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Sonntag, 14.04.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Kabarett

Das Kabarett 2024 der Puppenkiste: Meister Söder und sein Aufmuckl und viel Puppenspieler-Kunst

„Ein Kabarett mit Puppen?“ wird man immer wieder gefragt, wenn man außerhalb von Augsburg erzählt, dass man beim Kabarett der Puppenkiste war. Eine lange Tradition mittlerweile, die das Team des deutschlandweit bekannten Marionettentheaters seit vielen Jahren anbietet. Und jedes Jahr sind die Augsburgerinnen und Augsburger aufs Neue gespannt, welche politische Größe es diesmal auf die Puppenbühne geschafft hat. Welche für wichtig genug befunden wurde, als Marionette geschnitzt zu werden.

von Halrun Reinholz

Den Söder gibt es schon länger. Er war 2023 persönlich da, um die Patenschaft über sein hölzernes Ebenbild zu übernehmen. Im diesjährigen Programm ist er der Schreinermeister, in dessen Werkstatt sich der rothaarige Kobold „Aufmuckl“ tummelt, der Hubsi, der an einen bairischen Politiker erinnert, in dessen Schulranzen sich seltsame Dinge befunden haben sollen. Olaf Scholz kommt in dem Sketch vor, aber auch Sahra Wagenknecht – elegant, wie man sie kennt – die in der Werkstatt des Meisters nicht das richtige Holz für ihre Plakatständer findet. Robert Habeck schaut auch vorbei und verschwindet im Keller, um die Heizung auszutauschen. Inzwischen tauchen Agnes Strack-Zimmermann und Toni Hofreiter in einmütigem Militär-Tarn-Look in der Werkstatt des Meisters auf und aus dem Keller hört man verdächtige Geräusche – die Heizung ist hin.

Aufmuckl (Hubert Aiwanger), Toni Hofreiter und der Meister Söder © Augsburger Puppenkiste®/ Fotos: Elmar Herr

Aufmuckl (Hubert Aiwanger), Toni Hofreiter und der Meister Söder © Augsburger Puppenkiste®/ Fotos: Elmar Herr

Herzstück des Abends: Der politische Sketch
Der politische Jahres-Sketch ist das Herzstück des Abends, aber aus Gründen des Aufwands und des langen Vorlaufs muss das Kabarett in der Puppenkiste zurückhaltend sein mit den Anspielungen auf allzu aktuelle Entwicklungen. Noch weniger wird, wohl aus denselben Gründen, die aktuelle Kommunalpolitik als Sketch thematisiert. Dafür ist vor allem der Kasperl zuständig, der die „Bubala und Mädala“ wie immer persönlich begrüßt und die neuesten Entwicklungen in der Stadt kommentiert: Den neuen Bahnhof zum Beispiel, der endlich fertig ist. „Jetzt muss nur noch ab und zu ein Zug vorbeikommen.“

Running Gag des diesjährigen Kabaretts sind etliche Persiflagen der Seitenbacher-Müsli-Werbung („Weitermacher-Müsli“). Wie ein roter Faden ziehen sich auch diesmal wieder die Sketche des Neandertalers mit Mammut und Vogel durch das Programm, die kauderwelschen in der Steinzeit-Sprache und sind erstaunlicherweise dann doch ganz gut zu verstehen.

Ein herausragendes Ensemble mit kreativen Einfällen
Auch diesmal punktet das Kabarett jedoch vor allem mit kreativen künstlerischen Einfällen, die das Potenzial dieses herausragenden Ensembles zeigen. Den Einstieg macht eine mexikanische Mariachi-Band mit singender und tanzender Solistin. Ein Insekten-Orchester zeigt zur Musik von Vivaldi die Präzision des echt anmutenden Instrumentenspiels. Spektakulär der Akrobat mit den Ringen, für dessen abenteuerliche Verrenkungen gleich drei Puppenspieler sorgen, was den staunenden Zuschauern durch das Lüpfen des Vorhangs eindrucksvoll demonstriert wird. Dass die drei sich nicht gegenseitig in den Fäden verheddern, verdient höchsten Respekt. Beeindruckend auch der Gespenstertanz und fast spooky der Sketch mit den Tierversuchen.

Akrobat mit Ringen © Augsburger Puppenkiste®/ Fotos: Elmar Herr

Akrobat mit Ringen © Augsburger Puppenkiste®/ Fotos: Elmar Herr

Immer wieder erstaunlich, wieviel Aufwand auch für kurze Sketche betrieben wird. So klopft der Wolf an die Tür der Großmutter und gibt vor, das Rotkäppchen zu sein. Doch die resolute schwäbische Großmutter fällt nicht drauf rein: „Das ist jetzt schon der Dritte in dieser Woche, der mir mit dem Enkeltrick daherkommt.“ Die kurzen Umbaupausen zwischendurch werden mit mehr oder weniger originellen Kalauern gefüllt, um das Publikum bei Laune zu halten. „Aus Energiespargründen hat die Bundesregierung entschieden, das Licht am Ende des Tunnels auszuschalten.“

Reicher Applaus, hohe Nachfrage und Zusatztermine
Nur beim Kabarett hat das Publikum in der Pause Gelegenheit, hinter die Bühne zu gehen und den Puppen sozusagen ins Gesicht zu sehen. Schnell bildet sich eine Schlange am Bühneneingang. Geduldig erklären die Puppenspieler, warum die Marionetten genau an der Position hängen, der Ablaufplan hängt sichtbar an der Wand. Ein bisschen Insiderwissen, das gut ankommt. Und ein Selfie mit Meister Söder oder Habeck ist auch drin.

Reicher Applaus auch für das gesamte Kabarett-Programm.  Die Vorstellungen sind traditionell schnell ausverkauft, Zusatztermine wurden schon anberaumt. Ist halt schon was Besonderes, so ein Kabarett mit Puppen. Die Schweizer hinter mir sind eher zufällig hineingeraten, aber sie haben es nicht bereut: „Vielleicht kommen wir im nächsten Jahr wieder.“