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Bert Brecht im Bücherbus – Sternstunden der kulturellen Bildung

Noch bevor das erste Brechtfestival unter Leitung von Patrick Wengenroth zu Ende geht, steht fest, dass die ganz kleinen Festivalbesucher die großen Gewinner waren. Anstatt die Schulbank zu drücken, durften sechs Schulklassen aus den Stadtteil-Grundschulen Hochzoll, Herrenbach, Hammerschmiede, Hochfeld und Centerville in den Brecht-Bücherbus einsteigen und bekamen in der Bibliothek auf Rädern ein Programm geboten, das sie Bert Brecht nicht nur entdecken, sondern auch ins Herz schließen ließ.

Von Udo Legner

(c) brechtfestival

(c) brechtfestival


Das Rezept für diese Sternstunden der kulturellen Bildung im Rahmen des diesjährigen Brechtfestivals ist so einleuchtend wie naheliegend. Als Zutaten nehme man möglichst Theaterprofis, die sich der Brechtpflege (nicht nur zu Festivalzeiten) schon lange verschrieben haben und dazu eine Grafikerin, die es schon öfter geschafft hat, Produktionen des Brechtfestivals („Reise ins Exil“, Inszenierung der Bluespots Production 2015) oder den Aktivitäten des Bert Brecht-Kreises (aktueller Schulwettbewerb  „Erste Liebe“)  durch das Design ihrer Flyer und Plakate eine besonders „brechtige“ Note zu geben. Die Rede ist hier natürlich von den beiden Akteuren des Faks Theaters, Karla Andrä und Josef Holzhauser sowie der Illustratorin Nontira Kigle. Dieses Trio machte sich bereits im Herbst daran, witzige Lehrgedichte, lustige und nachdenkliche Texte auszuwählen und so zu arrangieren und zu gestalten, dass die wichtigen Themen und Stationen des Augsburger Stückeschreibers spannend, poetisch und kindgerecht als mobiles Kinderprogramm vermittelt werden konnten.

Großes Kino im mobilen Kinderprogramm

Wie in „Onkel Ede hat einen Schnurrbart“, dem Brecht Kinderstück des Fakstheaters, wurden die Texte in der Vertonung von Josef Holzhauser auf die kleine Bücherbus-Bühne gebracht und Karla Andrä ließ mit Hilfe der acht projizierten Comicgrafiken von Nontira Kigle die Person Bert Brecht für die Schulkinder lebendig werden. Fast wie im Kino kamen sich die Schulkinder vor, denen Bert Brecht vorgeführt wurde, wie er in den Bücherbus einsteigt oder wie er auf dem Plärrer auf dem Karussell durch die Luft saust. Als Kontrast hierzu wirkten die Texte und Comics, die Bert Brecht auf der Flucht zeigten oder wie er nach seiner Rückkehr aus dem Exil vor den Trümmern seiner Heimatstadt stand.

Das Projekt „Bert Brecht im Bücherbus “ wurde in Kooperation mit der Stadtbücherei Augsburg und dem Förderprogramm SchulePlus der Fachstelle Schulentwicklung und Bildung realisiert. Bleibt zu wünschen, dass der Bücherbus auch nach Ende des Festivals weiter durch die Brechtstadt tourt (erste Anfragen Augsburger Schulen liegen bereits vor) und so dem Brechtfestival und dem Augsburger Stadttheater auf lange Sicht neue Zuschauer zuführt.





FCA: Peter Bircks hört auf

Dem FC Augsburg steht in der Geschäftsführung ein gravierender Wechsel ins Haus. Peter Bircks, aktuell Geschäftsführer für den Bereich Marketing, wird seinen auslaufenden Vertrag auf eigenen Wunsch nicht verlängern und in den Aufsichtsrat der FC Augsburg 1907 GmbH & Co.KGaA wechseln.

FCA-Umbruch in Vollzug: Ex-Präsident Walther Seinsch (links) und Geschäftsführer Peter Bircks, der sich nach dieser Saison aus dem operativen Bereich zurückzieht

FCA-Umbruch in Vollzug: Ex-Präsident Walther Seinsch (links) und Geschäftsführer Peter Bircks, der sich nach dieser Saison aus dem operativen Bereich zurückzieht


„Peter Bircks war vor seiner Tätigkeit als Geschäftsführer schon Jahrzehnte ehrenamtlich im Verein tätig und hat sich sehr um unseren FCA verdient gemacht. Dafür gilt ihm unser großer Dank“, sagt FCA-Präsident Klaus Hofmann. „Wir freuen uns, dass er nun ebenfalls auf ehrenamtlicher Basis im Aufsichtsrat der KGaA sein Engagement einbringt und so für eine noch bessere Vernetzung zwischen KG und eV sorgen wird.“ „Ich habe in der operativen Geschäftsführung fünf spannende Jahre erlebt, in der wir große Erfolge gefeiert haben. Auf Anraten meiner Ärzte und in Anbetracht der Tatsache, dass ich heuer 65 Jahre alt werde, sehe ich es als idealen Zeitpunkt an, die Stabübergabe zu vollziehen“, begründet Peter Bircks den Schritt.

