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Theatersanierung: Kostenkalkulation in der Kritik

Ist die städtische Kostenkalkulation für die Theatersanierung haltbar? Stadtrat Volker Schafitel (FW) hat sich diese Frage gestellt und mit „Nein“ beantwortet.

Von Siegfried Zagler

Vergleichstabelle Theatersanierungen in Deutschland (c) Volker Schafitel

Vergleichstabelle Theatersanierungen in Deutschland (c) Volker Schafitel


Folgt man der Argumentation des Architekten Schafitel, dann müsste man von einer Kostensteigerung von 100 Prozent ausgehen – mindestens. Schafitel vergleicht die in Augsburg veranschlagten Sanierungskosten pro Kubikmeter mit Theatersanierungskosten von anderen Städten und kam bei seiner Recherche zu Ergebnissen, die er in einer Pressekonferenz am Mittwoch folgendermaßen zusammenfasste: „Vergleicht man die Kosten ähnlicher Sanierungen von städtischen Bühnen oder Opernhäusern in Deutschland, kommt man zu der Feststellung, dass die veranschlagten Augsburger Kosten von 186 Millonen Euro zu niedrig ausgefallen sind.“

Übliche Vergleichsgrößen sind Bruttogeschoßfläche (BGF) oder/und der Bruttorauminhalt der Sanierungsprojekte und deren Kosten pro Quadratmeter/Kubikmeter. Diese Vergleichswerte hat Schafitel bei mehreren Theatersanierungen beziehungsweise Neubauten recherchiert (siehe Grafik). Die mit der Augsburger Sanierung vergleichbaren Projekte Berlin, Köln und Frankfurt zeigen, so Schafitel, dass in Augsburg mit zu optimistischen Kostenannahmen kalkuliert worden sei. „Während man in Augsburg mit 750 Euro pro Kubikmeter Rauminhalt Sanierungsvolumen kalkuliert, kam man in Berlin auf 1.527 Euro pro Kubikmeter und in Köln wird derzeit mit 1.974 Euro pro Kubikmeter gerechnet.“ Diese Zahlen sind bereits nicht mehr aktuell. „Mit der neuesten Kölner Kostenschätzung (570.554.049 Euro) käme man auf 2.449 Euro pro Kubikmeter“, wie Schafitel ausführte. Würde man in Augsburg diese Zahlen ansetzen, käme die Augsburger Sanierung auf 616.787.997 Euro Kostenkalkulation.

Volker Schafitel (c) DAZ

Volker Schafitel (c) DAZ


Auch die aktuell niedrigste Kostenkalkulation würde, würde man diesen „Kubikmeterpreis“ für Augsburg verwenden, die Augsburger Kalkulation auf 355.539.875 hochschrauben. Aufgrund seiner Recherche müsse man sofort noch einmal die Kalkulation der Augsburger Sanierung prüfen und gegebenenfalls überarbeiten. „Das muss in voller Verantwortung durch den extern beauftragten Projektcontroller geschehen, nicht durch den Architekten“, so Schafitel, der auf Nachfrage der DAZ zu Protokoll gab, dass er davon ausgehe, dass sich die Sanierungskosten verdoppeln werden. Von fahrlässiger Fehlplanung und „Bürgermeisterzahlen“ wollte Schafitel nicht sprechen, wohl aber davon, dass die Augsburger Bürgerschaft einem politischen Zahlenwerk aufgesessen sei und er nun wissen wolle, ob die Stadtgesellschaft eine 300 oder 400 Millionen teure Sanierung auch noch mittragen werde.

Bei der Kommunalwahl 2020 würde eine aus dem Ruder laufende Theatersanierung zu einem bestimmenden Thema werden, das den Bündnisparteien (CSU/SPD/Grüne) schwer zu schaffen machen könnte: Die Augsburger SPD hatte beim Projektbeschluss eine Kostendeckelung bei 186 Millionen Euro als Bedingung für ihre Zustimmung verlangt. „Diesen Anspruch kann man anhand der Fakten heute vergessen“, so Schafitel.



FCA: Hinteregger für Hoffenheim fit

Am kommenden Samstag kann der FCA bei der TSG Hoffenheim (15.30 Uhr) mit Martin Hinteregger antreten

„Er ist fit und wird spielen“, so FCA-Trainer am heutigen Donnerstag. Hinteregger hatte zuletzt Schwierigkeiten mit einer Entzündung am Sprunggelenk, befindet sich aber seit Mittwoch voll im Training. „Ja, ich bin sicher fit“, so Hintreregger am heutigen Nachmittag zur DAZ, als man sich zufällig in einem Cafe in der Annastraße traf.

