DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Donnerstag, 18.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Zwischen Sarkasmus und Kassandra

Brechtfestival: neue politische Lyrik im Café Viktor

Von Frank Heindl

Stan Lafleur (Foto: Kirsten Bohlig)

Stan Lafleur (Foto: Kirsten Bohlig)


Spannend, nachdenklich, lustig und gar nicht aggressiv – so präsentierten sich vier Lyriker der Gegenwart am Mittwochabend im „Café Viktor“ im Bismarckviertel. Vier Protagonisten der politischen Lyrik – im Rahmen des Brechtfestivals sollten sie aufzeigen, wie man heutzutage politisch ist, wenn man Dichter ist. Die Augsburger Lyrikerin Lydia Daher präsentierte in bekannt schnodderiger Weise vor leider nicht sehr viel Publikum als ersten den Kölner Stan Lafleur, der sich selbst nicht allzu ernst nahm und gleich mal ganz brechtisch die eigene Erzählhaltung reflektierte: „Das soll Nachdenklichkeit vermitteln, was ich hier tue“. Schwer atmend und Weizenbier trinkend arbeitete sich der 42jährige durch seine Werke, verschonte das Publikum vor seinen Kampfhundgedichten und widmete sich stattdessen der Frage, was denn am Fußball politisch sei. Nach dem Spiel sieht er „überall auf den Straßen ausgespuckte Kaugummis, an denen noch Kommentare kleben“ und bei einem seiner „Blicke in den Himmel“ registriert er: „Überall Kameras, überall dieser lustvolle Umgang mit der Unterhaltungsindustrie.“ Bei Lafleur findet sich das Politische oftmals im Sarkastischen – beinahe unmerklich begleitet von eindrücklicher Rhythmisierung, manchmal und wie aus Versehen kommt ihm sogar ein kleiner, verschränkter Reim unter, kunstvoll versteckt und formvollendet unvollständig.

„Es muss ein Kuckuck durch Deutschland gehen“

Tom Schulz

Tom Schulz


Der gebürtige Ostdeutsche Tom Schulz lebt seit drei Jahren in Augsburg und hat unter anderem eine Anthologie politischer Gedichte herausgegeben. Auch seine politischen Gedichte nähern sich ihren Themen mit der Skepsis der Ironie, des Sarkasmus, der Parodie. „Abends im Lidl steht die Arbeiterklasse an“ heißt es beispielsweise, und Ex-Bundespräsident Roman Herzog darf sich in der Zeile „es muss ein Kuckuck durch Deutschland gehen“ wiederfinden – der „Ruck“, der hier ausgespart wurde, landet im Märchen: „Ruckedigu, Blut ist im Schuh“. „Ich suche Worte zur Wundversorgung“, heißt es in einem Gedicht – das könnte man programmatisch auffassen: Brechtsche Klassenkampflyrik kann man heute nicht mehr machen, beklagt stattdessen die eigenen Wunden und die der anderen, ohne noch Lösungen präsentieren zu wollen. Und verehrt doch jene, die Stellungnahmen wagten. Thomas Brasch etwa kommt in einem Gedicht von Schulz vor als der Dichter mit „stets Handgranaten im letzten Satz“.

Abgesang ans dichterische Pathos

Björn Kuhligk

Björn Kuhligk


Danach ist Björn Kuhligk dran. Auch er hat gelernt, Texten zu misstrauen – sogar den eigenen. Zum Beispiel wenn er über „zwei tote Katzen, die im Graben liegen“ handelt. „Das ist gelogen“, heißt der nächste Satz, ein knallharter Abgesang an das dichterische Pathos, das so gern Partei ergreifen möchte für die geschundene Kreatur. Auch bei ihm viel Sarkasmus, viel Ekel vor der Welt, in der man die Würmer der Verwesung unter der Straßendecke wühlen hört und in der doch alle Fragen unbeantwortet bleiben. Was haben wir dem Untergang denn entgegenzusetzen? „Ja, was?“, fragt das Gedicht zurück. Das wäre Resignation, wenn es nicht so ätzend, so angriffslustig, so scharf daherkäme.

Monika Rinck (Foto: Ute Rinck)

Monika Rinck

(Foto: Ute Rinck)


Monika Rinck ist von diesen vier Dichtern am weitesten weg von politisch „verwertbarer“ Aussage. Sie erklärt erst mal, dass dem Begriff Kapitalismus etymologisch der Schafskopf zugrunde liegt – und damit scheint schon das meiste gesagt. Monika Rinck liest an diesem Abend am konzentriertesten, am ausdrucksstärksten, am nuanciertesten, wirkt am kleinen Tischchen mit der runden Lampe zeitweise wie eine Wahrsagerin, wie Kassandra. Und ihre Texte sind die am meisten verdichteten, am meisten verschlüsselten des Abends. Sie geht auch am radikalsten mit der Aufgabe um, die das Festival den Autoren gestellt hatte: Sie sollten sich dichterisch mit Brechts Hollywood-Elegien auseinandersetzen. Rincks Antwort ist ein wiederholt skandiertes „stop watching those movies!“ – hört auf, euch diese Filme anzusehen!

