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Kommunalwahl 2020: Liste der Linken steht

Auf ihrer heutigen Mitgliederversammlung wählten die Mitglieder der Augsburger Linken ihre Liste zur Kommunalwahl 2020.
Die ersten Listenplätze belegen Frederik Hintermayr und Christine Wilholm, beide wurden bereits Ende Juli gewählt. „Wir treten mit einer bunten und vielseitigen Liste zur Kommunalwahl an. Ich freue mich, dass unsere Schwerpunktthemen auch durch die Kandidierenden verkörpert werden“, so der Linke OB-Kandidat Frederik Hintermayr. Die komplette Liste der Linken:
1 Hintermayr, Frederik
2 Wilholm, Christine
3 Lindner, Rebecca
4 Lubecki, Tim
5 Diron, Anke
6 Tuncer, Cengiz
7 Schulz, Johanna
8 Effenberger, Fritz
9 Bruckbauer, Julia
10 Richter, Maximilian
11 Diron, Lea
12 Mayer, Andreas
13 Breth, Rebekka
14 Hartlaub, Sven
15 Zinke, Julia
16 Mayer, Patrick
17 Sommerrock, Jana
18 Reischl, Julian
19 Moosrainer, Tanja
20 Reiß, Hubert
21 Bichler, Gabriele
22 Möckl, Philipp
23 Dettmann, Susann
24 Bevc, Tobias
25 Buck, Rose-Marie
26 Möller, Mark
27 Schöberl, Rebecca
28 Stuhlmüller, Nicolai
29 Arnold, Cornelia
30 Klingelhöfer, Thomas
31 Kemper, Neele
32 Albig, Marcel
33 Seiler, Judith
34 Huber, Kai Erik
35 Blößner, Lore
36 Miehle, Brian
37 Bernitt, Dina
38 Parys, Matthias
39 Heinrich, Victoria
40 Schollenberg, Fabian
41 Thebe, Johanna
42 Küpfer, Julian
43 Stützel-Ackermann, Nelishan
44 Nicklisch, René
45 Gomoluch, Marion
46 Gampel, Benjamin
47 Niessen, Pia
48 Simsek, Ekrem
49 Hintermayr, Gabriele
50 Teichmüller, Benjamin
51 Hamurcu, Zera
52 Böck, Daniel
53 Schnarz, Susanne
54 Magg, Sajmon
55 Rupprecht, Anita
56 Makkos, Thomas
57 Wagner, Marian
58 Tuncer, Hüsametin
59 Fischer, Maximilian
60 Hieber, Maximilian


FCA schlägt Frankfurt 2:1

Der FCA kann wieder gewinnen: In Runde vier der aktuellen Bundesligasaison hielt er vor zirka 25.000 Zuschauern mit Glück und einer kämpferischen Leistung Eintracht Frankfurt mit einem 2:1 nieder. Die Tore für den FC Augsburg erzielten Marco Richter und Florian Niederlechner sowie Gonzalo Paciencia für Frankfurt (73.)

FCA-Coach Martin Schmidt nahm nach der Niederlage in Bremen drei Wechsel vor, zwei davon erzwungen: Für Lichtsteiner (Gelb-Rot-Sperre) und Baier (Wadenverletzung) spielten Framberger und Moravek. Für den Gemütlichkeitsfußballer Gregoritsch (Bank) begann Finnbogason.

Frankfurts Trainer Adi Hütter stellte nach dem Sieg gegen Düsseldorf ebenfalls auf drei Positionen um: Statt Kohr, Joveljic (beide Bank) und Kostic (kurzfristig vor dem Spiel erkrankt) spielten Sow, Chandler und Bundesliga-Debütant André Silva, der kurz vor dem Ende der Transferfrist als Leihspieler vom AC Mailand kam.

