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Mittwoch, 05.08.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

„Schreiben Sie lieber, dass ich Ihnen unbequem war …“

Einzigartige Zeitungsdokumente zum 70. Todestag von Bertolt Brecht: Die Staats- und Stadt­biblio­thek Augsburg zeigt erstmals bislang unver­öffent­lichte DDR-Presse­berichte im Vergleich zur Augs­burger Bericht­erstattung.

Von Bruno Stubenrauch

Bild: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Als Bertolt Brecht am 14. Au­gust 1956 im Alter von nur 58 Jah­ren in Ost-Berlin über­ra­schend ver­starb, hinter­ließ er ein ge­spal­te­nes Erbe. Wäh­rend Thomas Mann als unbe­strit­te­ner Reprä­sen­tant deut­scher Dich­tung ver­ehrt wurde, blieb der ge­bür­tige Augs­burger Brecht Zeit seines Lebens ein Wan­de­rer zwi­schen den Wel­ten und poli­ti­schen Sy­ste­men – im Westen oft als stali­ni­sti­sches Aus­hänge­schild ver­pönt, im Osten wegen seines Un­ab­hängig­keits­dranges miss­trau­isch beäugt. Anläss­lich sei­nes 70. Todes­tags be­leuch­tet eine neue Aus­stel­lung der Staats- und Stadt­bib­lio­thek Augsburg in Koope­ra­tion mit der Brecht-For­schungs­stätte die Re­zep­tion seines Todes in Ost und West.

Bislang unveröffentlichte DDR-Zeitungen erstmals zu sehen

Der reichhaltige Zeitungs­bestand der Staats- und Stadt­biblio­thek Augsburg zählt seit langem zu den wich­tig­sten Quellen der inter­natio­nalen Brecht-Forschung. Eine beson­dere Rarität wird nun erst­mals der Öffent­lich­keit präsen­tiert: Ein geschlos­senes Kon­volut ost­deutscher Tages­zei­tungen, die un­mittel­bar nach Brechts Ableben im August 1956 erschie­nen sind. Die Doku­mente geben Auf­schluss darüber, wie der sozia­listische Staat das Ver­sterben des Autors insze­nierte, würdigte und in das eigene politi­sche Narra­tiv einbettete.

Dem ostdeutschen Umgang mit Brecht wird ein prägnantes Stück Augsburger Lokal­geschichte gegen­über­gestellt: Der Nachruf aus der damaligen Schwäbi­schen Landes­zeitung. Das Zeit­dokument verdeut­licht ein­dring­lich, wie schwer sich Brechts Heimat­stadt mitten in den Hochzeiten des Kalten Krieges mit dem lite­rari­schen Erbe ihres „großen Sohnes“ tat. Die Synopse beider Per­spek­tiven macht deutlich: Brecht blieb auf beiden Seiten der Sektor-Grenzen unbequem – und ist es bis heute.

Eröffnung am 11. August im Lesesaal

Die Ausstellung wird am Dienstag, den 11. August 2026, um 18.30 Uhr im Lesesaal der Biblio­thek feierlich eröffnet. Nach der Begrüßung durch den Biblio­theks­leiter Dr. Karl-Georg Pfändtner spricht Tatjana Dörfler, Refe­rentin für Bildung, Wissen­schaft, Kultur und Welterbe der Stadt Augsburg, ein Grußwort. Den Ein­führungs­vortrag hält Prof. Dr. Jürgen Hillesheim, Leiter der Brecht-For­schungs­stätte Augsburg. Im An­schluss lädt die Biblio­thek zu einem kleinen Imbiss ein.


Ausstellung & Vernissage

  • Ausstellungseröffnung: Dienstag, 11. August 2026, 18.30 Uhr
  • Ausstellungsdauer: 12. bis 28. August 2026
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr
  • Ort: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg (Lesesaal), Schill­straße 94, 86169 Augsburg
  • Veranstalter: Staats- und Stadt­bibliothek Augsburg in Koope­ration mit der Brecht-Forschungs­stätte Augsburg