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Sonntag, 26.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Ballett, Chanson und wenig Theater

Brecht/Shakespeare-Matinee der Brechtfreunde im Theaterfoyer

Von Frank Heindl

Zu den größten des Theaters zählen sie beide allemal. Was sie sonst noch verbindet, wollten die Brechtfreunde am Sonntagvormittag im Foyer des Stadttheaters aufzeigen. „Brecht & Shakespeare“ nannte sich die Vorstellung, das Kaufmanns-& zwischen den Namen könnte auf eine gemeinsame geschäftliche Verbindung hinweisen: Denn beiden, Brecht wie Shakespeare, ging es unter anderem darum, mit neuen Methoden und Tricks möglichst viel Publikum ins Theater zu locken.



Helmar von Hanstein, neben der erkrankten Ursula Galli treibende Kraft der Inszenierung, wies in seinem zwischen die einzelnen Darbietungen gestreuten Vortrag darauf hin, dass dem englischen Dramatiker mit dem Londoner Globe Theatre eine Spielstätte zur Verfügung stand, die an die tausend Besuchern Platz bot, der oftmals dreimal täglich (!) zu füllen war. Theater war für Shakespeare auch ein Geschäft – keine öffentlichen Kassen unterstützten ihn und auch die Schauspieler wollten von den Theatereinnahmen leben. Das konnte nur gelingen, wenn man mit allgemeinverständlichen Themen die Vertreter aller Schichten ins Haus lockte. Ein Ansatz, der Bertolt Brecht fasziniert haben dürfte, ging es doch auch ihm darum, jene Klasse zurück ins Theater zu holen, die von der bürgerlichen Kultur nahezu ausgeschlossen war – „bildungsferne Schichten“ gab es auch zu seiner Zeit.

So bediente sich Brecht, der berüchtigte „Abschreiber“, also auch bei dem altehrwürdigen Kollegen aus London, krempelte aber, wie immer, wenn er abkupferte, dessen Geschichten nach seinem Gusto um. Die Rede des Antonius etwa, die dieser bei Shakespeare an Cäsars Grab hält, um das Volk gegen den ehrenwerten Mitbürger Brutus aufzuwiegeln, baute Brecht flugs in seinen Arturo Ui ein. Hier allerdings erhält Ui, dargestellt von Matthias Klösel als eine Mischung aus Hitler und Al Capone, anhand dieser Rede von einem Schauspieler (Stefan Schön) Unterricht in Schauspielerei und Volksverhetzung – und so entlarvt Brecht nicht nur Hitler als miesen Schauspieler, sondern auch Antonius‘ Rede als agitatorische Rhetorik.

Die „ideale Liebe“ wird von Julias Dienerin bloßgestellt

Ähnliche Kunstgriffe konnten die Brechtfreunde in Brechts Übungsszenen für Schauspieler deutlich machen: Julias (Isabell Münsch) bedingungslose, aber hoffnungslos idealisierte Liebe zu Romeo etwa konfrontiert Brecht mit der weitaus realistischeren Weltsicht einer Dienerin (Karla Andrä) – die auch noch wegen der Verliebtheitsmarotten ihrer Herrin ihren Zukünftigen aus den Augen verliert. Und wenn Brecht zeigt, wie Romeo Hab und Gut verkauft, um eine alte Liebschaft loszuwerden, vergisst er darüber nicht, das Schicksal des Pächters darzustellen, der nun nicht weiß, wohin er mit seiner Familie soll und dafür auch noch die Verachtung Romeos mit auf den Weg bekommt.

Diese und andere Szenen sowie von Hansteins Vortrag verknüpfte die Inszenierung mit diversen Einlagen: Maria Bader und Daniel Zaboj tanzten die Balkonszene aus Sergej Prokofjews Romeo-und-Julia-Ballett in reinem Glücksempfinden, das noch nicht die geringste Vorahnung des kommenden Unheils enthält. Die Sopranistin Isabell Münsch ließ mit Geoffrey Abbott am Klavier zu Beginn Brechts „Ballade vom ertrunkenen Mädchen“ in Kurt Weills Fassung hinreißend mit scharfem Jazzakzent in der Stimme erklingen, um später umso opernhaft „schöner“ eine Arie aus Charles Gounods „Roméo et Juliette“ vorzutragen. Zum Schluss gab’s dann noch Brechts „Sentimentales Lied Nr. 78“, in dem es auch ums Sterben und Vererben geht und Brecht frech warnt, man werde es einst bereuen, ihm nicht „alles“ gegeben zu haben.

Ob die Veranstalter der Matinee angesichts solch einer Drohung ruhig schlafen können, mag dahingestellt bleiben. Man habe sich bemüht, im Rahmen der eingeschränkten Möglichkeiten der Brechtfreunde zu bleiben, hatte Helmar von Hanstein zu Beginn betont. Vielleicht hätte man sich noch mehr einschränken, weniger kursorischen Diskurs bieten und stattdessen einige Szenen länger ausspielen sollen. So kam das, was Brecht wie Shakespeare am meisten am Herzen lag, doch ein wenig kurz: das Theaterspiel.

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