Unklar dagegen, ob es Rani Khedira noch in den Kader schafft. Khedira plagt sich seit dem Spiel gegen Dortmund mit einer Bauchmuskelzerrung herum. Er trainierte zwar am Donnerstag wieder komplett mit der Mannschaft, doch Baum will kein Risiko eingehen: „Wir müssen schauen, wie die Bauchmuskulatur reagiert und nach dem Training am Freitag entscheiden. Ich bin immer vorsichtig, wenn es um muskuläre Geschichten geht.“

Stärkere Probleme gibt es auch bei Cordova, der heute lädiert von der Länderspielreise zurückkam. Man müsse hier abklären, wie schlimm es ist“, so FCA-Trainer Baum, der bei den Blessuren von Konstantinos Stafylidis und Dong-Won Ji abwinkt: Beide könnten spielen.



Radtour durch den Kiefernwald Haunstetten

Die Forstverwaltung lädt am Samstag zu einer Radtour entlang des Lechs



Im Forstrevier Haunstetten liegen die letzten großen zusammenhängenden lichten Kiefernwaldstrukturen entlang des bayerischen Lechs. Um diese langfristig in ihrem Bestand zu sichern, hat die Forstverwaltung ein Konzept zu deren Pflege und Erhalt im Stadtwald entwickelt.

Am Samstag, den 14. Oktober von 10 bis 11.30 Uhr kann man sich den lichten Kiefernwald während einer geführten Radtour erschließen und Genaueres über das Erhaltungskonzept des Waldes erfahren. Die Streckenlänge beträgt circa zehn Kilometer. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Treffpunkt: Waldeingang am Ende der Krankenhausstraße in Haunstetten.

Anmeldungen über: Tel.: 0821 324 6118 oder waldpaedagogik.forst@augsburg.de.



„Vorbilder“: Konzert im Mozarthaus

Das Leopold Mozart Quartett spielt Haydn und Mozart



Die vier Musiker der Augsburger Philharmoniker Mariko Umae (Geige), Živa Ciglenecki (Geige), Christian Döring (Bratsche) und Johannes Gutfleisch (Cello) haben sich bereits 2005 zum Leopold Mozart Quartett formiert und sind seitdem ein fester Bestandteil des Konzertlebens im Augsburger Raum. Am Sonntag, 15. Oktober um 11.00 Uhr spielen sie im Mozarthaus Werke von Joseph Haydn (Quartett Es-Dur op.33/2 „Scherz“) und W.A. Mozart (Quartett d-Moll).

1785 wurden die sechs Quartette von W.A. Mozart veröffentlich. Sie sind seinem Freund und Mentor Joseph Haydn gewidmet und gelten als Höhepunkt seines kammermusikalischen Schaffens. Das schwermütige D-Moll-Quartett entstand vermutlich 1783, als seine Frau Constanze mit ihrem ersten Kind schwanger war, das kurz nach der Geburt starb. Im Gegensatz dazu steht Haydns heiteres Es-Dur-Quartett von 1781.

Karten zu 12,- Euro, ermäßigt 10,- Euro sind im Mozarthaus erhältlich.



Foto (c) Regio Augsburg Tourismus GmbH



Stempflesee: Wie giftig ist der Lösch?

Bei der Sanierung des Stempflesees hat man bei Wegbauarbeiten rund um den Stempflesee großflächig Lösch gefunden

Lösch am Wegrand des Stempflesees (c) DAZ

Lösch am Wegrand des Stempflesees (c) DAZ


Der „Augsburger Lösch“ ist vermutlich Schlacke, die bei der Verbrennung von Steinkohle zur Gasgewinnung entstanden ist. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden auf diese Weise Unmengen an Verbrennungsrückständen, die „Lösch“ genannt wurden. Eine Art grobkörnige und schwarze Schlacke, die an erkaltete Vulkanasche erinnert und im schlimmsten Fall mit giftigen Stoffen kontaminiert ist. Lösch wurde bis in die 70er Jahre als Wegebaumaterial verwendet, auch für die zahlreichen Wege im Augsburger Stadtwald, der zum Trinkwasserschutzgebiet der Stadt gehört.

Nach Informationen der DAZ wurden Proben des Lösch rund um den Stempflesee vom Umweltamt eingeholt, um nach heutigen Methoden die Beschaffenheit des Materials zu überprüfen. Sollte nach der Beurteilung des Amtes ein Schadstoffwert überschritten werden, müsste das Gelände von diesem Material entsorgt werden. Nächste Woche ist mit einem Ergebnis zu rechnen, wie es hieß. Die Sanierungsarbeiten begannen Anfang September und sollten bis Ende Oktober abgeschlossen werden. Die Stadt investiert nach derzeitigem Planungsstand knapp 370.000 Euro für das Projekt, das von der Stadtsparkasse mit 120.000 Euro unterstützt wird. Sollte der Waldboden rund um den Stempflessee von dem Lösch-Material entsorgt werden müssen, kämen weitere Kosten auf die Stadt zu. Für eine städtische Stellungnahme war am späten Mittwochabend niemand mehr zu erreichen.



