KARO [10]: Fünf Monate Aufbruch – und danach?
Fünf Monate Zwischennutzung, über sechzig beteiligte Initiativen und ein durchgehend volles Programm: Die Stadt Augsburg bewertet das Projekt KARO [10] im ehemaligen Kaufhaus Rübsamen als Erfolg. Doch bei aller Euphorie bleibt eine zentrale Frage offen: Was folgt daraus für die Zukunft der Innenstadt?
Von Bruno Stubenrauch
Fünf Monate lang ein Ort der Begegnung: KARO [10] in der Karolinenstraße (Foto: DAZ)Von November 2025 bis Ende März 2026 diente KARO [10] als offener Raum für Kultur, Bildung, Soziales und Kreativwirtschaft. Von Hip-Hop-Workshops über öffentliche Chorproben bis hin zu Stadtentwicklungsdebatten entstand ein vielfältiger, niedrigschwelliger Begegnungsort. Die Bandbreite der Formate zeigt: Der Bedarf an frei zugänglichen Räumen ist groß – ebenso wie das Interesse, diese aktiv zu bespielen.
Belebter Leerstand – Impulse für die Karolinenstraße
Auch stadtentwicklungspolitisch sieht sich die Stadt bestätigt. Temporäre Nutzungen wie KARO [10] könnten neue Dynamiken erzeugen, unterschiedliche Zielgruppen anziehen und bislang wenig frequentierte Lagen beleben. Mit dem geplanten Einzug des Staatstheaters Augsburg in ein gegenüberliegendes Gebäude wird diese Entwicklung zusätzlich verstärkt. Perspektivisch soll eine kulturelle Achse zwischen Rathausplatz, Karolinenstraße und Theaterviertel entstehen.
Erfolgsmodell mit offenen Fragen
KARO [10] ist nach „max neu[n]“ bereits die zweite erfolgreiche Zwischennutzung im Zentrum. Die Stadt signalisiert daher Offenheit für weitere Projekte dieser Art und ruft Eigentümer dazu auf, Leerstände temporär zur Verfügung zu stellen.
Doch genau hier setzt die Kritik an: Zwischennutzungen schaffen zwar Aufmerksamkeit – lösen aber nicht das strukturelle Problem dauerhaft leerstehender Immobilien. Ohne langfristige Perspektiven droht der Effekt punktuell zu bleiben.
Zwischen Signalwirkung und Realität
Das Projekt hat gezeigt, welches Potenzial in offenen Räumen steckt: kulturelle Teilhabe, neue Netzwerke und eine sichtbare Belebung der Innenstadt. Gleichzeitig macht KARO [10] deutlich, wie sehr solche Impulse von zeitlicher Begrenzung geprägt sind. Die entscheidende Frage lautet daher weniger, ob Zwischennutzung funktioniert – sondern, wie aus temporären Erfolgen dauerhafte Strukturen entstehen können.




