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Samstag, 20.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Subkultur und Stadttheater

„Rap for Peace“ in der Komödie

Von Frank Heindl

Es ist noch nicht ganz dunkel in der Komödie, das Publikum ist noch in Gespräche vertieft – da geht’s schon los. Laute Musik, genretypisch schneller Hip-Hop, schon wird auch getanzt auf der Bühne und im Publikum parliert man jetzt nicht mehr, sondern gibt Szenenapplaus, feuert an, pfeift und johlt. So sieht das aus, so hört sich das an, so gehört sich das, wenn „Rap für Peace“ junge Straßentänzer auf Bühne holt, wenn diejenigen sich die Orte der etablierten Kultur erobern, die hier normalerweise keine zehn Pferde hinkriegen, wenn die hier mal ihr eigenes Ding machen und ihre „hood“ mitbringen, die Leute aus ihrer Clique, ihrer Nachbarschaft, ihrer Straße, ihrem Viertel.

Die Revolution ist allerdings dann doch nicht ausgebrochen auf den Bühnenbrettern der Komödie. Denn vor die Premiere hat auch das Kulturestablishment die harte Arbeit gestellt, und in der Zusammenarbeit mit Choreograph Daniel Zaboj (siehe Interview) haben diejenigen, die durchgehalten haben und dabeigeblieben sind, schnell gemerkt, dass Erfolg und Authentizität so nahtlos nicht zueinanderpassen. „Body talks“ wirkt denn zwar keineswegs angestaubt oder inaktuell – etwas anpassen müssen hat man sich aber schon. So kam ein locker verbundenes Sammelsurium auf die Bühne: Von Amy Winehouse bis Michael Jackson, von Rap und Soul bis Rock und Hip-Hop gab es da manches – und immer wieder wurde viel synchron getanzt, wurde gezeigt, dass die Jungs und Mädels aus der „Subkultur“ lernbegierig sind und eifrig dabei waren, wurden Timing und abgezirkelte Bewegungen in den Vordergrund gestellt – die man doch aus dem Begleitprogramm jeder halbwegs erfolgreichen Band ganz gut kennt. Und wenn die „gelernten“ Tänzer, die Leute vom „echten“ Ballett dazukamen, konnte man schön vergleichen, wer da was besser kann. Auch da allerdings gab’s kaum eine Überraschung: Natürlich bewegen sich die einen fließender, gleichmäßiger, schwebender, natürlich können die anderen auf einer Hand hüpfen, einen Salto von der Bühne springen, sich auf dem Kopf drehen und manches mehr.

Es fällt schwer, zu kritisieren, was da mit viel Engagement und Goodwill auf die Bühne gestellt wurde. Denn es wird mit erkennbar viel Spaß und Freude präsentiert, erkennbar haben alle Beteiligten ihr Bestes gegeben, erkennbar wurde bis zur letzten Minute hart gearbeitet. Und natürlich hat man den „Rap for Peace“-Produktionen neben dem künstlerischen Ziel auch noch eine ganze Menge Zusatzaufgaben und Erwartungen aufgebürdet. Im Kooperationsprojekt von Jugendring und Stadttheater soll die Straßenkultur auf die etablierte Bühne, sollen die Kids aus der Vorstadt und die „bildungsfernen Schichten“ ins Publikum geholt werden, Migrantenkinder sollen erleben, dass sie ernst genommen und anerkannt werden. Doch so schön diese Anerkennung ist – hier liegt auch der Hund begraben: Anerkannt wird eben nur, was sich anpasst. Wenn aber aus Straßenkultur Bühnenkultur wird, kann erstere ganz schnell ihre Glaubwürdigkeit verlieren – und damit auch ihre Verankerung in der Szene, der sie ihre Ent- und Bestehen verdankt. So gräbt sich eine Kultur ihre Wurzeln ab.

Was für die Straßenkultur kein Schaden sein muss – die sucht sich eh ständig neue Betätigungsfelder, Themen, Strukturen, Formen. Die „Etablierten“ allerdings bleiben in diesem Spiel immer die Dummen: der Igel „Subkultur“ ist stets schon dort, wohin der Hase Stadttheater sich gerade auf den Weg macht. Kein Wunder also, dass sich die Produktion am Schluss einen ganz dicken Hinweis auf die wahren Verhältnisse erlaubt: Da wird der Choreograf in ein kleines Becken gestellt und muss sich von seinen Jungs „anpissen“ lassen. Bildlich nur, keine Sorge! Aber so ironisch wie deutlich lässt Daniel Zaboj sich sagen: du kannst uns mal, wir machen auch weiterhin unser eigenes Ding. Und nur das kann eigentlich das Ziel sein: Dass die Subkultur ihr eigenes Ding macht. Und dass die Akteure merken, dass wir das gut finden.

Body talks gibt’s nochmal am 9. Dezember um 19 Uhr in der Komödie.

» Choreograf Daniel Zaboj im Interview

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