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Verkauf des Alten Stadtbades kann 1,8 Millionen kosten

Die Arbeit des Stadtkämmerers hat die Grüne Landtagsabgeordnete Christine Kamm mit einer Anfrage an das Bayerische Finanzministerium erledigt. Seit gestern ist geklärt, ob und wieviel frühere Landeszuschüsse bei einem Verkauf des Alten Stadtbades zurückbezahlt werden müssten. 1,5 Millionen Euro hatte die Stadt aus Mitteln des kommunalen Finanzausgleichs und weitere vier Millionen aus Mitteln der Städtebauförderung vor knapp zehn Jahren als Zuschuss zur Sanierung des Bades erhalten. An die Zuschüsse waren Bedingungen [...]

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Die längste Filmrolle der Welt

77 Stunden lang Brecht nonstop im Thalia Von Frank Heindl Schon am Donnerstagabend ging's los – aber es dauert noch lange: Die Organisatoren des Brechtfestivals haben mit den Betreibern des Augsburger Filmbüros und des Thalia-Kinos die „längste Filmrolle der Welt zu einem Autor“ zusammengestellt. Es geht nonstop weiter bis Sonntag gegen 23 Uhr! Hier die Highlights, den Rest des Programms gibt’s auf der „Lechflimmern“-Website zum Nachlesen und Downloaden: „Sein oder Nichtsein“. Der Ernst-Lubitsch-Klassiker [...]

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Was will Pro Augsburg

Pro Augsburg ist als Bürgerverein gegründet. Es ist also keine politische Partei, sondern organisiert und finanziert sich ausschließlich durch seine Mitglieder. In der Satzung steht: "Zweck des Vereins ist die weitere gesellschaftspolitische Entwicklung der Stadt Augsburg und die Entwicklung eines Konzepts für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zukunft der Region Augsburg." Rechtzeitig in dieser Krise hat Pro Augsburg gefordert, die städtischen Finanzen auf die anstehenden Investitionen zu konzentrieren. Ebenso wichtig ist [...]

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Bürgerbeteiligung: Ideenwerkstatt für Lechhausen

Gemeinsam mit den Bürgern von Lechhausen sollen in diesem Jahr die Schwerpunkte eines Entwicklungskonzepts für einen attraktiven und lebenswerten Stadtteil erarbeitet werden. Als Orte der Identifikation und Kristallisationspunkte für ein aktives Alltagsleben stehen bei diesem Projekt die Zentren im Stadtteil im Planungsfokus. „Wenn es gelingt, diese Zentren als Plätze für Wirtschaft und Kultur, als Orte […]

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Andreas Thiel als Geschäftsführer der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH bestätigt

Die Gesellschafterversammlung der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH hat Andreas Thiel erneut zum Geschäftsführer bestellt. Er bleibt weiterhin für den Bereich Regionalmarketing und Regionalmanagement im Wirtschaftsraum Augsburg verantwortlich. Andreas Thiel war bereits Gründungsgeschäftsführer der Gesellschaft, die am 1. Juli 2009 ihre Tätigkeit aufgenommen hat. Ihr gehören neben der Stadt Augsburg die beiden Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg […]

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Kultur säuft ab – wir gehen baden

Kultur säuft ab –
wir gehen baden

Kunstförderpreis gestrichen, Ausstellungen abgespeckt, das Theater kracht bald zusammen und das Stadtbad macht sicher dicht.
Dr. Frank Mardaus, kulturpolitischer Sprecher der SPD und einer der aktivsten Kunstschaffenden in Augsburg, geißelt die aktuelle Kulturpolitik und fordert die Kulturszene zu Solidarität auf.

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Detailreich aus der Distanz

Brechtfestival: Regine Lutz über die Schauspielerei mit Brecht Von Frank Heindl „Er war nicht der wichtigste Mensch in meinem Leben, aber der wichtigste in meinem Beruf und in meiner Arbeit“. Die 82jährige Schauspielerin Regine Lutz erinnert sich detailreich und genau an den Mann, der ihr die Schauspielerei beigebracht und sie zum Star gemacht hat – […]

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Geld nur bei „Gefahr im Verzug“

Kulturausschuss: fürs Theater tut sich vorerst nichts Von Frank Heindl Dass es aus der Kulturausschuss-Sitzung vom Montag über das Stadttheater nichts wesentlich Neues zu berichten gibt, ist Anlass zur Sorge genug. War man nicht vor einigen Wochen voller Elan aufgebrochen mit dem Gedanken, nun zunächst mal einen Container aufzustellen und anschließend alles anzugehen, was das […]

