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Dienstag, 14.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Ausstellung: Die Leiden des jungen Kunstmalers Bernhard McQueen

Wer kennt nicht die berühmten 43 Selbstbildnisse von Vincent van Gogh, die alle von seinen Leiden, aber auch von der Überhöhung seiner Existenz zeugen? Noch drastischer ist der Selbstportrait-Zyklus Frieda Kahlos, deren Gesamtwerk 150 Gemälde umfasst, 55 davon sind Selbstporträts. Die große mexikanische Künstlerin Kahlo fasste den Leidensweg ihres Lebens in bedrückende Botschaften, die dennoch großen Lebenswillen darstellen, obwohl Kahlos Tragödien schwer zu nehmen waren: Verkehrsunfall, Fehlgeburten, ehelicher Schiffbruch, Eifersuchtskrisen, Alkohol- und Alkoholprobleme, Schmerzen.

Von Siegfried Zagler

Bernhard und Lisa McQueen © DAZ

Was die berühmten Selbstbildnisse von Kahlo und van Gogh gemeinsam haben: Die Künstler sind auf jedem Porträt als van Gogh, als Kahlo zu erkennen. Dass das nicht selbstverständlich ist, davon erzählt eine bemerkenswerte Ausstellung in der Galerie „MZ“ in der Peutingerstraße 16.

Es handelt sich um 28 Selbstbildnisse des Kunstmalers Bernhard McQueen, der in Augsburg unter dem Künstlernamen „Blumenmaler“ bekannt wurde. Gezeichnet hat sie McQueen ausnahmslos in der Justizvollzugsanstalt Gablingen, wo er 28 Monate inhaftiert war. 

Zu dieser langen Haftstrafe wurde er verurteilt, weil er zwanghaft immer wieder die Augsburg-Blume sprühen musste. Der Sachschaden, der dadurch entstand, war nicht gering, schwerer wog jedoch das Vorstrafenregister durch die Wiederholung der Straftaten des Street Art Künstlers, der sich in der Haftanstalt einer Therapie unterzog.

Der Selbstporträt-Zyklus war kein Bestandteil dieser Therapie, sondern geht auf eine Idee des Galeristen Martin Ziegelmayr zurück, der McQueen dazu ermunterte, für seine Frau Lisa McQueen Selbstporträts zu zeichnen, die er dann im erlaubten DINA 5 Format mit der Post nach Hause schickte. Die längste Zeit seiner Haftstrafe fiel in die Coronapandemie, weshalb sich in der einstündigen Besuchsstunde (pro Monat) die McQueens nur mit Maske begegnen durften. 

Es war dem Kunstmaler McQueen ein Anliegen, seiner Frau Nachrichten vom Zustand seiner Psyche zukommen zu lassen. Der Selbstporträt-Zyklus von Bernhard McQueen gehört zu den interessantesten Ausstellungen, die die Kunststadt Augsburg derzeit zu bieten hat. Das hat natürlich mit der Geschichte ihrer Entstehung zu tun. Und vor allem mit der Qualität der Bilder, für die McQueen nur Buntstifte und Wasserfarben verwenden durfte. 

Auf jedem Selbstbildnis, so könnte man beim ersten Hinschauen meinen, ist eine andere Persönlichkeit abgebildet. Und natürlich ist das auch auch der Fall. McQueens Selbstporträts reflektieren die Monotonie und die damit verbundene Einsamkeit im Gefängnis. Zeit, die nicht vergehen will, ist wie Folter, weshalb Bernhard McQueen sich einige Male so darstellt, als wäre er gerade der Folter entkommen, als würde ihn die Zeit, die nicht vergeht, nicht mehr peinigen.

Auf anderen Bildern erkennt man ihn nicht wieder, gequält, gedemütigt, aber auch hoffnungsvoll dreinblickend sind die Selbstzeugnisse, sodass auf jedem Bildnis ein anderer Mensch abgebildet zu sein scheint. Zurückgeworfen auf sich selbst, reduziert auf den Kern seiner Existenz zeigt McQueen mit seinen Selbstporträts, dass man sich selbst dann wandelt und sehr unterschiedlich selbst wahrnimmt, wenn die anderen nicht nicht da sind, die die eigene Identität mitschreiben.

Monotonie führt dazu, schwierige Persönlichkeitsprofile zu glätten, also Identität zu brechen. Haftstrafen verfolgen dieses Ziel mit begleitenden Programmen und einem regulierten Tagesablauf. Bernhard McQueen hat sich gegen diese Transformation, gegen die Folter der Monotonie gewehrt – erfolgreich, mithilfe der Kunst. Der Titel der Ausstellung lautet: 678/20. Das war die Häftlingsnummer McQueens. Eine schönere Geschichte könnte man sich nicht ausdenken.

Die Schau der Selbstporträts wurde am Donnerstag eröffnet und dauert noch bis zum 11. August.

Fotos © M. Ziegelmayr

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