Ums Haar wäre das Spiel nach 35 Sekunden mit einem Schnelltor zugunsten der Augsburger gestartet, doch nach Vorarbeit des von Richter wunderschön freigespielten Vargas vergab Niederlechner im Strafraum aus bester Position: Frankfurts Keeper Trapp verkürzte aufmerksam den Winkel. Danach war von der FCA-Offensive eine Viertelstunde nichts mehr zu sehen, die Eintracht übernahm komplett die Regie und Paciencia traf in der 14. Minute vom Strafraumrand den Außenpfosten. Frankfurt blieb die bessere Mannschaft, während der FCA nur Nadelstiche setzen konnte. Frankfurts Kamada verfehlte das Tor in der 27. Minute nur knapp – auch, weil FCA-Keeper Koubek leicht am Ball war.

In der 33. Minute entstand eine Torchance für den FCA, die eigentlich kaum zu vergeben war, wäre der abschließende Spieler nicht Alfred Finnbogason gewesen: Bei einer weiten Hereingabe patzte Hinteregger bei Frankfurt und so prallte der Ball zu Finnbogason, der freistehend den leichten Ball blind auf das leere Tor schoß und Hintereggers Oberschenkel traf. Doch von nun an waren die Augsburger plötzlich im Spiel und gingen wenig später in Führung: Finnbogason gewann nach einem präzisen weiten Ball von Khedira ein Kopfballduell mit Hinteregger und legte so Richter maßgenau das 1:0 auf (36.). 

Und die Eintracht zeigte weitere Schwächen in der Abwehr, die noch vor der Halbzeit Augsburgs Niederlechner zum 2:0 bestrafen konnte: Nach einem Einwurf wurde dem Augsburger Topscorer zu viel Zeit gelassen, Niederlechner legte sich das Spielgerät passend zurecht und schloss aus der Distanz sehenswert in den oberen Winkel des langen Ecks ab (43.).

Nach der Pause wechselte Hütter bei der Eintracht und brachte Kohr für Sow. Frankfurt kam trotz verstärkter Offensive kaum zu Chancen. Der FCA verteidigte geschickt und war mit Fortuna im Bunde, weil sich die Hessen im Strafraum zuweilen „dumm anstellten“, wenn die Augsburger Abwehr wackelte – und sie wackelte allzu oft! Mit zunehmender Spieldauer erhöhte sich der Druck der Frankfurter, die mit der Einwechslung von Dost für Rode (65.) schließlich alles versuchten – und zunächst Erfolg hatten: In der 73. Minute schlief die FCA-Abwehr und Paciencia erzielte nach Vorarbeit von Kohr aus zentraler Position im Strafraum mit einem strammen und unhaltbaren Flachschuss den Anschlusstreffer. Ein Tor, das nicht hätte zählen dürfen, weil eine kaum für möglich haltbare Schiedsrichter-Fehlentscheidung bei einem Einwurf vorausging.

Doch unabhängig davon, war der Anschlusstreffer der Eintracht längst verdient, da der FCA nach vorne längst nicht mehr stattfand und eine Frankfurter Angriffswelle nach der anderen Richtung FCA-Tor rollte. In der Schlussphase drängte die Eintracht mit Mann und Maus auf den Ausgleich – ohne Erfolg.

FCA: Koubek – Framberger, Jedvaj, Uduokhai, Max – Moravek, Khedira, M. Richter, Vargas – Niederlechner, Finnbogason.

Tore: 1:0 Marco Richter, 2:0 Florian Niederlechner, 2:1 Paciencia.

 



Stadtrat: Hutter hört auf

Am heutigen Samstag findet die Listenaufstellung der Augsburger Linken zur Kommunalwahl statt. Otto Hutter wird auf dieser Veranstaltung nicht anwesend sein.

