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Samstag, 28.03.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Literatur

Wohin mit Augsburgs historischen Schätzen?

Knapp fünfzig Prozent der Bücher der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek gehören nach groben Schätzungen dem Freistaat Bayern, der sich nach Vorstellungen von Finanzreferent Hermann Weber genau mit diesem Anteil an den Unterhaltkosten der historischen Kladden beteiligen soll.

Etwas Genaues weiß man nicht, aber dafür gibt es unbestätigte Pläne der Stadtregierung und eine handvoll Gerüchte sowie einen SPD-Antrag, der bei der kommenden Sitzung des Kulturausschusses für klare Verhältnisse sorgen soll. Der Leiter der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek, Helmut Gier, spricht von „Barbarei“ und der kulturpolitische Sprecher der SPD, Frank Mardaus, von „Zerschlagung“. Finanzreferent Hermann Weber nennt es „Kostenbeteiligung“.

Fegen eine Aufspaltung der Staats- und Stadtbücherei: Dr. Frank Mardaus

Gegen eine Aufspaltung der Staats- und Stadtbücherei: Dr. Frank Mardaus


Es geht nach Informationen der DAZ um Folgendes: Die Stadtregierung verhandelt aktuell mit der Staatsregierung um eine „Modifizierung“ eines Vertrages zwischen der Stadt Augsburg und dem Königreich Bayern aus dem Jahre 1897, der bis heute Bestand hat. Obwohl ein großer und täglich größer werdender Teil des Bücherbestandes dem Freistaat gehört, bestreitet die Stadt fast im Alleingang den Unterhalt. Mit einem jährlichen Betrag von 18.900 Euro beteiligt sich bislang der Staat. Diese Kostenverteilung geht auf den Vertrag aus dem Jahr 1898 zurück, der eine jährliche Verteilung der Aufwendungen für die Bibliothek für beide Seiten festlegte: 2.000 Reichsmark für das Königreich, 9.000 Reichsmark für die Stadt. Laut Weber beträgt der Kostenanteil der Stadt heute zirka eine Million Euro, während der Freistaat lediglich die 2.000 Reichsmark in Euro umgemünzt hat. Dies solle sich, wenn es nach dem Willen der Stadt geht, in Zukunft ändern.

Die Bayerischen Bücher sollen in der Universität verortet werden

"Der Freistaat soll sich mit 50 Prozent an den Unterhaltskosten beteiligen": Finanzreferent Hermann Weber

"Der Freistaat soll sich mit 50 Prozent an den Unterhaltskosten beteiligen": Finanzreferent Hermann Weber


Die Verhandlungsposition der Stadt ist dabei nicht aussichtslos, da der mehr als einhundertjährige Vertrag eine Klausel beinhaltet, die eine Anpassung in beiderseitigem Einvernehmen vorsieht. Darauf poche man nun gegenüber dem Ministerium, denn es bestehe inzwischen ein krasses Missverhältnis in der Deckung der Kosten für die im Besitz des Freistaates stehenden Bücher. Die Ideallösung Webers sieht vor, dass sich der Freistaat mit 50 Prozent an den Unterhaltskosten des Gesamtbestandes beteiligt. Weber verfolgt dabei den Plan, dass der Freistaat eben genau jenen Anteil der wertvollen Buchbestände, die in seinem Besitz sind, „betreuen“ soll. Der neue Standort der bayerischen Bücher solle, so Weber, in der Augsburger Universität verortet werden. Der Augsburger Anteil der Staats- und Stadtbibliothek wird nach Webers Plänen zusammen mit den Archivalien des Stadtarchivs in den restaurierten Shed-Hallen des Textilmuseums untergebracht.

Was aus den beiden frei werdenden Häusern des Stadtarchivs in der Fuggerstraße und der Staat- und Stadtbibliothek der Schaezlerstraße werden soll, ist derzeit noch offen. Den Titel „Staatsbibliothek“ erhielt das Haus in der Schaezlerstraße deshalb, weil die Bestände der Bibliothek nach der Säkularisierung und Mediatisierung anfangs des 19. Jahrhunderts in das Eigentum des bayerischen Staates übergegangen sind. Dieser verpflichtet die Bibliothek seit 1987, von jedem im Regierungsbezirk Schwaben erscheinenden Druckwerk (auch Zeitungen) ein Exemplar zu archivieren. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist der Bestandzuwachs außer Kontrolle geraten und die Statik des Hauses gefährdet. Pläne zum Ausbau des Dachgeschosses bestehen seit vielen Jahren, scheiterten aber immer wieder an den hohen Investitionskosten von 4,4 Millionen Euro. Mit dem neuen „Bücher-Verteilungsplan“ könnte die Stadt dieses kostspielige Vorhaben abblasen.

„Die Staats- und Stadtbibliothek ist wesentlicher Bestandteil der geschichtlichen Identität und des Erinnerungsvermögens der Stadtgesellschaft“

Die unrenovierten Shed-Hallen

Die unrenovierten Shed-Hallen


Der Widerstand gegen die städtischen Pläne, die in einer „Dienstbesprechung“ am Donnerstag bekannt wurden, hat sich allerdings bereits formiert. Ulrich Hohoff, der Leiter der Universitätsbibliothek, sieht keinen Platz für die zirka 250.000 Bücher und den riesigen Medienbestand, der sich seit 1987 angesammelt hat, in „seiner“ Bibliothek. Die Augsburger SPD wird den Kulturausschuss am 18. Oktober qua Antrag dazu auffordern, sich nachhaltig gegen eine Aufspaltung der Staats- und Stadtbücherei einzusetzen und die Verwaltung zu beauftragen „die bereits begonnenen oder noch geplanten Aktivitäten zur Veränderung, Umwandlung oder Einschränkung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg sofort einzustellen“. Außerdem soll die Verwaltung dafür Sorge tragen, dass „die bereits beschlossenen Maßnahmen zur Sicherung und Förderung des bisherigen Standortes umgesetzt“ werden.

„Die Staats- und Stadtbibliothek ist eine der ältesten Kultureinrichtungen der Stadt Augsburg sowie eine der größten und ältesten Stadtbibliotheken in Deutschland. Sie ist wesentlicher Bestandteil der geschichtlichen Identität und des Erinnerungsvermögens der Stadtgesellschaft“. Die Pläne der Stadt, die „eine Aufspaltung in einen städtischen und einen staatlichen Anteil ins Auge fassen“, würden auch für die wichtigen Einrichtungen Stadtarchäologie und Stadtarchiv große Nachteile haben. „Dagegen gilt es sich mit Nachdruck zur Wehr zu setzen“, so die Augsburger SPD in ihrem gestern eingereichten Antrag.

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