Brechtbühne: Faszination des Grauens

Der erste Teil von Thomas Köcks Klimatrilogie „paradies fluten. verirrte sinfonie“ zeigt das Augsburger Stadttheater als dichte, akrobatische Inszenierung

paradies fluten (c) Jan-Pieter Fuhr

paradies fluten (c) Jan-Pieter Fuhr


Mit einem außergewöhnlichen Stück präsentierte sich die neue Hausregisseurin Nicole Schneiderbauer erstmals dem Augsburger Publikum: „paradies fluten“ heißt der erste Teil einer Klimatrilogie des österreichischen Autors Thomas Köck mit dem Untertitel „verirrte sinfonie“. Uraufführung war 2016 bei den Ruhrfestspielen in Bochum. Auch die beiden anderen Teile, „paradies hungern“ und „paradies spielen.abendland – ein abgesang“ sind bereits aufgeführt worden. Wie die Titel suggerieren, handelt es sich um apokalyptische Visionen, die darüber reflektieren, was von der heutigen Welt übrigbleibt, wenn es sie nicht mehr geben wird – in etwa sechs Millionen Jahren.

Das Szenario ist, wie man sich denken kann, per se beklemmend genug und man fragt sich zu Recht, ob man das auf der Theaterbühne sehen will. Die Brechtbühne erwartet die Zuschauer mit einer von vier Zuschauerseiten umrahmten Zentralfront und Schauspielern, die teilweise aus der ersten Reihe heraus agieren. Seile und Netze hängen von der Decke und dienen, wie sich zeigen wird, den Akteuren als Handlungsfläche. Diese stehen in hautfarbenen Trikots gleichsam nackt da und reflektieren über die Zwangsläufigkeit des menschlichen Untergangs.

Doch Thomas Köck beschränkt sich in seinem Stück beileibe nicht auf larmoyante Untergangsstimmung. Geschickt baut er zwei Erzählstränge ein, die die globale Bedrohung auf die Perspektive des Alltags herunterbrechen. Einerseits geht es um eine Familiengeschichte – ein Arbeiter aus den neuen Bundesländern macht sich (nach der Wende) als KfZ-Mechaniker selbständig, gegen den Willen seiner ängstlichen Frau, die um die Existenz der kleinen Familie fürchtet. In der Perspektive entwickelt sich die Tochter der Familie zur Tänzerin, die ihre Ausbildung „querfinanziert“ und „auf Honorarbasis“ ihren Lebensunterhalt verdienen muss.

Die zunehmende Demenz des Vaters und seine Unterbringung im Pflegeheim ermöglichen ihr, sich durch den Verkauf des Hauses der Familie vermeintlich einen finanziellen Puffer zu schaffen. Zu dieser Kapitalismuskritik im Kleinen gesellt sich die Beschreibung eines Ereignisses in Manaus am Amazonas aus dem Jahr 1898. Der deutsche Architekt Felix Nachtigall soll den dortigen Kautschukbaronen ein Opernhaus bauen, mit dem sie die Überlegenheit ihrer Kultur in der Wildnis demonstrieren wollen. Dass dieses Projekt zu Lasten der Einheimischen und im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, ist die Kehrseite der Medaille.

Der Plot wird den Zuschauern freilich nicht als gefälliger Diskurs serviert, sondern mit einer atemberaubenden Performance aus (meist chorisch gesprochenem) Text und akrobatischem Einsatz. Die Seile und Netze dienen dazu, die Verstricktheit und das Gefangensein zu demonstrieren. Eine der Darstellerinnen, Kaatie Akstinat, ist dementsprechend eine Vollblutakrobatin („vertikale Kunst an Tuch und Seil“), doch die anderen  – Linda Elsner, Jenny Langner, Roman Pertl und Patrick Rupar – können ihr in diesem Spiel akrobatisch das Wasser reichen und alle überzeugen mit präziser Sprache. Das Inszenierungsteam (Kostüme: Miriam Busch, Video: Stefanie Sixt) achtete auf eine stringente visuelle Ästhetik, kongenial zur sprachlichen Genauigkeit und Expressivität.

Was zunächst einmal verstörte, entwickelte sich im Laufe der gut eineinhalb Stunden dauernden Aufführung zu einer Faszination des Grauens, aber auch der Klarheit. Ein dichtes, intensives Befremden. Was die anderen beiden Teile der Trilogie noch zu bieten haben, mag man sich gar nicht vorstellen.



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