Als neuen Geschäftsführer konnte der FCA Robert Schraml ab dem 1. Juli 2017 gewinnen, der nach fast 15 Jahren als Geschäftsführer der Stiegl-Brauerei in Salzburg aussteigt, um sich der neuen Herausforderung beim FCA zu stellen. Beim FCA wird der 51-Jährige Schraml die Bereiche Marketing und Vertrieb verantworten. „Mit Robert Schraml gewinnen wir einen absoluten Fachmann für den FCA, der mit viel Leidenschaft und Engagement unseren FCA voranbringen möchte. Ich bin überzeugt, dass wir mit ihm, Stefan Reuter und Michael Ströll in der Geschäftsführung sehr gut aufgestellt sind und die Verantwortungsbereiche optimal aufgeteilt haben“, so FCA-Präsident Klaus Hofmann.

„Ich empfinde die Arbeit bei einem ambitionierten Fußballverein als sehr spannend und reizvoll. Daher habe ich mich für den Wechsel entschieden, weil ich mich dieser neuen Aufgabe gerne stelle“, so Schraml.



Hits für Spießer: Unterhaltsames zur Dreigroschenoper in Königsbrunn

Seit fünf Jahren schon ist Königsbrunn eine „Depandance“ des Brechtfestivals. Diesmal sprach der Musikwissenschaftler und Brechtforscher Joachim Lucchesi über die Lieder der Dreigroschenoper, unterstützt von Iris Marie Kotzian (Sopran) und Stefanie Knauer (Klavier).

Von Halrun Reinholz

Iris Marie Kotzian (l) und Prof- Joachim Lucchesi. (c) Reinholz

Brecht ist natürlich nicht nur für Literaturwissenschaftler interessant. Seine Texte sind auch vielfach vertont worden, zunächst natürlich von ihm selbst, als er sie „zur Klampfe“ zum Besten gab. Das bekannteste Bühnenwerk Brechts ist die Dreigroschenoper mit Musik von Kurt Weill. Dieses Werk stand im Fokus des rührigen Professors Joachim Lucchesi, der in seinem Vortrag anlässlich des Brechtfestivals dem Publikum unterhaltsame Interna über dieses Werk verriet. Gibt es, so stellte sich die Frage, über Brechts populärstes Werk noch offene Fragen?

Lucchesi hat da einiges gefunden. Zum Beispiel die Ursprungsfassung der Dreigroschenoper (von ihm auch editiert), die später immer wieder verändert und angepasst wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Brecht unter dem Eindruck seiner Erfahrungen die Texte komplett umgearbeitet und ergänzt. Doch diese Fassung hat sich in der Nachkriegszeit nicht durchgesetzt. Nach der Premiere im Jahr 1928 in Berlin wurde die Dreigroschenoper schnell  zum Publikumsrenner, nicht zuletzt wegen der eingängigen Songs. Kurt Weill komponierte daraus eine Suite, die Melodien waren Ohrwürmer und Hits der Zeit und wurden etwa im legendären Hotel Adlon als Tanzmusik gespielt. Das war nicht zuletzt das Ergebnis einer cleveren Marketingstrategie von Brecht und Weill, die sich die modernen Medien, damals die Schallplatte, zunutze machten.

Hintergründig und mit Humor präsentierte der Musikwissenschaftler Lucchesi sein Wissen. Die trockenen Fakten fanden eine unterhaltsame Illustration durch die beiden hervorragend agierenden Musikerinnen Iris Marie Kotzian (Sopran) und Stefanie Knauer (Klavier), die den Vortrag empathisch begleiteten. Auf den Mackie Messer Song musste das Publikum allerdings bis zum Schluss warten, stattdessen machte es Bekanntschaft mit dem (aus der Urfassung gestrichenen) Lucy-Song und anderen Schmankerln, die nicht zum bekannten Kanon gehören. Nicht ohne Hintersinn stellte Lucchesi selbst das Publikum auf die Probe, indem er etwa die Strophe mit dem Vers „liegt ein toter Mann am Strand“ vorsingen ließ. Die meisten Menschen seien der Meinung, das Wort „Strand“ werde nur „englisch“ ausgesprochen, weil es sich auf „nennt“ reimen soll. Doch der „Strand“ ist bis heute eine der wichtigsten Finanzstraßen Londons. Darauf seien auch Übersetzer hereingefallen, die das Tötungsdelikt an einen vermeintlichen Strand an der Themse gelegt hätten. Großer Aha-Effekt. Fazit: Ein kurzweiliger musikalischer Abend im beachtlich opulenten Königsbrunner Infopavillion, wo übrigens auch die Dioramen zur berühmten Schlacht auf dem Lechfeld untergebracht sind.