DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Sonntag, 26.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Lärm und Balkan, Wohlklang und Banales

„Sounding D“: Augsburgs Rahmenprogramm machte die Stadt hörbar

Von Frank Heindl

Schon mal durch den Ellbogen gehört? Schon mal den Augsburger Kanälen gelauscht? Schon mal Betonmischer-Sound genossen? Wer’s versäumt hat, hat was verpasst: Am vergangenen Donnerstag war „Sounding D“ zu Gast in Augsburg, das ganztägige Rahmenprogramm bot nicht nur Freunden moderner Musik neue Klang- und Hörerlebnisse.

„Sounding D“ – das ist eine Aktion, mit der die Berliner Bundesstiftung für Kultur eines ihrer Großprojekte präsentierte: das „Netzwerk für Neue Musik“. 15 Städte erhalten aus dem Topf dieses Netzwerks über vier Jahre verteilt 400.000 Euro – darunter das Augsburger Projekt „Mehr Musik“ unter Leitung von Ute Legner und in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater. Um auf die neumusikalische Arbeit der 15 Netzwerk-Städte aufmerksam zu machen, war ein D-Zug unter dem Titel „Sounding D“ zwei Wochen lang unterwegs durch Deutschland – am gestrigen Sonntag endete die Reise in Eisenach, vier Tage vorher hatte er Station im Augsburger Hauptbahnhof gemacht: „Ein Zug mit Klangkunst“, verkündete einen Tag lang die Anzeigetafel auf Gleis 2 Nord.

Banales und Betörendes: Klangkünstler Ludger Hennig und Gefolge beim "Soundwalk"

Banales und Betörendes: Klangkünstler Ludger Hennig und Gefolge beim "Soundwalk"


Im Zug selbst gab es unter anderem Videos über die Arbeit des Netzwerks zu sehen. Wer Zeit hatte, konnte sich viele interessante Aspekte des deutschlandweiten Projekts näher anschauen – die Filme entbehrten glücklicherweise der üblichen Marketingsprache, wenngleich natürlich nur Schönes und Gelungenes gezeigt wird. Ob die Videos nach Ende der Zufahrt nun auch auf die „Sounding D“-Homepage kommen, steht noch nicht fest. Spannender wurde es im nächsten Wagen: Bläuliches Schummerlicht empfing den Besucher, noch mehr Wirkung hatte die Klanginstallation, wenn man die Augen einfach ganz schloss. Bahnhofsklänge, Kirchenglocken, Hintergrundrauschen, kreischende Bremsen, ein Gong – kam die Bahnhofsdurchsage jetzt von draußen oder gehörte sie zum Kunstwerk? Realität und Kunstsound verschmolzen zu einer durchaus beeindruckenden Melange. In Waggon Nr. 3 ging’s eher physisch zur Sache: Hier konnte man seine Ellbogen in eine Art Klangschale stützen und anschließend die Hände zu den Ohren führen: So wurde der vibrierende Unterarm zum Klangkörper, der Sounds zum Ohr transportierte – eine bemerkenswerte Erfahrung, so ganz ohne Lautsprecherbox den eigenen Körper zum Resonanzboden eines Hörexperiments zu machen, während draußen „Kayfidelity und Bataillon modern“ musikalisch den Balkan auf den Bahnsteig holten. Für manchen Sarazzinfan wohl eine eher alptraumhafte Vorstellung, in diesem Fall ein Hinweis aufs Völkerverbindende in der Musik, zu haben nur mit offenen Ohren und der Fähigkeit, Fremdes vorurteilsfrei wahrzunehmen.