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Wildpferde und Rothirsche im Stadtwald

Seit Juni 2007 weiden auf 30 ha Kiefernwald-Heiden im Stadtwald Przewalskipferde und Rothirsche im Rahmen eines Pilotprojekts des Landschaftspflegeverbands Stadt Augsburg e.V. zu Erprobung alternativer Pflegekonzepte. Der Verband erstattete am Montag einen Zwischenbericht. Die Kiefernwald-Heiden im Stadtwald sind etwas Besonderes. Denn das Mosaik aus offenem Kiefernwald und Heide ist der ursprüngliche Vegetationstyp am bayerischen Lech. […]

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Ku.spo 09: Das letzte Gefecht

Von Siegfried Zagler In der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses wurde noch einmal leidenschaftlich über das umstrittene ku.spo-Projekt der Stadt Augsburg gestritten, ohne dass jemand etwas Neues zu der Angelegenheit hinzufügen konnte. Peter Grab verteidigte erneut seine These, dass ku.spo bis auf wenige Abstriche aufgrund des Publikumzuspruchs erfolgreich war und das Pilotprojekt von der Opposition und […]

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Der 11. September 2001: Ein Wendepunkt der Weltgeschichte?

Der Amerika-Historiker Prof. Dr. Philipp Gassert spricht am 3. Februar zum Abschluss der Augsburger Historischen Ringvorlesung über das Attentat vom 11. September 2001 auf das New Yorker World Trade Center. „Nichts wird mehr so sein, wie es war“. Mit diesen Worten reagierten viele Menschen auf die Angriffe islamistischer Terroristen auf New York und Washington am […]

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DAZ heute

Kurznachrichten

bfg-Kaffeenachmittag zum Thema „Freier Wille und Gerichtsprozesse“



Am Mittwoch, den 17. Juni, lädt der Bund für Geistes­­­freiheit (bfg) Augsburg K.d.ö.R. wieder zu seinem traditio­­­nellen, offenen Kaffee­­nachmittag in das bfg-Zentrum in der Haunstetter Straße 112 ein. Der Nachmittag widmet sich dem Thema „Freier Wille und seine Auswirkungen auf Gerichtsprozesse“. Ab 16 Uhr sind Mitglieder sowie alle interes­­­sierten Bürge­rinnen und Bürger herzlich willkommen, in […]

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Kayak Cross in Augsburg: Funk holt Gold – Kneblova kontert mit Finalsieg



Am dritten Tag des ICF Kanu-Slalom Weltcups in Augsburg gab es erneut einen Heimsieg: Ricarda Funk gewann das Kajak-Cross-Einzel und sicherte sich damit ihren zweiten Titel des Wochen­endes. Im packenden Finale des Kajak-Cross-Heat musste sie sich jedoch der Tschechin Tereza Kneblova geschlagen geben, die zuvor nur um 0,02 Se­kunden an Funk gescheitert war. Die deutschen Männer […]

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Stadtbäume entdecken: Neue Baumtouren der Baum-Allianz Augsburg



Am 20. Juni und 4. Juli lädt die Baum-Allianz Augsburg wieder zu kosten­losen Baum­führungen ein. In kleinen Gruppen von maximal 15 Per­sonen geht es zu beson­deren Stadtbäumen in histori­schem Ambiente. Von Bruno Stubenrauch Wer schon einmal achtlos an einem jahr­hunderte­alten Baum vorbei­gelaufen ist, bekommt bei den Touren der Baum-Allianz Augsburg eine andere Per­spektive. Die nächsten beiden […]

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Kanuslalom Weltcup: Tasiadis verpasst Treppchen knapp



Beim zweiten Tag des ICF Kanu-Slalom Weltcups in Augsburg gab es für die deutschen Starter keine Medaillen. Lokal­matador Sideris Tasiadis (Kanu Schwaben Augsburg) fuhr zwar in den Vorläufen mit 97,37 Se­kunden Bestzeit, erhielt aber im Finale gleich an Tor 2 zwei Straf­sekunden und verpasste die Medaillen­ränge mit einer Zeit von 100,05 Se­kunden knapp. Das Damenfinale fand ohne deutsche […]

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Heimsieg für Ricarda Funk: Gold beim Weltcup in Augsburg



Die Augsburger Kanutin Ricarda Funk hat Gold bei ihrem Heim-Weltcup am Eiskanal gewonnen. Die Olympia­siegerin setzte sich im Finale des Kajak-Einers vor witterungs­bedingt spärlichem Publikum souverän durch. Der tschechische Starter Jakub Krejci triumphierte in der Männer­konkurrenz. Von Bruno Stubenrauch Für Ricarda Funk war es ein perfekter Auftakt: Die Tokio-Olympia­­siegerin gewann am Freitag, 12. Juni, den Kajak-Wettbewerb […]

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