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Freitag, 24.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Verkehr

„Der B-Plan 500 widerspricht nicht der Philosophie unseres Entwurfs“

Wettbewerbssieger, Ideengeber für den Bebauungsplan 500, Protagonist der Architekteninitiative gegen den Tunnel: Keiner in Augsburg ist derzeit in Sachen moderner Städtebau und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum gefragter als Eberhard Wunderle. DAZ-Herausgeber Siegfried Zagler sprach zwei Tage vor dem Kö-Bürgerentscheid mit dem Architekten über die Philosophie seines Stadt-Entwurfs und seine Visionen zum Königsplatz und Augsburg-Boulevard.

DAZ: Herr Wunderle, Sie sind der federführende Architekt des Siegerentwurfs des Ideenwettbewerbs, auf dessen Grundlage der jetzige Königsplatz-Umbau geplant wurde. Kann man beides so sagen, oder ruft das Ihren Widerspruch hervor?

Eberhard Wunderle: Ich würde mich eher als offiziellen Vertreter und Sprecher einer Planungsgemeinschaft von ca. 20 Architekten und Ingenieuren sehen, bestehend aus meinem Büro Wunderle Architekten, Stumpf+Wolfinger Architekten, dem Verkehrsplaner Hans Billinger und der Landschaftsarchitektin Julia Zimmer. Der zweite Teil stimmt.

Eberhard Wunderle unterwegs gegen den Tunnel: auf der Straße ...

Eberhard Wunderle unterwegs gegen den Tunnel: auf der Straße ...


DAZ: Was stört Sie an der konkreten Planung, anders gefragt: Worin widerspricht der Bebauungsplan 500 der Philosophie Ihres Entwurfs am meisten?

Wunderle: Der B-Plan 500 widerspricht nicht der Philosophie unseres Entwurfs. Die Grundpfeiler wie autofreier Königsplatz, der Augsburg-Boulevard, die Grünaufwertung, die Verkehrsverlagerung und die Gestaltung des Königsplatzes entsprechen in ihren Grundzügen unserem Entwurf.

DAZ: Stimmt es dann noch, wenn Sie zitiert werden, dass der Bebauungsplan 500 am Kö zu 90 Prozent umsetze, was Sie im Siegerentwurf vorzeichneten?

Wunderle: Man kann das nicht in Prozent ausdrücken. Der Königsplatz ist nur ein kleiner Teil eines großräumigen Gesamtkonzeptes. Dieses kann weder finanziell, noch rechtlich, noch logistisch innerhalb kurzer Zeit umgesetzt werden, sondern erfordert jahrelange Planungen und Vorbereitungen. Bis zur gesamten Realisierung sind Provisorien und Kompromisse hinzunehmen, die vielleicht nicht schön sind, über die wir uns nicht freuen mögen, die aber notwendig sind um das Projekt überhaupt beginnen zu können.

„Die Differenzierung der Städte erfolgt über Kultur und nicht über geschickte Verkehrsführung“

DAZ: Herr Wunderle, ich habe Ihnen am vergangenen Sonntag als „Wahlkämpfer“ für den Bebauungsplan 500 ein wenig zugehört. Sie sprachen davon, dass der Königsplatzumbau nur der erste Schritt wäre für eine langfristige, moderne Stadtplanung. Was verstehen Sie darunter?

Wunderle: Der Königsplatz ist nur der erste Schritt einer Stadtentwicklung, für die unser Entwurf zum Ideen-Wettbewerb die Basis ist. Diese Ideen müssen schrittweise realisiert und den zukünftigen Entwicklungen folgend weiter entwickelt und fortgeschrieben werden. Moderner Städtebau bedeutet für uns unter Anderem:

– Schönheit und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, Orte für Kommunikation.

– Umweltschutz mit durchgrünten Straßen und Rückzugsräumen, weniger Feinstaub, CO2 und Verkehrslärm.

– Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer, mehr Platz für Fahrräder und Fußgänger.