Otto Hutter © DAZ

Auf Platz 1 ist OB- Kandidat Frederik Hintermayr gesetzt, auf Platz 2 Christine Wilholm. Wer danach kommt, ist offen. Wilholm und Hintermayr haben auf dieser Liste gute Chancen für Alexander Süßmair und Otto Hutter in den Stadtrat einzuziehen. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Süßmair trat längst aus der Linkspartei wegen Querelen aus und checkt nun möglicherweise bei der Polit-WG ein, die ihre Stadtratsliste im Oktober erstellt. Otto Hutter ist noch Mitglied bei den Linken und hatte ursprünglich vor, auf dem ohnehin chancenlosen 6. Platz zu kandidieren, doch als er erfuhr, dass er dort einen Gegenkandidaten haben wird, zog er zurück. „Ich habe mich in den letzten Jahren aus der Parteiarbeit zurückgezogen und lasse gern den Jüngeren den Vortritt“, so Hutter auf Nachfrage zur DAZ. Wie es politisch weitergehen werde, wollte die DAZ wissen, doch von Hutter war nichts zu erfahren: „Kann sein, dass ich mich ganz aus der Politik zurückziehe“, so Hutter.



Kaiser Maximilian und Augsburg: Eine große Ausstellung geht zu Ende

Am kommenden Sonntag, den 15. September, findet in Augsburg im Maximilianmuseum eine bemerkenswerte Ausstellung ihr Ende. Kein Augsburger, der Interesse für die Geschichte der Reichsstadt am Lech besitzt, sollte sich die Gelegenheit entgehen lassen, falls er das noch nicht getan hat, diese Ausstellung zu besuchen. DAZ-Autor Helmut Gier bewertet die Ausstellung als „eine großartige Schau, die unterschiedliche Facetten des Verhältnisses des Kaisers Maximilian zu Augsburg lebendig werden lässt.“

Von Dr. Helmut Gier                        

Bildnachweis: Maximilian I, Albrecht Dürer und Jost DeNegker, Augsburg um 1519, Holzschnitt koloriert, C: Gotha, Stiftung Schloss Friedenstein, Graphische Sammlung, Inv. Nr. 8,26

Bildnachweis: Maximilian I, Albrecht Dürer und Jost DeNegker, Augsburg um 1519, Holzschnitt koloriert, C: Gotha, Stiftung Schloss Friedenstein, Graphische Sammlung, Inv. Nr. 8,26

Wenn geschichtsbewusste Augsburger an die glanzvollste Epoche ihrer Vaterstadt denken, dann sprechen (oder sprachen?) sie gerne von der „aetas Maximilianea“, der Ära Kaiser Maximilians – von dem goldenen Zeitalter Augsburgs. Dass der Herrscher und sein berühmter Bankier, Jakob Fugger, im selben Monat März des Jahres 1459 geboren worden waren, schien geradezu ein Symbol dafür zu sein, dass der Aufstieg des Hauses Habsburg zur Großmacht und der Augsburgs zur Finanz- und Handelsmetropole sowie heimlichen Hauptstadt des Reichs unauflöslich ineinander verwoben waren. Die runden Jubiläen der Geburts- und Todestage des Herrschers sind deshalb wie in keiner anderen deutschen Stadt unumgängliche Anstöße, sich der einstigen Größe zu vergewissern.

Anlässlich des 500. Todestags Kaiser Maximilians haben die Städtischen Kunstsammlungen die Aufgabe übernommen, in einer großen anspruchsvollen Ausstellung dieses goldene Zeitalter vor Augen zu führen. Mit einer Fülle von großartigen Kunstwerken und historischen Zeugnissen ist es ihnen gelungen, im Maximiliansmuseum eine überaus sehenswerte Schau zusammenzustellen, die unterschiedliche Facetten des Verhältnisses von Kaiser Maximilian zu Augsburg lebendig werden lässt.

Wenn die Rede auf Kaiser Maximilian und Augsburg kommt, dann wird als erstes die Tatsache erwähnt, dass er in keiner anderen Stadt des Reichs nach Innsbruck mehr Zeit verbracht habe als in der Reichsstadt am Lech, insgesamt über zwei Jahre und 10 Monate. Er erwarb hier, wie eine Urkunde als Exponat belegt, sogar ein Haus, sodass er in der Tat zum „Bürger zu Augsburg“ wurde, wie es im Untertitel der Ausstellung heißt. Ein erheblicher Teil der Schau widmet sich daher seinen Aufenthalten in der Stadt und den Beziehungen zu Vertretern der führenden Gesellschaftsschichten, die im Bild vorgestellt werden. Urbanes und höfisches Leben gehen ineinander über, Bankette, Bälle, Maskeraden, Turniere und Schützenfeste werden mit kostbaren Tafelbestecken, Harnischen sowie gemalten und gezeichneten Darstellungen veranschaulicht.