Verkabelt durch den Hauptbahnhof

Schon schwieriger war dieses Unterfangen bei der Hörführung „Soundwalk“ des Computermusikers und Improvisationskünstlers Ludger Hennig. Er verkabelte acht Kopfhörer mit seinem Verstärker und gab den solcherart an ihn gefesselten Zuhörern direkt auf die Ohren, was sein ultraempfindliches Richtmikrophon auf einem Spaziergang durch den Bahnhof alles aufschnappte. Da gab es viel Belangloses, aber auch Überraschungen: Keine Musik zwar, aber die Wahrnehmung der Umgebungsgeräusche als ganz eigene Klangwelten, das Klacken eines Schaukastens, der verschlossen wird, das Ächzen und Knarzen in den Kupplungen eines stehenden Güterzuges. Wenn das Mikrophon dann in harmlose Gespräche eindrang, die gleichwohl nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, zeigte sich, dass in all dem Lärm die menschliche Sprache eine herausragende Sonderrolle einnimmt. Eben wollte man deshalb dem Klangerlebnis etwas geradezu Sakrales zugestehen, als der junge Mann im Bus, von acht unter Kopfhörern versteckten Neugierigen belauscht, beim Fahrer „eine Einzelfahrkarte bis … äh, bis … äh, Batzenhofen“ verlangte – nun ja, nicht jeder Klang ist Wohlklang, nicht jeder menschliche Satz ein Brunn der Weisheit, nicht jeden Reisenden zieht es ins Elysion.

Der Sound der Stadt: vor allem Autolärm

Augen zu, Ohren auf: "a-guide"-Chef Jürgen Kannler (links) und DAZ-Redakteur Frank Heindl beim Probehören für den Augsburger Hörspaziergang

Augen zu, Ohren auf: "a-guide"-Chef Jürgen Kannler (links) und DAZ-Redakteur Frank Heindl beim Probehören für den Augsburger Hörspaziergang


Ähnlich ging’s dem Zuhörer später beim Hörspaziergang durch Augsburg. Sicherlich ein lohnendes Experiment, sich an verschiedenen Stationen eine Maske über die Augen zu stülpen und damit das dominanteste Sinnesorgan auszuschalten und sich ganz den Klängen der Stadt hinzugeben. Nur bleibt die Stadt auf diese Weise trotzdem Stadt – und die besteht, erschreckend aber wahr, zum größten Teil aus Baustellen- und Autogeräusche. Ruhig ist es allenfalls im Fuggerschen Stadtpalast hinter dem Damenhof, andernorts gab’s zu dieser Jahreszeit nicht mal mehr ausreichend Vogelgezwitscher, um vom brausenden städtischen Höllenlärm abzulenken. Am Ende gab man seine Augenmaske gerne zurück, um sich wieder mit visuellen Eindrücken von den akustischen Dauerbelästigungen ablenken zu lassen. Auch das eine wichtige Erfahrung, aber leider kein rundum angenehmer ästhetischer Genuss. Während viele Exponenten der Neuen Musik versuchen, den dröhnenden Ansturm der Umwelt auf das Ohr in ihre Kunst zu integrieren, darf man nach diesem Erlebnis durchaus auch zum umgekehrten Schluss kommen: Dass wir als Gegenpol zum infernalischen Klang-Tohuwabohu die „schöne“ Musik nicht nur gerne hören, sondern geradezu brauchen.

Bereichernd und sinnvoll war die Idee, den Hörspaziergang mit weiteren Informationen anzureichern: Eine Stadtführerin der Regio steuerte allerhand Historisches zu Lärm und Geräusch in Augsburg bei. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit scheint es ein wenig ruhiger, aber keineswegs leise gewesen zu sein. Luther und Cajetan etwa sollen sich in den Gängen des Fuggerpalais geradezu angeschrien haben. Und im Schaezlerpalais ließ man das Eingangsportal nicht etwa mit Steinen pflastern, sondern mit Holzbohlen auslegen. Und zwar sozusagen aus verkehrstechnischen Gründen: Man dämpfte so das nervige Hufgeklapper.

» www.sounding-D.net

» www.mehrmusik-augsburg.de

„Sounding D“ endete in Augsburg mit einem Konzert im Textilmuseum. Eine Besprechung dazu lesen Sie in der DAZ vom Dienstag.

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