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Freitag, 06.12.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Was Brecht von Shakespeare lernte

Am Sonntag: Theatermatinee der Brechtfreunde

Brecht und Shakespeare – zwei Giganten der Theatergeschichte, jeder mit genug Stoff, um sich jahrelang damit zu beschäftigen. Die Augsburg Brechtfreunde bringen die beiden Dramatiker gemeinsam auf die Bühne – in einer Matinee am kommenden Sonntag, 10. Oktober um 11 Uhr im Foyer des Stadttheaters.



Um den Vergleich und die Parallelen zwischen den beiden Autoren deutlich zu machen, haben sich die Brechtfreunde um Ursula Galli auf wenige Stücke konzentriert: Zum Beispiel auf Brechts „unaufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui“. In dieser Parabel auf Hitler und das Dritte Reich lernt Arturo Ui die für die Nazis so wichtige (Schmieren-) Schauspielerei und die demagogische Redekunst anhand der Forumsrede des Antonius aus Shakespeares „Julius Caesar“. Hier also bedient sich Brecht zu doppelten didaktischen Zwecken bei Shakespeare: Ui soll reden lernen, das Publikum soll die Verlogenheit daran erkennen.

Weitere Parallelen finden sich etwa, wenn man Brechts „Messingkauf“ betrachtet – das theatertheoretische, aber trotzdem für die Aufführung geeignete Stück werden die Brechtfreunde auf seine Relevanz hin abklopfen, indem sie es mit Ausschnitten aus der berühmten Balkonszene in Shakespeares „Romeo und Julia“ konfrontieren. Hat Brecht von Shakespeare gelernt und ihn gar weiterentwickelt? Man darf für Sonntagvormittag auf ein paar Geistes- und Erkenntnisblitze hoffen.

Zwischen den Stücken gibt es übrigens auch Beiträge aus anderen Genres: Es kommt eine Ballettszene von Dimas Casinha zur Aufführung, die Sopranistin Julia Münsch wird eine Arie aus Charles Gounods „Rome und Julia“-Oper singen.