Bildnachweis: Handschuhe Kaiser Maximilians I, Lorenz Helmschmid, Augsburg um 1485. C: KHM Museumsverband Wien, Hofjagd- und Rüstkammer, Inv. Nr. A 58

Großen Raum in der Ausstellung nimmt Augsburgs Anteil an der Kunst der Maximilianszeit ein. Ein überragender Stellenwert kommt dabei der Arbeit an seinem Ruhm- und Gedächtniswerk zu, das er wie kein anderer deutscher Herrscher vor ihm als Propagandist seiner selbst und seines Geschlechts mit zahlreicheno  Aufträgen an Gelehrte, Maler, Bildhauer, Holzschneider und Drucker voranzutreiben suchte. In der Basilika St. Ulrich und Afra sollte sogar ein Reiterstandbild des „letzten Ritters“ aufgestellt werden, das aber unvollendet blieb und von dem nur noch eine, die Umschlagvorderseite des Katalogs zierende, eindrucksvolle Federzeichnung Hans Burgkmairs d. Ä. als Entwurf zeugt.

Der Staatsmann, Politiker und Feldherr Maximilian tritt neben dem Bürger und Auftraggeber für Künstler sowie Organisator seines Nachruhms in der Ausstellung etwas zurück. Konrad Peutinger ist in ihr deshalb präsenter als Jakob Fugger, auch wenn die berühmte Wahlkostenrechnung für die Wahl Karls V. gleich zu Beginn gezeigt wird und mit detailreichen farbigen Federzeichnungen ein Eindruck vom Tiroler Bergbau vermittelt wird. Wichtige, die europäische Geschichte prägenden Ereignisse werden durchaus vor Augen geführt, wie etwa die burgundische Hochzeit mit einer zarten Zeichnung des jungen Brautpaars Maximilian und Maria von Burgund.

Eine ungefähre Vorstellung von der historischen Bedeutung des Kaisers, seiner Stellung in der europäischen Geschichte setzt die Ausstellung aber voraus. Es ist nicht ihr Ziel, ein rundes Bild von der Herrschergestalt in der Auseinandersetzung mit anderen Mächten und Kräften zu vermitteln. Auch der Katalog enthält keine noch so knappe Gesamtdarstellung des Kaisers, eine kurze Übersicht über einige wichtige Daten auf einer Tafel am Anfang der Ausstellung muss hier genügen.

Folgerichtig verzichtet die Ausstellung auf eine chronologische Anordnung der Exponate. Sie setzt vielmehr mit dem Tod des Kaisers ein, was dem Anlass des 500. Todestags geschuldet ist. Das erlaubt einen Paukenschlag zu Beginn mit einem der eindrucksvollsten Stücke überhaupt, dem großen Totenbildnis des Kaisers. Dafür reißt die Ausstellung aber Zusammengehörendes weit auseinander, verteilt es durch die schwierigen räumlichen Verhältnisse für Sonderausstellungen im Maximilianmuseum sogar auf weit auseinanderliegende Stockwerke. Denn die unmittelbarste Beziehung zu Augsburg nach dem Tod des Kaisers am 12. Januar 1519 in Wels besteht darin, dass bei den Feierlichkeiten am darauffolgenden Sonntag der Prior des Augsburger Dominikanerkirche, Dr. Johann Faber, die Leichenpredigt auf Maximilian hielt. Zu bedauern ist übrigens, dass das schöne, von Holbein d. Ä. gezeichnete Portrait dieser dem Kaiser so nahestehenden Persönlichkeit in der Ausstellung nicht gezeigt wird.

