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„Cinema Utopia“: Ein Film über ein Filmfestival

Ein Dokumentarfilm erzählt die Geschichte des Ballmerts­hofer Filmfests und seiner Gründer – Premiere ist am 6. Sep­tember in Starnberg. Aus einem Filmfest in einem kleinen schwä­bischen Dorf ent­wickelte sich über fast fünf Jahr­zehnte ein unab­hängiges Kultur­ereignis mit bis zu 2.000 Besuchern.

Von Bruno Stubenrauch

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„Cinema Utopia“ erzählt die Geschichte des Ballmerts­hofer Filmfests und seiner Gründer, der Geschwi­ster Heida, Udo, Gabi und Beate Legner. Einer von ihnen ist Udo Legner, der heute in Augsburg lebt und vielen DAZ-Lesern aus seiner früheren Tätig­keit als Autor und Augs­burger Stadtrat bekannt sein dürfte. Regisseur Walter Steffen verbindet die Ent­wicklung des Festivals mit den Bio­grafien der Familie und mit den politi­schen und gesell­schaft­lichen Ver­ände­rungen seit den 1950er Jahren. Dabei geht der Film auch der Frage nach, was von den Utopien der 68er-Generation geblieben ist.

Ein Dorf wird zum Festivalort

Das Besondere am Ballmertshofer Filmfest ist dabei nicht allein das Film­programm. Neben den Vor­führungen gehören Film­gespräche, Konzerte, Camping, Yoga, Lagerfeuer und Sport­ver­an­stal­tungen zum Festival. Zum festen Bestand­teil gehört auch das Fußball­spiel zwischen dem Filmfest-Team und der Dorf­gemeinschaft.

Der familiäre und bewusst unpräten­tiöse Charakter soll erhalten bleiben. Udo Legner, einer der Gründer, beschreibt das Festival als „Brücke zwischen Dorf und Stadt“. Menschen mit unter­schied­lichen Inte­ressen kämen hier mit­einander ins Gespräch. „Das ist eine der größten Qualitäten des Festivals“, sagt Legner.

Auch der ländliche Charakter gehört zum Selbst­ver­ständnis des Filmfests. Auf der Festival-Website wird dazu ein Satz des Regisseurs Roland Emmerich zitiert: „Es gibt nur zwei richtige unab­hängige Film­festivals auf der Welt und eines davon findet in Ballmerts­hofen statt.“

Vom Filmfest zur „Cinema Utopia“

Der Dokumentarfilm geht allerdings weit über eine Chronik des Festivals hinaus. „Cinema Utopia“ verbindet die Geschichte des Film­fests mit der Biografie seiner Gründer und mit den poli­tischen und gesell­schaft­lichen Ver­ände­rungen seit den 1950er Jahren.

Wirtschaftswunder und Kalter Krieg, Mauerfall und Wieder­ver­eini­gung, Globali­sierung, Flücht­lings­krisen und Pandemie bilden den histo­ri­schen Hinter­grund. Aus­schnitte aus prägenden Kinofilmen und histo­rische Film­dokumente verbinden die Ent­wicklung des Festivals mit fast sieben Jahr­zehnten Film- und Zeit­geschichte.

Im Zentrum steht dabei die Frage, was von den gesell­schaft­lichen Utopien der 68er-Genera­tion geblieben ist. Die Geschwister Legner wollten Film und Musik als verbin­dende Kräfte in ihr Heimat­dorf bringen. Aus dieser Idee entstand ein Festival, das bis heute auf Gemein­schaft und kultu­rellen Austausch setzt.

Ein Augsburger als Festivalgründer

Einer der vier Geschwister ist Udo Legner. Der Mit­begründer des Filmfests lebt heute in Augsburg und dürfte vielen DAZ-Lesern auch aus anderen Zusammen­hängen bekannt sein. In der vergan­genen Wahl­periode gehörte er drei Jahre lang als Nachrücker für die Grünen dem Augs­burger Stadtrat an. Noch ver­trauter dürfte er vielen Lesern durch seine emotio­nalen Berichte über die Spiele des FC Augsburg sein, die er über Jahre für die DAZ schrieb.

Im Film steht Legner jedoch nicht als Augs­burger Kommunal­politiker oder Fußball­reporter im Mittel­punkt, sondern als einer der Menschen, die das Ballmerts­hofer Filmfest über Jahr­zehnte geprägt haben. Persön­liche Erinne­rungen und Ein­schnitte – darunter der Tod des Vaters und der Verlust seiner Schwester Gabi im Jahr 2023 – gehören ebenso zur Erzählung wie die Geschichte des Festivals.

Premiere in Starnberg

Die Rohfassung des Films konnten einige Mit­glieder des Filmfest-Teams bereits sehen. Die Reaktion fiel laut Legner begei­stert aus. Ursprüng­lich war eine etwa 45-minütige Doku­menta­tion geplant. In der weiteren Arbeit entstand daraus ein Kino-Doku­mentar­film von rund 90 Minuten.

Die Premiere von „Cinema Utopia“ findet am 6. September 2026 um 19.30 Uhr in der Schloss­halle Starnberg beim Fünf Seen Film-Festival statt. Eine weitere Auf­führung ist für das 50. Ballmerts­hofer Filmfest im kommenden Jahr geplant. Der reguläre Kinostart ist für Sommer bezie­hungs­weise Herbst 2027 vorgesehen.

Damit wird aus dem Filmfest, das einst im Schul­saal eines schwä­bi­schen Dorfes begann, selbst ein Stück Kino­geschichte. Und „Cinema Utopia“ stellt eine Frage, die über Ballmerts­hofen hinaus­weist: Ob eine Idee von Gemein­schaft und kultu­reller Ver­ständi­gung, die vor fast 50 Jahren im Kleinen begann, auch in einer von Krisen und gesell­schaft­lichen Spannungen geprägten Gegenwart Bestand haben kann.


Beitragsbild: Screenshot Trailer