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Mittwoch, 14.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Stil-Synthesen: Jupiter und Herzog Blaubart beim großartigen Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker

Es ist nicht immer leicht, dem Programm der Sinfoniekonzerte einen „Titel“ für Plakat und Programmheft zu geben – so manche interessante Wortschöpfung konnten die Konzertbesucher im Laufe der Zeit schon erleben. Beim November-Konzert jetzt also: „Stil-Synthesen“. Gemeint ist wohl der Spannungsbogen zwischen zwei Werken, die überhaupt nichts Gemeinsames haben: Mozarts sehr bekannte und oft gehörte Jupiter-Sinfonie und die selten gespielte Oper in einem Akt von Béla Bartók „Herzog Blaubarts Burg.“ Eine „Synthese“ übrigens, die sich im Konzertsaal durchaus als reizvoll erwies.

Von Halrun Reinholz

Domonkos Héja – Foto: Archivbild

Mozarts strahlende Sinfonie Nr. 41 in C-Dur war eine vertraute und optimistisch stimmende Einwärmung in diesen – jahreszeitlich wie pandemiemäßig – düsteren Zeiten. Man merkt schon, dass viele der regelmäßigen Besucher den Sinfoniekonzerten fernbleiben. Doch die Anwesenden ließen sich von den Mozartschen Klängen und dem wie immer sehr überzeugenden Orchester unter Domonkos Héja beschwingt verführen.

Nach der Pause dann Paradigmenwechsel zu Béla Bartók, der dem Augsburger Publikum durchaus  nicht fremd ist. GMD Héja hat seinem Landsmann und erklärten Liebling unter den Komponisten bereits in zwei Konzerten Raum geboten. Nach „Der wunderbare Mandarin“ und „Der holzgeschnitzte Prinz“, beide als Handlungsballette konzipiert, durften die Augsburger Konzertbesucher nun (mit Corona-Verschiebung) die einzige Oper von Béla Bartók in szenischer Aufführung erleben. Und ein Erlebnis war er allemal, der spannende musikalische Dialog zwischen Herzog Blaubart und Judith, der im ungarischen Original von muttersprachlichen hochprofessionellen Gästen aus Ungarn dargeboten wurde: der Mezzosopranistin Viktória Mester und dem Bariton Levente Molnár. Die Vorgeschichte, in ungarischer Sprache von Domonkos Héja selbst eingesprochen, konnte ebenso wie der gesungene Text vom Publikum in Übertiteln verfolgt werden.

Die mittelalterliche Sage von Ritter Blaubart, der die Neugierde seiner Frauen mit deren Tod bestraft, wird im Text des Librettisten Béla Balázs symbolistisch aufgeladen. Der finstere Herzog kommt mit Judith in seine Burg, die düster und kalt ist, weil sie keine Fenster hat, die Sonne einlassen könnten. Die Schlüssel zu den sieben geschlossenen Türen eröffnen Judith nach und nach Einblicke in das Innere der Burg und in das Innere der Seele von Blaubart. 

Jede geöffnete Tür birgt Spuren des Grauens, bringt aber durch Judiths Liebe etwas Licht und Wärme ins Haus. Bartók, der als Musikethnologe und Sammler von Volksmusik in seiner multiethnischen Heimat (er zeichnete unter anderem auch rumänische und slowakische Volksmelodien auf) viel Gespür für volkstümliche Stoffe hatte, versteht es, den Dialog spannend und lautmalerisch umzusetzen. Die dramatische Steigerung ergibt sich dadurch, dass Judith zunächst drei Schlüssel bekommt, und damit die Folterkammer, die Waffenkammer und die Schatzkammer öffnet. Auf weiteres Bitten erhält sie im zweiten Anlauf die Schlüssel zum Zaubergarten, dem großen Reich Herzog Blaubarts und dem weißen Tränensee. Mit der Auseinandersetzung um die letzte Tür erreicht der Dialog seinen Höhepunkt: Sie führt in den Raum, wo Herzog Blaubart seine früheren Frauen gefangen hält, die ebenso auf dem Öffnen der verbotenen Tür bestanden hatten.

Ein groß besetztes Orchester (reichlich Schlagwerk, Bläser und zwei Harfen!) begleitete die dramatische Auseinandersetzung der beiden Sänger, die mit der Statik der szenischen Situation unterschiedlich umgingen – Levente Molnárs Körpersprache unterstrich die Pein des Herzogs angesichts der Beharrlichkeit von Judiths Nachfragen höchst lebendig. Das Happy-End für Judith und Blaubart findet bei Balázs und Bartók nicht statt: Judith wird als „Nacht“ den drei anderen Frauen „Morgen“, „Mittag“ und „Abend“ im siebten Zimmer Gesellschaft leisten müssen. „Nacht bleibt es nun ewig“.

Zweifellos eine verdienstvolle Leistung des GMD, seltene Perlen aus Bartóks Musikschaffen dem Augsburger Publikum bekannt zu machen. Ein echter Brückenschlag, den er auch durch seine guten Kontakte in die Musikszene seiner ungarischen Heimat hochkarätig umsetzen konnte. Lebhafter Applaus, vor allem auch für die Einzelleistungen und die Gesamtleistung im Orchester.
Im nächsten Sinfoniekonzert steht übrigens auch wieder Bartók auf dem Programm, mit einem Konzert für Viola und Orchester.

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