DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 12.08.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Aktion

„Handlungsstörer“: Welche Kosten auf Martin Sellner zukommen

Viele Autofahrer haben es schon erlebt: Zusätzlich zum Bußgeld berechnet die Verwaltungsbehörde Gebühren und Auslagen für ihr Tätigwerden. Ähnliches droht auch dem Aktivisten und Autor Martin Sellner, den die Stadt Augsburg per Bescheid mit einem Betretungsverbot für das Stadtgebiet belegt hatte.

Die Rechtsgrundlagen unterscheiden sich allerdings. Bei Bußgeldverfahren ist das Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (OWiG) maßgeblich. Die Gebühr richtet sich nach der Höhe der Geldbuße: Sie beträgt fünf Prozent davon, mindestens jedoch 25 Euro. Zusätzlich werden für jede Zustellung pauschal 3,50 Euro als Auslagen berechnet. So addieren sich zu einem Bußgeld von beispielsweise 55 Euro weitere 28,50 Euro.

Im Fall Martin Sellner ist das Kostengesetz (KG) Rechtsgrundlage. Es legt fest, dass Ämter Gebühren fürs Tätigwerden berechnen können. Zur Zahlung verpflichtet ist, wer die Amtshandlung veranlasst hat. „Als Handlungsstörer ist Herr Martin Sellner Veranlasser der Amtshandlung und zur Zahlung der Kosten verpflichtet“, so die Stadt in ihrem Bescheid, mit dem sie das Betretungsverbot für den 1. Juli 2025 erlassen hat. Die Höhe der Gebühr für eine sogenannte „Anordnung für den Einzelfall“ darf 15 bis 600 Euro betragen. Die Stadt Augsburg hat sich mit 300 Euro in die Mitte gelegt.

„Trickli“ bleiben gratis

Polizeieinsatz bei der Fake-Lesung nahe des Roten Tors

Martin Sellner hat allerdings nicht nur den Bescheid der Stadt Augsburg veranlasst, sondern auch Polizeieinsätze in nicht unerheblichem Umfang. Im Vorfeld seiner in Augsburg beabsichtigten Lesung aus seinem Buch „Remigration – ein Vorschlag“ hatte er nämlich angekündigt, das Betretungsverbot missachten zu wollen und zahlreiche „Trickli“ in petto zu haben. Die Polizei sah sich deshalb veranlasst, die Einhaltung des Verbots zu kontrollieren und durchzusetzen.

In der Folge kam es am 1. Juli zu einem Katz- und Mausspiel (DAZ berichtete): In den sozialen Netzwerken Telegram und X tauchten Videos auf, die den neurechten Aktivisten mit Begleitern an verschiedenen Orten in Augsburg zeigten. Die waren allerdings schon am Vortag gedreht worden. Eine gut getimete Vermischung mit Livevideos der Begleiter, aber ohne Martin Sellner, vermittelte in der Summe den Eindruck, die untersagte Lesung würde tatsächlich nahe des Roten Tors stattfinden. Ein Polizeieinsatz am Fake-Veranstaltungsort verlief entsprechend ergebnislos. Die echte Lesung fand fast zeitgleich außerhalb von Augsburg statt.

„Ureigene hoheitliche Aufgabe der Polizei“

Wie Polizeihauptkommissar Markus Trieb vom Polizeipräsidium Schwaben Nord auf Anfrage mitteilte, bleiben die durch Martin Sellners „Trickli“ ausgelösten Polizeieinsätze allerdings finanziell für ihn folgenlos: „Die Durchsetzung und gegebenenfalls Kontrolle des Betretungsverbots ist eine ureigene hoheitliche Aufgabe der Polizei und somit zunächst nicht kostenpflichtig“, so Markus Trieb. Auch die reine Polizeipräsenz sei nicht kostenpflichtig, da diese der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung diene. Kostenpflichtige Amtshandlungen wären allenfalls bei einer Zuwiderhandlung gegenüber dem Bescheid und gegenüber polizeilichen Anweisungen entstanden, z.B. durch Anwendung unmittelbaren Zwangs.

Polizeieinsatz am P+R Augsburg Nord – Fotos: Telegram-Kanal Martin Sellner

Auch die Gegendemonstranten, die am Treffpunkt P+R Augsburg Nord mit einem Antifa-Transparent auf die Lesungsteilnehmer zugestürmt waren und von der Polizei auf- und festgehalten wurden, werden wohl keine Einsatzkosten bezahlen müssen. Bei der Anwendung von unmittelbarem Zwang zur Störungsbeseitigung werde zwar generell eine Kostenerhebung geprüft, so Markus Trieb. Bei einem Sicherheitsgewahrsam, beispielsweise zur Verhinderung weiterer Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten, könnten aber keine Kosten geltend gemacht werden, so der Polizeihauptkommissar.

gesamten Beitrag lesen »



