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Dienstag, 23.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Theater

Opernball: No business like show business

Für eine Nacht verwandelte sich das Theater in die Glamour-Welt von Hollywood

Von Halrun Reinholz



Im Theater dominiert die Illusion und  als Höhepunkt aller Scheinwelten gilt die Filmfabrik Hollywood. Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass der Opernball 2016 sich diese Welt zum Motto genommen hat: Show um jeden Preis, Tanz auf dem Vulkan. Es war der vorletzte Opernball, der letzte wird 2017 im Zeichen des Abschieds stehen. Abschied vom Großen Haus, das dringend saniert werden muss. Ein umstrittenes Thema in der Stadtgesellschaft, deshalb schwor Juliane Votteler in ihrer Begrüßungsrede die Ballgäste eindringlich darauf ein, verwies auf die unzumutbaren Bedingungen für die Mitarbeiter und hofierte den Ehrengast Markus Söder, als Finanzminister des Freistaats nicht unerheblicher Geldgeber für das Projekt, gekonnt und plakativ. In den Reihen der Anwesenden dürfte sie kaum mit Widerstand zu rechnen haben. Auch Buttons mit der sinnigen Aufschrift „thejater“ tauchten zu dieser passenden Gelegenheit auf.

Bekenntnis zum Theater in der Stadt

Die Teilnahme am Opernball ist nicht nur ein gesellschaftliches Ereignis, sondern ein Bekenntnis zur Institution Theater vor Ort. Genau mit diesem Ziel hat Juliane Vottelers Vorgänger Ulrich Peters vor 16 Jahren das Große Haus zum ersten Mal für das Ballpublikum geöffnet – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn außer dem üblichen Zuschauerbereich stehen beim Opernball auch die sonst verborgenen Räume zur Verfügung: Die Hinterbühne ebenso wie die verschlungenen Gänge und Treppen zu den Probe- und Werkstatträumen. Der Ballbesucher fühlt sich als Entdecker von Nischen und Ecken, die bei allem Wiedererkennungswert auch nach 16 Jahren Geheimnisvolles zu bieten haben. Schuld daran ist der geniale Ausstattungsleiter Wolfgang Buchner, der sich passend zum Motto jedes Jahr für den gesamten Ballbereich eine künstlerisch aufwendige und hintersinnige Deko einfallen lässt.

Ein Fest der Rituale

In diesem Jahr ließ das Motto Hollywood auf der Probebühne II eine Marylin Monroe Bar entstehen, wo man unter den überdimensionalen Beinen des Hollywood-Stars Simeon`s Jazzboutique lauschen konnte. Das war so ziemlich der ruhigste Aufenthaltsort während des Balls. Tanzfrei war sonst nur noch die Kantine, wo Harry Alt mit seinem Jazz-Trio unverstärkt  Dinner-Musik zum besten gab. An allen anderen Orten stand, wie es sich für einen Ball gehört, das Tanzen im Mittelpunkt: Klassisch nach Wiener Vorbild im Großen Saal, inklusive Mitternachtsquadrille – zunächst mit den Augsburger Philharmonikern, danach etwas flotter mit dem Salonorchester Frank Lippe. Im Eingangsbereich und den diversen Foyers, im Malsaal, Ballettsaal und im Hoffmannkeller – überall drängten sich Tanzpaare. Die Ballveranstalter setzten aufs Bewährte, die selben Bands wie im letzten und meist auch in den vorherigen Jahren. Opernball ist nicht zuletzt ein Fest der Rituale.

Hohe Kunst: Show durch alle Sparten

Gespannt ist der Besucher jedes Jahr vor allem auf das Eröffnungsprogramm des Theaterensembles, das passend zum Motto des Abends in die Glamour-Welt Hollywoods entführte. Auch hier die bewährte Handschrift der Musikdramaturgin Marlene Hahn, die zwar mittlerweile in Graz arbeitet, aber für diese Aufgabe eigens an ihren einstigen Wirkungsort  Augsburg gekommen war. Passenderweise gab es viel Filmmusik in Form verschiedener Medleys (Western, Starlett, Blockbuster) und Kostüme mit Erkennungswert – von Charlie Chaplin über Marylin Monroe, die Sister-Act-Nonnen, Pink Panther, die Piraten der Karibik bis hin zu Bernd das Brot. Für den Show-Effekt sorgte vor allem das Ballettensemble mit spektakulären Choreographien, aber auch der Opernchor zeigte hautnah Witz und Können bei der kongenialen Begleitung der großartigen Gesangsbeiträge. In das rein musikalische Programm waren auch diesmal wieder erstaunlich viele Schauspieler eingebunden, womit die Vielseitigkeit und das Spartenübergreifende eines gewachsenen Ensembles demonstriert wurde. Die hochkarätige, spritzige Show wurde dem „Anspruch Hollywood“ ohne Wenn und Aber gerecht. Ein besonderes Schmankerl des Opernballs ist jedes Jahr das (ebenfalls musikalische) Kurzprogramm des Schauspielensembles im Malsaal. Da der Geheimtipp inzwischen keiner mehr ist, läuft man Gefahr, den Malsaal wegen Überfüllung gar nicht erst zu erreichen. Kenner sind zeitig vor Ort und warten bei einem Cocktail geduldig auf den Beginn der Vorführung. Enttäuscht wurde man auch diesmal nicht: Die vier Schauspielerinnen und drei Schauspieler des Ensembles boten mit der Tarantino-Headline „From Dusk till Dawn“ eine pointierte musikalische Revue mit Witz und Hintersinn zum Show-Business.

Verlässliche Rituale

Zu den Ritualen des Opernballs gehört auch das Flanieren, das Zurschaustellen von Kleidern, das Erkennen von Stadtprominenz aus Politik und Wirtschaft. Dass viele davon das Theater und speziell den Opernball finanziell unterstützen, wurde vom Ensemble auch in diesem Jahr wieder mit einem Sponsoren-Song gewürdigt (zur Melodie von Puttin‘ on the Ritz). Natürlich ist der Opernball auch ein Jahrmarkt der Eitelkeiten und wenn um Mitternacht das Ball-Journal verteilt wird, hat man die Chance, die Promis im Bild zu sehen, die man im Balltrubel vielleicht übersehen haben sollte. Und wer nach dem Weißwurst-Ritual doch irgendwann nach Hause gehen möchte – in diesem Jahr unter etwas erschwerten Bedingungen im Schneegestöber – kann sich darauf verlassen, dass es wieder das Frühstückskörbchen am Ausgang gibt. Der Opernball ist nach 16 Jahren eine Institution geworden. Nicht zuletzt wegen des gut durchmischten (durchaus nicht nur prominenten) Publikums, das sich im Theater sichtlich zuhause fühlte.

Wenn 2017 vorerst das Finale kommt, liegt die Latte hoch für die künftige Entwicklung dieses Fixpunktes der Stadtgesellschaft. The show must go on.

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