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Samstag, 27.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Pro Augsburg: Basis meldet sich zu Wort

Sachlich, mit offenem Visier und mit ungewöhnlicher Schärfe wurde am 17. September im Extra-Stüberl der alten Hasenbrauerei in einer öffentlichen Versammlung des Vereins die politische Arbeit der Stadtratsfraktion von Pro Augsburg kritisiert.

Zirka 50 Mitglieder des Vereins, der komplette Vorstand sowie die Stadtratsfraktion trafen sich zu einer Aussprache, die in erster Linie von den Aussagen von Karl Heinz Englet in der DAZ gekennzeichnet war. Peter Grab war terminlich gebunden und stieß erst zur Versammlung, als sich diese gen Ende neigte.

In seiner Eingangsrede bezeichnete der 2. Vorstand des Vereins, Rolf Neuburger, Karl Heinz Englet als spiritus rectus Pro Augsburgs, der aufgrund seiner Sportlerkarriere gewohnt sei, einzeln zu kämpfen. Englet habe wie im Sport versucht, seine Interessen im Alleingang durchzusetzen. Die unsäglichen Pressemeldungen um Karl Heinz Englets Aussagen hätten dem Ganzen massiv geschadet. Bei all den Verletzungen in der Fraktion gebe es nur eine Lösung: Alle müssten zurückstecken und bereit sein zu verzeihen. Man müsse sich die Hände reichen, beschwor Neuburger die Kontrahenten.

„Mich hat bis jetzt niemand gefragt, was ich von ku.spo halte“

In der anschließenden offenen Aussprache kamen Inhalte zur Sprache, die man in einer offenen politischen Veranstaltung in Augsburg von einer Partei nie zu hören bekommen hätte. Rolf Rickert bezeichnete die Fraktion ohne Profil als Appendix der CSU. Johannes Kautz zitierte die Pressemeldung der Fraktion, „erschöpfter Englet“, die ihn an seine Jugend in der DDR erinnere. Petra Domberger bemängelte, dass die Fraktion in einem zu starken Korsett stecke. Das Auftreten von Peter Grab sei insgesamt enttäuschend. Ku.spo sei entsetzlich. „Mich hat bis jetzt noch niemand gefragt, was ich von ku.spo halte.“ Insgesamt agiere die Fraktion zu abgehoben und ohne Bindung zum Verein, man dürfe das, was die Fraktion mache, als Pro Augsburg-Mitglied nicht nur aus der Presse erfahren.

Alle Beiträge von der Basis bekamen starken Applaus, was Johannes Althammer ein wenig in Rage brachte. Er bezeichnete die Vorwürfe als ungerecht und verwies auf die Arbeitskreise von Pro Augsburg, wo jeder mitmachen könne. “Wenn ich bei Peter Grab oder Beate Schabert-Zeidler anrufe, dann bekomme ich immer zeitnah einen Termin.“ Wenn man wirklich konstruktiv mitwirken wolle, dann müsse man eben aktiv sein und nicht nur Zeitung lesen. Auch Althammer bekam starken Applaus. Beate Schabert-Zeidler, die – sichtlich mitgenommen – bemüht war, die Wogen zu glätten, verwies auf die zirka 150 Stadtratsanträge und Verwaltungsvorgänge, die in den vergangenen 16 Monaten von der Stadtratsfraktion von Pro Augsburg initiiert worden seien. Es stimme einfach nicht, “dass wir kein eigenes Profil entwickelt hätten“. Auch Schabert-Zeidler bekam für ihren Beitrag Applaus.

„Für diese Kulturpolitik bin ich nicht angetreten“

Dass es innerhalb der Bürgervereinigung mit der kommunikativen Struktur nicht stimmt, belegte Fraktionsmitglied Prof. Harzmann eindruckvoll. Harzmann hielt mitten in der Aussprache eine 15 Minuten lange Tischrede, in der er die CSU im Allgemeinen und Bernd Kränzle sowie Horst Seehofer im Speziellen angriff: „Die Umwandlung des Zentralklinikums, das geht gar nicht. Wie soll das gehen?“ Noch während der Rede wurde Harzmann angefeindet. Später wurde Harzmanns Auftritt als konkretes Beispiel dafür verwendet, wie abgehoben die Fraktion sei.

Karl Heinz Englet bekräftigte seine Kritik an Peter Grabs Kulturpolitik und bezog die Kulturkoordinatorin Iris Steiner, die ihre Aufgaben nicht mache, mit ein. „Für diese Kulturpolitik bin ich nicht angetreten.“ Zum Schluss der Versammlung wurde der Fraktion von einigen Mitgliedern nahegelegt, die Kommunikation nach außen wie nach innen zu verbessern und in der Fraktion mittels Mediation wieder Schulterschluss herzustellen.

» Der Kommentar: Pro Augsburg unter Druck