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Mittwoch, 22.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Monty Python’s Spamalot: „Always look on the bright side of life“

Schlechte Vorzeichen für die Frei­licht­­bühnen­­saison: Die Produktion „Monty Python’s Spamalot“ musste wegen der Schließung der Frei­licht­bühne am Roten Tor kurz­fristig verlegt werden. Und wieder mal erwies sich das Augsburger Theater als Meister der Improvisations­kunst und „zauberte“ eine Ersatz­spiel­stätte aus dem Hut. Monty Python auf dem Gaswerk-Areal hat Charme und kommt beim Publikum an.

Von Halrun Reinholz

König Artus und die farbenfrohen Ritter der Tafelrunde, v.l.: Johan Vandamme, Patrick L. Schmitz, Mehdi Salim, Hannes Staffler, Marina Lötschert, Florian Gerteis

Um König Artus, seine Tafelrunde und die Suche nach dem heiligen Gral geht es in dem Monty-Python-Film, der als Vorlage für das Musical „Monty Python Spamalot“ dient. Die Filme der legendären Komikergruppe Monty Python aus den 1970er Jahren mit britischem Nonsense-Humor haben Kultstatus. Monty-Python-Mitglied Eric Idle hat aus dem Artus-Film „Die Ritter der Kokosnuss“ ein bühnentaugliches Musical gemacht, ihm aber noch einen musikalischen Hit aus dem Film „Das Leben des Brian“ beigefügt: „Always look on the bright side of life“. Fast könnte man meinen, das Augsburger Theater hätte das Stück ausgewählt, um seine viel erprobte Stehaufmännchen-Situation in Monty-Python-Manier selbstironisch darzustellen. Zumindest wird das Lied als „Singalong“-Angebot in der Aufführung hymnenartig zelebriert. Wie auch immer, die Botschaft an das Publikum zum Ende der Spielzeit lautet eindeutig: Den Spaß an der Kunst lassen wir uns nicht nehmen.

Zunächst muss sich das Publikum an die neuen örtlichen Gegebenheiten gewöhnen: Industrie-Ambiente statt Mittelalter-Kulisse. Die Tribüne ist breit und geht steil hoch. Befürchtungen wegen schlechter Sicht in den ersten Reihen zerstreuen sich schnell, denn das Bühnenbild wird auf drei Ebenen bespielt und man hat alles sozusagen auf komfortabler Augenhöhe.

Die Fee aus dem See und König Artus mit dem gefundenen Gral: Katja Berg, Patrick L. Schmitz (Fotos: Jan-Pieter Fuhr)

Von Anfang an sind die Zu­schauer Teil der Auf­füh­rung, denn noch vor dem offi­zi­ellen Beginn steht die „Fee aus dem See“ (Katja Berg) mit dem Fern­glas auf der Bühne, um den pas­sen­den Mann für sich zu suchen. Nach eini­gen Ver­wer­fungen wird sie schließ­lich fündig und holt „Dieter“ (Patrick L. Schmitz) auf die Bühne, der schnell­stens zum König Artus mutiert und sich mit der Hilfe seines Knappen „Patsy“ (Johan Vandamme) auf die Suche nach Gefolg­schaft für die Tafel­runde und schließ­lich auf die Suche nach dem hei­li­gen Gral macht. Auf nicht vor­han­denen Pfer­den reiten die edlen Herren unter dem Ge­klapper von Kokos­nuss-Hälf­ten grazil durch die Lande. Skur­rile Aben­teuer und absurde Begeben­heiten wechseln sich in schneller Folge ab und sorgen im Publikum meist für ungebremste Heiterkeit.

Das liegt vor allem an den versierten Haupt­dar­stellern, die zum Teil immer wieder auf der Augsburger Freilicht­bühne ihr Gastspiel gaben und hier meist in wech­selnden Rollen auftreten: Florian Gerteis (Sir Robin, auch wunderbar als Bruder Maynard), Marina Lötschert (Sir Lancelot und Mutter von Sir Galahad), Hannes Staffler (elegant mit Föhn-Locke als Sir Galahad, herrlich auch als Schwarzer Ritter), Mehdi Salim (als ängstlich-inkonti­nenter Sir Bedevere) und die äußerst wandelbare Stephanie Marin in mehreren Rollen. Unter­stützt werden sie von einem Musical­ensemble aus Studenten der Everding-Akademie, dem heimischen Ballett­ensemble, dem Opernchor und der Statisterie und zusammen zeigen sie sich jeder irrwitzigen Situation mit komischem Potenzial gewachsen. Auch das Publikum wird bei der Suche nach dem heiligen Gral gefordert, denn der Fingerzeig Gottes (dem der allen FCA-Fans wohl­bekannte Radio­moderator Rolf Störmann seine sonore Stimme leiht) weist auf die Zuschauer­tribüne. Und selbst­ver­ständlich gibt es zum Schluss auch ein Happy-End für die Fee aus dem See, auch wenn diese da noch etwas nachhelfen muss.

Ein herrlicher Klamauk für Monty Python- und Comedy-Fans. Aber die Insze­nierung ist viel­schichtig genug, um nicht in plattem Slapstick zu verblöden. Zwar kommt der Sprachwitz des britischen Humors nur ungenügend in der deutschen Version an und vieles, was in den 1970ern als witzig empfunden wurde, musste dem heutigen Zeitgeist gemäß wohl „geglättet“ werden. Doch die Berliner Regisseurin Anna Weber zeigt einen unver­krampften Umgang mit Tabus. Es gelingt ihr, Klischees zu durch­brechen und ad absurdum zu führen, Geschlechter­rollen infrage zu stellen und umzukehren, ohne einen moralischen Zeigefinger zu heben und auch ohne sich in peinlicher Korrekt­heit zu verstricken. Der Ritter „Frauenquote“, ein Regie-Gag in knallig-gelbem Outfit, hat keine Chance, in die Tafelrunde aufgenommen zu werden, aber Sir Lancelot darf sich fröhlich als Frau outen.

Bemerkenswerterweise ist das Regie-Team überwiegend weiblich. Das Bühnenbild mit See und sehr wandelbarem Ritterhelm im Hintergrund kommt von Sina Manthey, die knalligen Kostüme in kräftigen Farben von Laura Kirst, Choreo­grafin ist Helena Sturm. Die Musik unter der Leitung von Sebastiaan van Yperen harmoniert beschwingt und gut gelaunt mit dem Geschehen auf der Bühne. Monty Python Spamalot ist ein Spaß für einen schönen Sommerabend, den das Premieren­publikum mit begei­stertem Applaus quittierte.