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Mittwoch, 05.08.2020 - Jahrgang 12 - www.daz-augsburg.de

Brecht, Döner, Kurzfilme

Gegen Klischeevorstellungen: Deutsch-türkische „Kültürtage“ mit vielfältigem Angebot



Wer dem bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer zuhört, könnte zu der Ansicht kommen, dass es in der Türkei und anderen islamisch geprägten Ländern eine Kultur in unserem Sinne gar nicht gibt. Dass dies ein ebenso so krasses wie dummes Vorurteil ist, dass es viele Unterschiede, aber auch viele Parallelen gibt zwischen den christlich und den islamisch geprägten Kulturen, auf jeden Fall aber eine gemeinsame Basis, auf der man sehr wohl und gut miteinander umgehen und voneinander lernen darf – das kann man anhand der Augsburger „Kültürtage“ einmal mehr erfahren, die am Mittwoch, 13. Oktober beginnen.

Die deutsch-türkischen „Kültürtage“, über die die Grüne Bundestagsabgeordnete Claudia Roth die Schirmherrschaft übernommen hat, erstrecken sich über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis zum 21. November. Beginn ist am morgigen Mittwoch mit einer Ausstellung in der Neuen Galerie im Höhmannhaus (Maxstraße 48, Eröffnung am Dienstagabend). Hier zeigen die Augsburger Künstler Fikret Yakaboylu und Fatos Kutlucan eine Auswahl ihrer Werke. Fato Kutlucan malt moderne und orientalisch und vor allem Frauenmotive, Fatos Kutlucan arbeitet mit eher unkonventionallen Techniken. Unter anderem präsentiert er ein 500 Meter langes „Friedensband“, eine Collage, an der viele Menschen beteiligt waren.

Doch es geht nicht nur um die Bildende Kunst bei den Kültürtagen. Am 4. November etwa findet in der Stadtbücherei die Veranstaltung „Frauen an die Macht“ statt, in der es um die Frauenbewegungen in Deutschland und der Türkei geht – umrahmt wird das Ganze von türkischer Musik. Am 7. November gibt es im Café Viktor (Hartmannstraße 1) deutsch-türkisches Kabarett: „Döner mit Sauerkraut“ nennt sich der Abend, und der Titel lässt annehmen, dass es auch um die Klischeevorstellungen gehen wird, die Deutsche wie Türken voneinander haben.

Türkische Lyrik auf deutsch und Brecht auf türkisch

Auch der Begriff „türkische Lyrik“ dürfte wenig in das Klischee von Seehofer/Sarrazin und anderen passen. Sie wird an dem Ort präsentiert, den man für den Hort der deutsch Hochkultur halten könnte: im Stadttheater. „Aus der Vielzahl türkischer Lyriker soll hier mit einer kleinen Auswahl die große Vielfalt der türkischen Poesie gezeigt werden“, verspricht das Programm. Es wird in deutscher und türkischer Sprache vorgetragen. Auch „Film-Kültür“ wird es geben: Am 9. November zeigt das Liliom zwei türkische Kurzfilme – im Anschluss stehen die Filmemacher zur Diskussion zur Verfügung. Und wer nach Verbindungen zwischen Augsburg und der Türkei sucht, der wird – mal wieder – bei Bertolt Brecht fündig: Der Dramatiker gilt als einer der meistgelesenen deutschen Dichter in der Türkei. „Merhaba Brecht“ heißt es deshalb am 14. November bei Hempels (im Annapam, Bäckergasse 29) – es gibt Texte von Brecht auf Deutsch und Türkisch. Mal sehen, ob Sauerkraut und Döner vielleicht doch zusammenpassen…

Das gesamte Programm mit vielen weiteren Veranstaltungen gibt’s in Lang- und Kurzversion zum Download bei kueltuertage-augsburg.de.