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Aktion “Straßenklavier” wird um einen Tag verlängert – Ärger in der City Galerie

„Play me, I’m Yours“, soll einen weiteren Tag Flaneure und Passanten mit spontanen musikalischen Vorträgen im öffentlichen Raum beglücken. “Musik wird nicht von jederman als angenehm empfunden, denn stets ist sie mit Geräusch verbunden.” Dieses Wilhelm Busch-Zitat gilt für das Oktopus-Klavier in der City Galerie.



Die Straßenklavier-Aktion mit zehn öffentlich zugänglichen Pianos wird bis Sonntag, den 28. Mai, in Augsburg aufgrund der guten Wettervorhersage und der positiven Resonanz verlängert. Bis Sonntag ist also weiterhin “jeder eingeladen, an insgesamt zehn Streetpianos im Stadtgebiet Platz zu nehmen und zu musizieren, oder einfach nur die besondere Atmosphäre auf Augsburgs Plätzen zu genießen”, wie es in einer städtischen Pressemitteilung heißt. „Die Aktion hat all unsere Erwartungen übertroffen. Deswegen bemühen wir uns, in enger Zusammenarbeit mit Augsburg Marketing um eine Wiederholung der Aktion im nächsten Jahr“, so Bürgermeisterin und Schirmherrin Eva Weber. Die eigens für „Play Me, I’m Yours Augsburg“ gestalteten Klaviere verlassen am Montag, 29. Mai, ihre Standplätze. Zum Teil werden sie Einrichtungen wie beispielsweise dem Bürgertreff Hochzoll zur Verfügung gestellt. „Das ein oder andere Klavier soll bei Veranstaltungen wie zum Beispiel den Sommernächten wieder zum Einsatz kommen“, so Ekkehard Schmölz, Leiter von Augsburg Marketing.

Weniger begeistert als die Selbstreferenz-Experten der Stadt sind allerdings die Dauerbetroffenen der umliegenden Geschäfte, die stundenlang das tägliche Geklimper in der City Galerie (öffentlicher Raum?) ertragen müssen. Eine Blitz-Recherche der DAZ förderte zutage, dass sich weder die Kundschaft des Eis-Ladens noch deren Angestellte sowie die VerkäuferInnen des Schreibwarenladens und der “Nordsee-Bude” von der dauerhauften Geräuschkulisse der Piano-Musik unterhalten fühlen: Der Stressfaktor sei kaum auszuhalten und für das Geschäft sei es ebenfalls abträglich, so die Befragten, die sich von dem Szenario mehr als “genervt” zeigten.

Foto: Oktopus-Klavier in der City Galerie (c) DAZ



Mozartfest: Zum ersten Mal Mozart und „Wohin? Wo soll ich hin?“

Die „Spurensuche“ setzt sich fort und zum ersten Mal ist auch Mozart angekommen – im Deutschen Mozartfest zu Augsburg: “Wohin? Wo soll ich hin?” Als hätte Ino in der Telemann’schen Flucht-Kantate mit dem Klippensprung Mozart an der Hand in den himmlischen Jubel des Mozartfestes geführt.

Von Andrea Huber

Mozartfest im Kleinen Goldenen Saal: La Stagione Frankfurt unter Michael Schneider, mit Nuria Rial (Soproan). Foto (c) DAZ

Mozartfest im Kleinen Goldenen Saal: La Stagione Frankfurt unter Michael Schneider, mit Nuria Rial (Soproan). Foto (c) DAZ


So abrupt Georg Philipp Telemann in seiner dramatischen Kantate „Wohin, wo soll ich hin?“ mit dem Text seines Lieblingsdichters Carl Wilhelm Ramler gleich mit den ersten Tönen die Schwester von Zeus’ Geliebter von der Klippe springen ließ, so jugendlich und kaum je moderner kommt seine unkonventionelle Musik daher. Die Vielschichtigkeit in Telemanns musikalischem Schaffen erreicht hier – in seinem 84. Lebensjahr – einen Höhepunkt.

Deutsche Kontrapunktik, italienische Melodramatik, französische Rhetorik – all das galt es zu verwirklichen. Nuria Rial (Sopran) gelang die Partie der Ino am vergangenen Sonntagabend, 21. Mai 2017, 19.30 Uhr im nicht ganz ausverkauften Kleinen Goldenen Saal mit Leichtigkeit. Trotz großer Dramatik und ausschweifender Koloraturen in der Musik wirkte sie unangestrengt und intonierte rein und natürlich strahlend. Schade nur, dass sie meist dem wohlgeformten Ton vor der Textverständlichkeit den Vorzug gab und so gerade die inhaltliche Komponente der Fluchtdramatik darunter litt.

La Stagione Frankfurt, Ensemble für Alte Musik, bereitete Nuria Rial unter ihrem Leiter Michael Schneider einen Klangteppich, den es bei den Übergängen in den Rezitativen jedoch behutsam mit der Sängerin abzustimmen galt, was nicht immer in der erwarteten Homogenität gelang.

Da Telemanns Kantate so jäh mit dem dramatischen Höhepunkt beginnt, wird der Konzertabend mit seiner Ouvertüre (Suite) in D-Dur, TWV 55:D23, eingeleitet. Die neun Suitensätze, von der festlichen Ouvertüre über Menuet zur romantisch-klagenden Plainte und weiteren Tanzsätzen bis hin zur abschließenden Fanfare hätten etwas mehr Leuchtkraft und jugendlich anmutende Spielfreude gut vertragen, um mit einer differenzierten Interpretation den Zuhörer wirklich vom ersten bis zum letzten Ton mitreißen zu können. Telemanns kompositorischer Ideenreichtum jedenfalls hätte genügend Material dafür hergegeben.

Simon Pickel möchte mit dem diesjährigen Deutschen Mozartfest auch einem Bildungsauftrag  nachkommen. Wie er in der Begrüßung des Konzertes andeutete, kommt nun zum ersten Mal Wolfgang Amadeus Mozart ins Spiel. Die Sinfonie Nr. 21 (KV 134) mit ihren vier Sätzen Allegro, Andante, Menuetto, und Allegro bot das “La Stagione Frankfurt” bis auf kleine Unsauberkeiten in der zweiten Violine homogen und mit warmem Klang, bereichert von den Hörnern, die mit Flöten und Fagott einen wertvollen Bläserapparat bildeten.

Telemanns Ouvertüre in D-Dur und sein wohl letztes Werk, die dramatische Solokantate „Ino“, mit der frischen Sinfonie Nr. 21 (KV 134) des jungen Mozart in der Mitte des Konzerts zu kombinieren, ist auf jeden Fall ein spannender Gedanke.

Das Konzertpublikum dankte mit langanhaltendem Applaus.