Diese Leichenrede Fabers wurde gedruckt, sie ist allerdings nicht in der Nähe des Totenbildnis ausgestellt, sondern zusammen mit den Werken zum Ruhm und Gedächtnis des Kaisers. Der Druck enthält nämlich Abbildungen des einzigen Denkmals für Maximilian, das zu seinen Lebzeiten vollendet wurde und sich noch am ursprünglichen Ort befindet: die Gedenksteine für Maximilian und seinen Sohn Philipp in der ehemaligen Augsburger Dominikanerkirche St. Magdalena, die „Fier Gulden Stain“, zu denen noch Epitaphe für seine Enkel Ferdinand und Karl gehören. Der Ausstellungskatalog enthält prachtvolle ganzseitige Abbildungen dieser vier Gedächtnistafeln.

Dass diese Kirche, deren Errichtung in den Jahren 1513 bis 1515 der Kaiser gefördert hat und zu deren Erbauer er in enger Beziehung stand, mit diesem Denkmal im Maximilianjahr als Baustelle nicht zugänglich ist, erscheint unverzeihlich. Eigentlich hätte die Kaiser Maximilian und Augsburg gewidmete Schau in dieser so lange als Ausstellungsort genutzten Kirche stattfinden müssen. So kann jedem Geschichtsfreund nur empfohlen werden, noch die Ausstellung im Maximilianmuseum zu besuchen und sich den gewichtigen und profunden Katalog zu besorgen, dort kann er auch Abbildungen der geplanten und vollendeten Denkmäler für den Kaiser bewundern, der wie kein anderer den Augsburgern ans Herz gewachsen ist.



Kommentar

Löw ist nicht mehr zu ertragen

Anmerkungen zum Bundestrainer

Kommentar von Siegfried Zagler

Sang- und klanglos schied die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2018 nach dem letzten Gruppenspiel gegen Südkorea aus – als Gruppenletzter. Das hatte zwar eine historische Negativ-Dimension, war aber leicht zu verschmerzen. Nur in den ersten 10 Minuten des Schweden-Spiels blitzte das ganze Vermögen einer der besten Mannschaften des Turniers auf. Eine Mannschaft, die alles hatte, was den Fußballsport anziehend macht und nichts davon zeigte.

Wenn eine hochbegabte und hochgehandelte Mannschaft drei Mal in Folge dergestalt blutleer und strukturlos auftritt, wie in den  Gruppenspielen der Russland-WM, dann ist ihr Ausscheiden eine Erlösung, ja beinahe ein Genuss. Ein Desaster, das unmissverständlich deutlich ein Trainerproblem freilegte.

Es mag zutreffen, dass die goldene Generation um Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil, die 2009 die U21-Europameisterschaft gewann – und zu der noch Thomas Müller und Toni Kroos hinzustießen, als Gerüst der Nationalmannschaft nicht mehr taugt. Und es mag zutreffen, dass die Abgänge von Sebastian Schweinsteiger und Philipp Lahm schwerer wiegen als angenommen. Doch das Problem des DFB-Flaggschiffs ist nicht der Mangel an erstklassigen Spielern, sondern die schwache sportliche Führung. Seit Beginn der Ära Löw wird das zu den besten philharmonischen Orchestern der Welt zählende DfB-Orchester von einem Bierzelt-Dirigat geleitet. Übersetzt in die Fußballwelt soll dieser Vergleich unterstreichen, dass immer dann, wenn die deutsche Nationalmannschaft einen guten Trainer gebraucht hätte, eben keiner da war.

