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Dienstag, 07.06.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Ku.spo 09: Das letzte Gefecht

Von Siegfried Zagler

ku.spo-Webseite

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In der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses wurde noch einmal leidenschaftlich über das umstrittene ku.spo-Projekt der Stadt Augsburg gestritten, ohne dass jemand etwas Neues zu der Angelegenheit hinzufügen konnte. Peter Grab verteidigte erneut seine These, dass ku.spo bis auf wenige Abstriche aufgrund des Publikumzuspruchs erfolgreich war und das Pilotprojekt von der Opposition und den Medien schlecht geredet wurde – aufgrund von Unkenntnis bzw. Missverständnissen.

Liselotte Grose (SPD) sah darin die übliche Schönrederei des Kulturreferenten. Verena von Mutius (Grüne) beanstandete, dass ku.spo von falschen Voraussetzungen ausgegangen sei, da das Konzept, dass Sportler an die Kultur herangeführt werden müssten und Kulturmenschen an den Sport, nicht nur nicht für einen theoretischen Überbau ausreiche, sondern schlicht falsch sei.

Karl Heinz Englet (Pro Augsburg), der von ku.spo offensichtlich nichts mehr hören und sehen will, beantragte erfolglos das Ende der Debatte. Rose-Marie Kranzfelder-Poth schwieg genervt. Andreas Jäckel (CSU) vollzog den üblichen „Ku.spo-Spagat“ der CSU, da der Meister in dieser Angelegenheit, Bernd Kränzle, absent war. Ku.spo, so Jäckel, sei „ein Stück weit verbrannt“, aber das Projekt beinhalte durchaus gewisse Stärken. Karl-Heinz Schneider hielt einen außerordentlich klugen Vortrag über die Schieflage der Kulturpolitik in Bezug auf ku.spo. Das ist auch nichts Neues, Schneider kann das eben zuweilen.

Der Kulturausschuss kann zuweilen recht amüsant sein

Der Ton der Debatte war gereizt und Peter Grab las minutenlang, als er von Schneider gerügt wurde, dass er sich als Sportreferent nicht für den Erhalt des Stadtbades einsetze, aus dem DAZ-Interview vergangener Woche vor. Das Publikum grinste stumm vor sich hin, weil es eben kurios ist, wenn der Kulturreferent seine eigenen Interviews vorliest. Der Kulturausschuss kann zuweilen recht amüsant sein. Nur wenn sich Dr. med. Dimitros Tsantilas (CSU) zu Wort meldet, wird es ernst, sehr ernst: dann weht meist der große Geist der Antike oder der Aufklärung (wie es eben passt) durchs Rathaus.

"Das ist nicht normal, sondern pathologisch" - Dr. Dimitrios Tsantilas

"Das ist nicht normal, sondern pathologisch" - Dr. Dimitrios Tsantilas


Tsantilas fügt gern bedeutungsschwangere Zitate in seine Zustimmungskommentare. Das entspannt und hat die rhetorische Wirkung, dass es kaum auffällt, dass der Gefäßchirurg beredter nichts sagt als zum Beispiel sein Parteifreund Göttling, der gestern offensichtlich Bernd Kränzle vertreten durfte. Hätte Tsantilas ebenfalls geschwiegen, wäre er zwar Philosoph geblieben, aber dann hätte der Kulturausschuss nicht erfahren, wie einfach es doch sein kann, sich mit der Lebenserfahrung eines Mediziners Ärger vom Leib zu halten. Er habe sich zunächst auch über die Grünen und die Berichterstattung der Medien geärgert, doch dann habe er erkannt, dass das nicht normal, sondern „pathologisch“ sei. Da die Kritik der Grünen und die Berichte der Medien krank seien, müsse man sich darüber auch nicht aufregen, so Tsantilas. Dr. phil. Mardaus, kulturpolitischer Sprecher der SPD, hat das nun wieder so verstanden, dass man die Grünen und die Medien, aber insbesondere Frau von Mutius nicht ernst nehmen solle, sondern auf Therapie schicke müsse, was Mardaus dergestalt aufregte, der er den Scheibenwischer gab und vor der Tür mit Peter Grab über das weitere Verfahren der Debatte disputierte. Zwischenzeitlich erfuhr man von Kulturamtsleiter Thomas Weitzel, dass für das „Festival der Kulturen“ doch Mittel vorhanden seien, da durch den nicht stattfindenden Friedensfestmarathon 50.000 Euro in diesen Topf fließen können. Der Kulturausschuss ist zuweilen nicht nur amüsant, sondern auch verwirrend.

Als am Ende der Sitzung Dr. Tsantilas von Christa Stephan (SPD) die Chance bekam, seinen Fauxpas zurückzunehmen, nahm er dieses Angebot nicht an. Stattdessen richtete Theo Gandenheimer (CSU) einen eindringlichen Appell an die Medien, doch endlich angemessen über ku.spo zu berichten.

Als habe es eine politische wie mediale Verschwörung gegen das Projekt gegeben. 2010 soll ku.spo dem Vernehmen nach von einer Agentur vermarktet werden. Das klingt so, als wäre das von Verrückten in Verruf gebrachte ku.spo-Image nur noch mit professioneller Hilfe von außen zu retten.