– Sicherheit für alle Bürger, besonders die Schwachen wie Alte und Kinder. Raum zum Wohnen und Spielen, reine Gewerbeviertel sind tote Viertel.

DAZ: „Die Differenzierung der Städte erfolgt über Kultur und nicht über geschickte Verkehrsführung“. Wissen Sie, wer diesen Satz gesagt hat?

Wunderle: Nein.

DAZ: Götz Beck, Augsburgs Tourismusdirektor, der sich gegenüber der DAZ als differenzierter Tunnelgegner geoutet hat, aber so richtig nicht damit an die Öffentlichkeit wollte. Inwiefern ist in Ihrem städtebaulichen Entwurf für Augsburg eine kulturelle Wertschöpfung vorgesehen?

Wunderle: Die Wertschöpfung ist vielfältig, ein konkretes Zeichen ist das Zentrum mit Königsplatz und dem Augsburg-Boulevard, vom Theodor-Heuss-Platz bis zum Klinkertorplatz. Wir haben hiermit als kulturelles Erbe eine imposante ehemals vollständig begrünte Stadtachse geschenkt bekommen, die zu einer reinen Autopiste verkommen ist. Wir wollen den Augsburgern die einzigartige Qualität dieses Stadtraumes zurück geben.

DAZ: Lassen Sie mich doch noch mal konkret nach ihren Visionen fragen. Was könnte der autofreie Königsplatz in ihrem Sinn im besten Fall für die Stadt bewirken?

... und auf dem Podium

... und auf dem Podium


Wunderle: Augsburg ist eine – Gott sei Dank – noch wachsende, sich entwickelnde Stadt. Diese Stadt braucht ein wachsendes Zentrum. Augsburgs urbanes Zentrum ist zusammensetzt aus der mittelalterlichen kleinteiligen Unterstadt mit der Alternativ- und Kneipenszene, der Touristikachse Maximilianstraße mit ihrer Renaissance- und Barock-Architektur und dem Geschäftszentrum im Bereich der Fußgängerzone.

Unsere Vision ist, dass Königsplatz und Augsburg-Boulevard zusammen mit dem neuen Bahnhof den Empfangsbereich für seine Besucher bilden, die mit der Bahn, Trambahnen und Bussen kommen, mit seinen Parkhäusern für die Autofahrer und den verkehrsberuhigten Bereichen für Fußgänger und Radfahrer. Sie sollen nicht auf einer Kreuzung oder Rampe ankommen, sondern in einem belebten, sicheren und kommunikativen Stadtraum, der sowohl grün als auch urban gestaltet ist und zum Verweilen einlädt.

„Der Bypass ist überflüssig wie ein Kropf“

DAZ: Glauben Sie denn wirklich, dass durch den autofreien Königsplatz ohne Tunnel weniger Autoverkehr durch die Innenstadt fährt? Wird es nicht eher so sein, dass sich die 25.000 Autos, die derzeit über den Königsplatz fahren, einfach auf den Graben sowie auf die dann gegenläufige Schaezler- und Schießgrabenstraße verteilen?

Wunderle: Wir glauben, dass in Zukunft weniger Autos durch die Innenstadt fahren. Der Ausbau des ÖPNV-Netzes, der Fahrradwege, Maßnahmen zur Verkehrsverlangsamung, der Ausbau der Entlastungsstraßen machen die reine Durchquerung der Stadt uninteressant und werden zu erheblicher Reduzierung führen.

DAZ: „Der Bypass ist überflüssig wie ein Kropf“, sagten Sie seinerzeit als die SPD-Idee noch im Stadtrat abgeschmettert wurde. Jetzt heißt der Bypass „vorläufige Entlastungsstraße“ und die ist tatsächlich in den Bebauungsplan 500 eingewebt worden. Wie stehen Sie dazu?

Wunderle: Die vorläufige Entlastungsstraße ist, soweit wir wissen, nicht Teil des B-Plans 500. Sie ist von uns nicht gewünscht und unseres Erachtens nicht notwendig.

DAZ: Herr Wunderle, vielen Dank für das Gespräch.

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Fragen: Siegfried Zagler.

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