„Schreiben Sie lieber, dass ich Ihnen unbequem war …“
Einzigartige Zeitungsdokumente zum 70. Todestag von Bertolt Brecht: Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg zeigt erstmals bislang unveröffentlichte DDR-Presseberichte im Vergleich zur Augsburger Berichterstattung.
Von Bruno Stubenrauch

Bild: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg
Als Bertolt Brecht am 14. August 1956 im Alter von nur 58 Jahren in Ost-Berlin überraschend verstarb, hinterließ er ein gespaltenes Erbe. Während Thomas Mann als unbestrittener Repräsentant deutscher Dichtung verehrt wurde, blieb der gebürtige Augsburger Brecht Zeit seines Lebens ein Wanderer zwischen den Welten und politischen Systemen – im Westen oft als stalinistisches Aushängeschild verpönt, im Osten wegen seines Unabhängigkeitsdranges misstrauisch beäugt. Anlässlich seines 70. Todestags beleuchtet eine neue Ausstellung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg in Kooperation mit der Brecht-Forschungsstätte die Rezeption seines Todes in Ost und West.
Bislang unveröffentlichte DDR-Zeitungen erstmals zu sehen
Der reichhaltige Zeitungsbestand der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg zählt seit langem zu den wichtigsten Quellen der internationalen Brecht-Forschung. Eine besondere Rarität wird nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert: Ein geschlossenes Konvolut ostdeutscher Tageszeitungen, die unmittelbar nach Brechts Ableben im August 1956 erschienen sind. Die Dokumente geben Aufschluss darüber, wie der sozialistische Staat das Versterben des Autors inszenierte, würdigte und in das eigene politische Narrativ einbettete.
Dem ostdeutschen Umgang mit Brecht wird ein prägnantes Stück Augsburger Lokalgeschichte gegenübergestellt: Der Nachruf aus der damaligen Schwäbischen Landeszeitung. Das Zeitdokument verdeutlicht eindringlich, wie schwer sich Brechts Heimatstadt mitten in den Hochzeiten des Kalten Krieges mit dem literarischen Erbe ihres „großen Sohnes“ tat. Die Synopse beider Perspektiven macht deutlich: Brecht blieb auf beiden Seiten der Sektor-Grenzen unbequem – und ist es bis heute.
Eröffnung am 11. August im Lesesaal
Die Ausstellung wird am Dienstag, den 11. August 2026, um 18.30 Uhr im Lesesaal der Bibliothek feierlich eröffnet. Nach der Begrüßung durch den Bibliotheksleiter Dr. Karl-Georg Pfändtner spricht Tatjana Dörfler, Referentin für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Welterbe der Stadt Augsburg, ein Grußwort. Den Einführungsvortrag hält Prof. Dr. Jürgen Hillesheim, Leiter der Brecht-Forschungsstätte Augsburg. Im Anschluss lädt die Bibliothek zu einem kleinen Imbiss ein.
Ausstellung & Vernissage
- Ausstellungseröffnung: Dienstag, 11. August 2026, 18.30 Uhr
- Ausstellungsdauer: 12. bis 28. August 2026
- Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr
- Ort: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg (Lesesaal), Schillstraße 94, 86169 Augsburg
- Veranstalter: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg in Kooperation mit der Brecht-Forschungsstätte Augsburg