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Donnerstag, 23.01.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Modular-Festival: SPD setzt sich im Stadtrat durch

Der in der Kulturausschusssitzung vom 18. Oktober gefasste Beschluss, das neu konzipierte Modular-Festival drei Mal (von 2011 bis 2013) zu bewilligen, ist zehn Tage später vom Stadtrat aufgehoben worden.



Die Augsburger SPD, deren Antrag, das neu konzipierte Festival nur ein Mal (2011) zu bewilligen, um es danach einer Evaluation zu unterziehen, im Kulturausschuss noch von CSU und Pro Augsburg abgelehnt wurde, setzte sich mit genau dieser abgelehnten Position im Stadtrat durch. Das Ergebnis der Bewertung solle dann, so der SPD-Antrag, dem Stadtrat als Entscheidungsgrundlage dienen, um qualifiziert über den Fortgang des neuen Modular-Festivals in den kommenden beiden Jahren abstimmen zu können. Nach Informationen der DAZ hat Susanne Fischer (SPD) den Fraktionschef der CSU, Bernd Kränzle, darauf aufmerksam gemacht, dass die Stadtregierung in dieser Angelegenheit aufgrund der neuen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat eine Kampfabstimmung wohl verlieren würde, weshalb die CSU eingeknickt ist und dem SPD-Antrag zugestimmt hat.

„Diese Entscheidung ist für uns in keinster Weise nachvollziehbar“

Die Entscheidung des Augsburger Stadtrats, den Vertrag für das Jugendkulturfestival entgegen der Entscheidung des Kulturausschusses nur um ein, statt wie ursprünglich vorgesehen um drei Jahre zu verlängern, hat beim Stadtjugendring Augsburg für Entsetzen und für eine „Protestnote“ des Vorstandes gesorgt. „Diese Entscheidung ist für uns in keinster Weise nachvollziehbar und torpediert die Entwicklung der Jugend- und Popkultur in Augsburg. Eine nachhaltige Entwicklung im Jugend- und Popkulturbereich wird so verhindert, ebenso die Möglichkeit partizipative und kulturpädagogische Elemente langfristig und systematisch zu entwickeln. Die Politik hat mit dieser Entscheidung also genau das verhindert, was sie eigentlich immer fordert“, so Roberto Armellini, stellvertretender Vorsitzender des SJR.

„Nicht unter der Marke `Modular´ ein bisschen Alibijugendkulturfestival machen“

Linus Förster, MdL und stellvertretender Parteivorsitzender der Augsburger SPD, hält es dagegen für selbstverständlich, „dass der Stadtrat eine Überprüfung von Qualität und Zielausrichtung anmahnt, bevor er weitere Gelder in das Festival pumpt“. Ein Festival, das Förster in der neuen Form – im Gegensatz zum Stadtjugendring – nicht für eine Weiterentwicklung des Modularkonzeptes, sondern für einen Aufguss der alten X-Large-Idee hält.

Den „eigentlichen politischen Fehler sieht Förster allerdings „in der Vermischung von Modular mit dem Begleitprogramm zur Frauen-WM, den der Kulturbürgermeister Peter Grab zu verantworten hat“. Dies sei keine Bündelung von Ressourcen, sondern lege die Befürchtung nahe, dass die jugendkulturpolitische Förderung zum Zweck eines gelungenen WM-Begleitprogramms ins Hintertreffen gerate. „Wenn der Kulturbürgermeister und der SJR eine gute WM-Party wollen, dann ist das auch legitim“, so Förster, „dann sollen sie dies aber auch sagen und nicht unter der Marke `Modular´ ein bisschen Alibijugendkulturfestival machen“.