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Dienstag, 16.04.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Vorfahrt für Vielfalt

Ein Blick auf den Veranstaltungskalender der letzen Woche macht deutlich, dass der Einsatz für mehr Vielfalt und Diversität und das Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung längst keine Eintagsfliegen mehr sind und vielerorts den interkulturellen Austausch und das gesellschaftliche Miteinander in Augsburg beflügeln. 

Von Udo Legner

Foto: Udo Legner

5000 Teilnehmer waren dem Aufruf zur Teilnahme an der CSD Parade gefolgt, die Höhepunkt des zehntägigen Room for Pride Programms war.Ziel der vielfältigen Veranstaltungsformate der Pride Week: die LGBTQIA+-Community – lesbisch, schwul, bisexuell, und transgeschlechtlkich „queer“ – in Augsburg sichtbarer zu machen, auf deren Diskriminierung hinzuweisen und sich für deren Rechte stark zu machen. Am Christopher Street Day ging diese Rechnung voll auf, wozu nicht zuletzt die vielen Info-Tische am Rathausplatz beitrugen, in die sich auch die Parteistände von CSU, SPD, FDP und Grüne einreihten. 

Großes Kino beim Lechflimmern und beim Sommer im Kiez

Nicht weniger Vielfalt prägte die beiden kulturellen Publikumsmagneten des Wochendes: Dem Augsburger Filmbüro war es gelungen, den Publikumsrenner Die Rumba Therapie als deutsche Erstaufführung ins Lechflimmern Programm und ins Plärrer Familienbad zu holen und dem Publikum die Hauptdarstellerin Marie-Philoméne Nga aus Kamerun „live and in person“ zu präsentieren. Auch beim Reggae Festival am Oberhausener Gaswerk, das Teil des Sommer im Kiez Programms war, begeisterten die energiegeladenen Performances der gemeinsam auftretendem Bands Jamaram und Jacoustix  und zu guter Letzt die Kult-Band Gentleman als Headliner durch musikalische Vielfalt und  viel interkulturelles Flair ihr generationenübergreifendes Publikum, das fast so zahlreich und bunt war und bewegend mitging, wie tags zuvor bei der Christopher Street Day Parade. 

Big Players auf dem Feld der Vielfalt: Integrationsbeirat – Hochschule Augsburg – Stadtbücherei

Weniger im Rampenlicht, aber nicht weniger nachhaltig: die Aktionen des Augsburger Integrationsbeirats, der in Kooperation mit vielen anderen Organisationen – u. a. Tür an Tür e.V., Ukrainischer Verein Augsburg e.V., Wohnprojekt Augsburg – am traditionell sonntäglichen flüchtlingspolitischen Wertachspaziergang im Rahmen der Refugee Week mit einem Info-Stand und interaktiven Spielen aus aller Welt vertreten war. Erklärtes Ziel dieser Aktionen: Förderung des solidarischen Miteinanders und Werben für Formen des Freiwilligenengagements für Geflüchtete. Präsenz zeigte die Vorsitzende des Integrationsbeirats, Didem Karabulut, auch an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Kriegshaber als Schirmherrin bei der Titelverleihung „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“. Besonders beeindruckend war der Vortrag der Schülerin Shirin Agha, in dem sie ihre Erfahrungen mit Alltags-Rassismus ausführte. Nicht weniger Beifall bekam die Dankesrede der Vorsitzenden der Regionalstelle des Schule gegen Rassismus Netzwerks, Frau Uta Manz, mit dem bewegendem Schlusszitat von Nelson Mandela.

„Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Religion geboren. Hass wird gelernt. Und wenn man Hass lernen kann, kann man auch lernen zu lieben. Denn Liebe ist ein viel natürlicheres Empfinden im Herzen eines Menschen als ihr Gegenteil.

Viel Beachtung fand und findet auch das Engagement der Hochschule Augsburg, die als Gastgeberin zur bayernweiten Diversitätskonferenz (15. -17.Juni) unter dem Titel „Die Diversität der Diversitätsdiskussion. Theorien, Konzepte und Methoden“ eingeladen hatte. Die Veranstaltung – organisiert von der Professur für Soziale Arbeit und Diversität in Kooperation mit ZAM e.V. (Zusammenschluss Augsburger Migranten(selbst)organisationen), izbd² (Innovationszentrum Bayern für Diversity und Demokratie) bei der Tür an Tür Integrationsprojekte gGmbH, dem Büro für gesellschaftliche Integration der Stadt Augsburg und dem Friedensbüro der Stadt Augsburg – richtete sich an alle, die in Bayern in der Antidiskriminierungs- und Diversity-Arbeit tätig sind.

Darüberhinaus kooperiert die Hochschule, (federführend Simon Goebel, Professor für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Diversität an der Hochschule Augsburg) mit der Stadtbücherei Augsburg und ist dabei, mit Studierenden Kinderbücher einem Vielfalt Check zu unterziehen. Die Stadtbücherei bereitet derzeit auch das Gemeinschaftsprojekt „Living Library – Vielfalt Erzählen“ vor – im Schulterschluss mit dem Bezirksjugendring Schwaben, der Volkshochschule Augsburg und dem Maria-Theresia Gymnasium Augsburg. (Projekt Präsentation: 7.7.2023 um 18 Uhr in der Stadtbücherei am Ernst-Reuter-Platz 1) Kernidee dieses Projekts: Personen mit unterschiedlichen Biographien erzählen von ihren besonderen Lebenssituationen. Am Start sind z. B. die ehemalige DDR Weltklasseschwimmerin Peggy Büchse, Halyna Yeromina, eine Geflüchtete aus der Ukraine und Andrea Jekic Orchesterleiter des  Inklusionsorchesters Die Bunten

Ein weiteres Spielfeld sollte bei dieser Aufstellung der Augsburger Orte der Vielfalt nicht fehlen – das Rosenaustadion, wo am Samstag, 24. Juni (Beginn um 10 Uhr) bereits zum 13. Mal die Copa Augusta Antiracista ausgetragen wird. Das antirassistische Fußballturnier wird vom Fanprojekt Augsburg des Stadtjugendrings Augsburg gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern aus der FCA-Fanszene und Augusta Unida organisiert. Mit der Siegerehrung wird anschließend die Fiesta im Rosenaubiergarten eingeläutet.