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Montag, 22.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Parteien

Popkultur: Richard Goerlich im Interview

Als herben Verlust für die Popkultur bezeichneten diese Woche die Augsburger Grünen die Schließung des Musikclubs Pavian und des Echolot-Studios. In ihrer Pressemitteilung vom Donnerstag geriet auch Richard Goerlich, der Popkulturbeauftragte der Stadt Augsburg, in die Kritik. Goerlich gab der DAZ hierzu ein Interview.

DAZ: Die dem Kulturausschuss angehörende Grüne Stadträtin Verena von Mutius bedauert, dass mit dem Pavian eine wichtige Auftrittsmöglichkeit für kleine Bands verloren geht. Nach dem Verständnis der Grünen Fraktion müsste es eigentlich Ihre Aufgabe als Popkulturbeauftragter der Stadt sein, für geeignete Auftrittsräume zu sorgen. Fühlen Sie sich in der Pflicht?

Unvernetzt und ungeregelt? Richard Goerlich, Augsburgs Popkulturbeauftragter

Unvernetzt und ungeregelt?

Richard Goerlich, Augsburgs Popkulturbeauftragter


Goerlich: Das Funktionieren oder Nicht-Funktionieren eines Clubs wie dem Pavian, speziell die Finanzierbarkeit von Livekonzerten „unbekannter Bands“, wie Frau von Mutius blauäugig formuliert, ist vielen, vielen unterschiedlichen Faktoren unterworfen, die garantiert nicht durch das Eingreifen einer Stadtverwaltung zu handhaben sind.

DAZ: Finanzielle Unterstützung ist für Sie also der falsche Weg?

Goerlich: Subventionen bringen noch lange kein Publikum in einen Club. Es ist ja auch immer die Frage, ob ein unabhängiger Clubbetreiber dies überhaupt will und inwiefern man damit den Markt verzerrt. Freie Programmgestaltung, Ausprobieren, Scheitern, Gewinnen – auch das ist schließlich Popkultur! Im übrigen habe ich in Kenntnis der dortigen Situation selbstverständlich Gespräche mit dem Pavian-Betreiber geführt und war stets in Kontakt mit dem Vermieter, dem Stadtjugendring. Persönlich empfinde ich die Schließung als traurigen Verlust für Augsburg.

DAZ: Kommen wir zum bisher kulturell genutzten ehemaligen Hauptkrankenhaus: Das Gebäude wurde an den Orden der Barmherzigen Schwestern verkauft; dort soll ein neues Medizinzentrum für das Vincentinum entstehen. Mit der Folge, dass alle Mieter ausziehen müssen, auch das Echolot-Studio, in dem die Band Anajo und die Sängerin Lydia Daher produzieren. In der Sorge für geeignete Räume für Kreative sehen die Grünen den Popkulturbeauftragten in der Pflicht. Haben Sie etwas versäumt?

Goerlich: Ich respektiere jegliche Art konstruktiver Kritik und bin für Verbesserungsvorschläge über alle Fraktionsgrenzen hinweg offen. In diesem Fall scheint mir aber das Säbelrasseln vor der sauberen Argumentation zu kommen. Die Problematik der Mietersituation im Hauptkrankenhaus ist ja seit vielen Jahren bekannt – Stichwort Zwischennutzung. Hier wurde weit in der Vergangenheit versäumt, eine Lösung zu suchen, nicht in den Monaten seit meinem Amtsantritt. Ich habe gerade hinsichtlich der zu erwartenden Situation für viele Beteiligten im Hauptkrankenhaus von Beginn an das Bündnis für ein soziales Kulturzentrum in Augsburg tatkräftig unterstützt, um Raumalternativen zu schaffen. Ich hoffe, dass eine solche verpasste Chance – das Modell Hauptkrankenhaus als soziokulturelles Projekt – durch einen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung wie den Popkulturbeauftragten in Zukunft vermieden werden kann. Dies ist mitunter Sinn einer solchen Stellenschaffung.

DAZ: Gutes Stichwort – die Sinnfage für den Popkulturbeauftragten. Die Grünen vermissen die Koordination und die Vernetzung Ihrer Arbeit mit der Verwaltung. Hängen Sie quasi unvernetzt und ungeregelt in der Luft?

Goerlich: Ich wundere mich darüber, dass Frau von Mutius und Herr Erben in einer erstaunlichen Absolutheit von Dingen sprechen, die sie offensichtlich nicht ausreichend durchleuchtet haben. Insbesonders Frau von Mutius als Mitglied des Kulturausschusses sollte ausreichend über meine Arbeit informiert sein. Mein Projektplanungsbericht für das erste Amtsjahr liegt seit Monaten vor.

DAZ: Die Grünen bestreiten nicht, dass Sie durch eine große Anzahl an Veranstaltungen und Workshops zur Förderung von Nachwuchskünstlern aufgefallen sind. Aber sie vermissen die Struktur in Ihrer Arbeit und fordern: alle Akteure an einen Tisch und eine klare Definition der Schwerpunkte.

Goerlich: Meinem Projektplanungsbericht liegt eine mehrsäulige Arbeitsstruktur zugrunde, anhand derer ich meine Projekte und Förderprogramme gestalte. Dies habe ich im Kulturausschuss ausreichend beleuchtet. Ich lade Frau von Mutius und Herrn Erben aber gerne ein, sich bei mir detailliert zu meiner Arbeit Auskunft einzuholen. Dies ist im übrigen auch der breiten Öffentlichkeit in meiner rege besuchten Infoveranstaltung „PopForum“ im Kulturpark West im Zweimonatstakt möglich. Dort wird Partizipation bereits aktiv gelebt – ich denke wirklich nicht, dass Augsburg noch einen Runden Tisch zum Thema Pop braucht.

DAZ: Herr Goerlich, vielen Dank für das Gespräch.

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Das Interview führte Bruno Stubenrauch.

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