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Mittwoch, 13.05.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Generation AUX, FDP und Die PARTEI bilden Fraktions­gemeinschaft

Im Augsburger Stadtrat entsteht eine bundes­weit unge­wöhn­liche politi­sche Kon­stella­tion: Generation AUX, die FDP und Die PARTEI haben sich zu einer gemein­samen Frak­tions­gemein­schaft zusammen­ge­schlossen. Die Betei­ligten sprechen von einem „Gegen­entwurf zur politi­schen Polari­sierung“ und wollen künftig gemeinsam kommunal­politi­sche Ver­ant­wortung übernehmen.

Von Bruno Stubenrauch

Die Konstituierung der neuen Frak­tions­gemein­schaft erfolgte bereits am 5. Mai, auf Basis der am Vortag verab­schie­deten neuen Geschäfts­ordnung der städti­schen Gremien, die erstmals solche Zusammen­schlüsse er­möglicht. Im Gegensatz zu echten Frak­tionen müssen die Mitglieder nicht „politisch gleich­gesinnt“ sein, genießen aber die selben organi­sa­tori­schen Vorteile. Zum Vorsitzenden wurde Raphael Brandmiller von Generation AUX gewählt, Lisa McQueen von Die PARTEI übernimmt den stellvertretenden Vorsitz.

Zusammenarbeit statt Lagerdenken

Die Beteiligten verstehen die Koope­ration aus­drücklich nicht als klassisches Zweck­bündnis, sondern als Versuch, politische Gräben im Stadtrat zu überwinden. In der gemein­samen Erklärung heißt es, Augsburg brauche „keine politi­schen Schubladen – sondern Menschen, die gemeinsam an Lösungen arbeiten“.

Besonders Generation AUX beschreibt die neue Kon­stel­lation als Fort­setzung ihres kommunal­politi­schen Selbst­ver­ständ­nisses aus dem Wahlkampf. Man wolle prag­matische und innova­tive Lösungen entwickeln und dabei bewusst über klassi­sche Partei­grenzen hinausdenken.

Auch FDP-Stadträtin Iris Steiner betont den sach­politi­schen Anspruch der Zusammen­arbeit. Gerade auf kommunaler Ebene komme es weniger auf ideo­logische Lager als auf die handeln­den Personen und gemeinsame Ziele an.

Schnittmengen bei Kultur, Wohnen und Mobilität

Nach Angaben der Beteiligten habe sich in den Gesprä­chen gezeigt, dass es in zentralen Themen­feldern deutliche Über­schnei­dungen gebe – unter anderem bei Mobilität, Wohnen, Kultur und Bildung. Zugleich werben die Partner für einen „prag­matischen“ Politik­stil, der auch unge­wöhn­liche Kon­stella­tionen zulasse.

Die Fraktionsgemeinschaft dürfte auch deshalb Auf­merk­samkeit über Augsburg hinaus erzeugen, weil Koopera­tionen zwischen FDP und Die PARTEI bislang kaum vorkommen. Hinzu kommt, dass Die PARTEI in Augsburg künftig nicht nur oppo­sitio­nell auftreten, sondern innerhalb einer politi­schen Mehrheit gestaltend mitwirken könnte.

„Lösungen statt Labels“

Lisa McQueen hob in der Mitteilung vor allem den verbin­denden Ansatz hervor. Unter­schiede dürften nicht auto­matisch zu politi­schen Fronten führen. Neben ernsten Tönen blieb dabei auch Raum für den typischen satiri­schen Stil von Die PARTEI.

Generation AUX verweist zugleich auf die perso­nelle Breite der neuen Fraktion. Mit McQueen gewinne die Gemein­schaft eine bekannte Stimme der Augs­burger Kultur­szene hinzu. FDP-Stadt­rätin Iris Steiner bringe wiederum lang­jährige Erfah­rungen aus der Kultur- und Theater­land­schaft ein.

Die gemeinsame politische Linie formu­lieren Raphael Brandmiller, Julia Engelsmann und Ana Babic knapp: „Es geht um Lösungen, nicht um Labels.“

„Strategische Zusammenschlüsse“ in der Kritik

Über die neu geschaffene Möglichkeit von Frak­tions­gemein­schaften ist inzwi­schen eine politi­sche Debatte entbrannt. Die Grünen hatten beantragt, die bisherige Regelung zu Fraktionen und Aus­schuss­gemein­schaften unver­ändert beizu­be­halten. Hinter­grund ist die Sorge, dass sich politisch sehr unter­schied­liche Gruppie­rungen vor allem aus organi­sa­tori­schen Gründen zusammen­schließen könnten – etwa um zusätz­liche Ausschuss­sitze, Ressourcen oder Einfluss­möglich­keiten zu erhalten.

Nach Auffassung der Grünen müsse eine Fraktion oder Frak­tions­gemein­schaft auf einer erkenn­baren gemein­samen politi­schen Program­matik beruhen und dürfe nicht über­wiegend „strate­gischen“ Charakter haben. Die neue Koope­ration aus Generation AUX, FDP und Die PARTEI dürfte die Dis­kussion über Sinn und Grenzen solcher Zusammen­schlüsse im Stadtrat weiter ver­schärfen. Nach Infor­ma­tionen der DAZ prüfen die Grünen derzeit auch rechtliche Schritte.