden die Teilnehmer gewonnen – welche Netzwerke wurden genutzt?

Isabella Geier: Die erste Mitoma und der erste Mitopa trugen sich in eine Interessentenliste an meinem ersten Infostand ein. Als es dann darum ging, etwas zum Thema EU-Wahl zu machen, kam uns die Idee zu einem Flashmob am Europafest – ein reiner Infostand war uns zu langweilig. Wir wollten dabei mit FFF und dem Klimacamp kooperieren, also über Generationengrenzen hinweg, nutzten aber auch unsere sonstigen Netzwerke. Etliche neue Mitglieder kamen dann über einen Zeitungsartikel in der AZ.

DAZ: Wer hatte die Idee für den heutigen Flashmob und die Forderungen auf den Schautafeln und wie wurden die Akteure – Sambamania und z.B die Mitarbeiterinnen der Werkstatt Solidarische Welt hierfür gewonnen?

Die “Omas for Future” auf dem Augsburger Rathausplatz – Foto: Udo Legner

Marianne Mors: Die Idee mit der mythischen Figur Europa, sie auf einem Stier daherkommen zu lassen, einen roten Teppich in erster Linie für die Jung- und Erstwähler auszurollen, um sie zur Wahl zu motivieren, Transparente mit Forderungen über den roten Teppich zu tragen und sie schließlich in eine Wahlurne zu stecken, hatten Isabella und Rita wohl zusammen ausgeheckt. Wir feilten dann an mehreren Abenden in kleinem Kreis mit unterschiedlicher Besetzung, auch mit zwei ehemaligen Waldorfschülern und Vertretern vom Klimacamp /FFF gemeinsam an den Sprüchen, die Idee mit dem Lastenfahrrad kam vom Klimacamp, die Idee, dem Radler die Stiermaske auszusetzen war eine Idee von Isabella, (Realisierung in erster Linie von ihrem Mann Ulf unter Mithilfe einiger Frauen von uns).

Für mich am wertvollsten war die unkomplizierte, konstruktive, harmonische Zusammenarbeit, die Aufteilung der Aufgaben, die gegenseitige Wertschätzung der Vorschläge und der Prozess, wie von einem zum nächsten Treffen das ganze Vorhaben Form und Gestalt annahm. Isa mit ihrer großen Erfahrung und den vielen Connections aus vorherigen Aktionen stellte die Verbindung zu Sambamania, dem Saxofon-Spieler, Sita als Europa und den allermeisten Mitwirkenden her.

DAZ: Wie reagiert die Enkelgeneration auf diese neue Initiative?

Marianne Mors: Die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt, also zwischen den Generationen, funktionierte problemlos und in meinen Augen sehr vertrauensvoll, solidarisch, in gegenseitigem Respekt. Wir können wohl für weitere Aktionen aufeinander bauen.

DAZ: Nächste Aktionen und Events?

Marianne Mors: … wir werden sehen. Angespornt durch die heutige Erfahrung werden wir uns hoffentlich bald mal wieder was einfallen lassen. (Demonstration Ende Mai?)

DAZ: Sie sind ja auch in Kooperation mit der Werkstatt und den SuS der Waldorfschule im Erasmus Projekt „Solidarisch für eine bessere Welt“ engagiert. Gibt es da auch solch tolle Aktionen und vielleicht einen Flashmob?

Isabella Geier: Beim Erasmusprojekt ist es ja eher so, dass man von der koordinierenden Organisation – in diesem Fall von der Werkstatt Solidarische Welt – Hausaufgaben bekommt, bzw. mit allen Beteiligten vereinbart. Für die letzte Begegnung in Suceava sollten wir ein Video zum Thema Geflüchtete in Augsburg machen. Dafür haben wir Geflüchtete in ihrer Unterkunft besucht und für Interviews an die Schule eingeladen. Wir haben im Grandhotel, bei Tür an Tür, bei Refugio und von einem ehemaligen Betreuer unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge wertvolle Einblicke erhalten und bei Farhad aus Afghanistan einen Trommelworkshop gemacht. Wenn wir für die nächste Begegnung in Murcia die Hausaufgabe bekommen, einen Flashmob zu organisieren, dann machen wir das natürlich ;).
———
Das Interview führte Udo Legner.

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