Klimaanpassung Rathausplatz: Bürgerbeteiligung gestartet

Die Stadt Augsburg plant Maßnahmen zur Klimaanpassung am Rathausplatz. Bürgerinnen und Bürger können bis 1. August online auf der Plattform „Mach mit, Augsburg“ ihre Nutzung und Wünsche auf einer Karte eintragen. Die Rückmeldungen fließen in eine Machbarkeitsstudie des Stadtplanungsamts ein. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität durch z.B. mehr Schatten zu verbessern. Erste Konzepte sollen Frühjahr […]

gesamten Beitrag lesen »



Autor Martin Sellner narrt Stadt Augsburg

Der österreichische Buchautor Martin Sellner hatte für den 1. Juli eine Lesung aus seinem Buch „Remigration – ein Vorschlag“ angekündigt. Die Stadt Augsburg hatte ihm daraufhin für den 1. Juli ein Betretungsverbot erteilt. Martin Sellner hatte wiederum angekündigt, trotz des Verbotes Augsburg besuchen zu wollen. Das war der Ausgangspunkt für ein Katz- und Mausspiel, das […]

gesamten Beitrag lesen »



Blaulicht trifft Bürger: Sicherheitstag 2025 in Oberhausen

Am Samstag, den 2. August, findet von 11 bis 15 Uhr auf dem Helmut-Haller-Platz in Augsburg-Oberhausen zum dritten Mal nach 2023 und 2024 der Augsburger Sicherheitstag statt. Von Bruno Stubenrauch Symbolbild Der Augsburger Sicherheitstag ist ein Format, das darauf abzielt, die Sicherheitslage in der Stadt transparent zu machen und den Bürgern Informationen und praktische Tipps […]

gesamten Beitrag lesen »



Segel setzen für die Opfer der Augsburger Kolonialgeschichte

Im Schulterschluss zwischen der Werkstatt Solidarische Welt und der Universität Augsburg (Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung) wurde das unzeitgemäße Narrativ der Augsburger Kolonialgeschichte im Rahmen des 375. Jubiläums des Augsburger Friedensfests korrigiert. Von Udo Legner Verharmlosung, Einseitigkeit, Glorifizierung – diese Begriffe beschreiben den bisherigen Blick auf die Augsburger Kolonialgeschichte im öffentlichen Raum. Prägnantes Beispiel: […]

gesamten Beitrag lesen »



Integrationsbeirat lädt ein zum Sommerfest

Am Samstag, den 28. Juni 2025, lädt der Integrationsbeirat der Stadt Augsburg herzlich zum großen Sommerfest auf dem Rathausplatz ein. Von 11:00 bis 18:30 Uhr wird die Innenstadt zu einem lebendigen Treffpunkt, an dem sich alles um Begegnung, Austausch und kulturelle Vielfalt dreht – ein Fest, das sich Besucherinnen und Besucher nicht entgehen lassen sollten. […]

gesamten Beitrag lesen »



Nie wieder ist jetzt! – Gedenken zum 9. November

Am 9. November erinnert ein Bündnis aus Grüner Jugend, Jusos, Volt und Jungen Liberalen in Augsburg an die Opfer der Reichs­pogrom­nacht und die sechs Millionen Menschen, die im Holocaust ermordet wurden, darunter auch viele Augsburger. Die Gedenk­veranstaltung beginnt um 17.00 Uhr am Roten Tor, von wo aus verschiedene Erinnerungs­bänder in der Innenstadt besucht werden. Um […]

gesamten Beitrag lesen »



Eine Liebeserklärung an Europa – das Erasmus-Projekt der Werkstatt Solidarische Welt

Die Werkstatt Solidarische Welt, die im nächsten Frühjahr bereits ihr 45. Jubiläum feiert, begab sich auf neues, internationales Terrain und stellte sich einer neuen Herausforderung. Erstmals koordinierte sie ein sogenanntes Small Scale Erasmus Project mit Partnern in Frankreich (Rodez), Rumänien (Suceava) und Spanien (Murcia) sowie für die Augsburger Waldorfschule. Ambitionierter Titel dieses zweijährigen Kooperationsprojekts: Solidarisch für […]

gesamten Beitrag lesen »



Faire Kaffee-Challenge im Weltladen

Anlässlich des bundesweiten Weltladentags veranstaltet die Steuerungsgruppe „Fairtrade-Stadt Augsburg“ am Samstag, den 11. Mai ab 11 Uhr eine besondere Aktion: eine Wette zwischen Stadträtinnen und Stadträten und den ehrenamtlichen Kaffeeröstern des Weltladens. Ziel ist es, innerhalb von drei Stunden mehr Kaffee zu verkaufen, als in derselben Zeit im Weltladen geröstet werden kann. Die Initiative bietet […]

gesamten Beitrag lesen »



Der Hingucker beim Augsburger Europatag: Der Flashmob der „Omas for Future“

Bislang hatte die Augsburger Omas für Future Initiative vornehmlich durch ihre Website omasforfuture.de und auf Demos auf sich aufmerksam gemacht. Dann wurde in der AZ über die Gründung der Regionalgruppe berichtet und eine Aktion zur EU-Wahl angekündigt. Beim Europatag auf dem Augsburger Rathausplatz bildeten die Omas (und Opas) nun Europas Gefolge, die mit ihrem Stier […]

gesamten Beitrag lesen »