Bei der WM 2018 fiel das besonders auf. Bereits beim ersten Spiel gegen Mexiko war leicht zu erkennen, dass das Ergebnis nicht durch einen unglücklichen Spielverlauf oder wegen mangelnder sportlicher Qualität zustande kam, sondern durch die Summe von verhängnisvollen Trainerfehlern, die mit der Kaderzusammenstellung begannen, bei den Mannschaftsaufstellungen weitergingen und bei den taktischen Ausrichtungen und Matchplänen aufhören. Und Löw hat zusammen mit Bierhoff und der DfB-Spitze die Tiefe des von Ilkay Gündogan und Mesut Özil verursachten Erdogan-Skandals verkannt und mit dem nicht sanktionierten politischen Handeln der beiden die Mannschaft belastet. Löw hat mit seinem Gerede („die Mexikaner pressen teilweise mit acht Mann“) vor dem Auftaktspiel den Mexikanern die Marschroute quasi vorgeschlagen und es schließlich eine Halbzeit nicht bemerkt, dass sie nicht pressten, sondern tief standen und Kross mit Manndeckung aus dem Spiel nahmen.

Weder gegen die  Schweden noch gegen die nicht weniger limitierten Südkoreaner gab es einen funktionierenden Matchplan. In keinem Spiel war durchgängig eine taktische Ausrichtung, ein Spielsystem zu erkennen, in jedem Spiel fehlte Disziplin und Leidenschaft. Ein Achtelfinale mit deutscher Beteiligung wäre ein Sieg der Peinlichkeit gewesen. Jogi Löw war mit der Performance „seiner Mannschaft“, die sich auf beschämende Art und Weise nicht als „unsere Mannschaft“ präsentierte, in Russland an seiner Selbstgefälligkeit gescheitert. Eine Löw-Eigenschaft, die sich seit Beginn seiner Amtszeit mit biederem Fußballverständnis paart und somit die deutsche Nationalmannschaft in ein skurilles Licht rückt.

Nichts Neues übrigens: Derwall, Beckenbauer, Vogts, Ribbeck, Völler, Klinsmann waren Löws Vorgänger und ebenfalls Bundestrainer mit nicht vorhandenen Eignungsprofilen. Doch keiner von ihnen hat eine WM dergestalt peinlich vergeigt wie Löw. Das Ausscheiden bei der WM in Russland kann man nicht ungeschehen machen. Es wäre klug gewesen, hätte Löw anschließend seinen Abgang selbst gestaltet. Doch im Zusammenspiel mit dem damaligen Skandalpräsidenten Grindel, Sportdirektor Bierhoff und der deutschen Fußballpresse erfand Joachim Löw eine Job-Erhaltungslegende, nämlich die Legende von einem nötigen Umbruch, der nun von ihm selbst gestaltet werden müsse. Schließlich wurde Löws Vertrag von Grindel vor der WM noch flugs verlängert – bis 2022.

Bei einer Nationalmannschaft muss ein Trainerstab einen Umbruch nur dann gestalten, wenn eine größere Zahl von jüngeren Spielern mit gleichem Leistungsvermögen langfristig nicht zum Zuge kommt, weil die älteren und verdienten Spieler die Plätze blockieren. Da dieses Szenario unwahrscheinlich ist, gilt der Satz, dass in einer Nationalmannschaft jeweils die besten Spieler eines Landes spielen. Darauf verzichtet Löw, indem er wegen der „Umbruchlegende“ drei Spieler kategorisch aussortierte, die lange Jahre das Gerüst der Mannschaft bildeten und sich im besten Fußballalter befinden.

Diese irrwitzige Maßnahme hatte überraschenderweise die Autorität des in der Kritik stehenden Bundestrainer gestärkt und (weniger überraschend) die deutsche Nationalmannschaft geschwächt, wie man in den beiden letzten Spielen zur Euro-Qualifikation unschwer erkennen konnte. Und nun? Wie reagierte Löw auf das teilweise hilflose Gekicke? Man müsse bitte Geduld aufbringen, die Mannschaft sei noch jung. Inzwischen reichts sogar den Kollegen von der Augsburger Allgemeinen, die Löws notwendigen Rücktritt mit der Kaderzusammenstellung für die WM 18 begründeten. Und langsam sollte auch das Publikum reagieren – und möglicherweise sogar der DFB: Joachim Löw ist nicht mehr zu ertragen.



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