DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Freitag, 15.05.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Film

Verschenktes Thema

Filmfest: Hans-Christian Schmidts „wundersame Welt der Waschkraft“

Von Frank Heindl

„Dem einen reichen 1500 Zloty, der andere ist mit 5.000 Euro auch nicht zufrieden.“ So wie der Geschäftsführer der Firma Fliege kann man das Lohngefälle zwischen Deutschland und Polen auch rechtfertigen. In Hans-Christian Schmids Dokumentarfilm über die polnische Wäscherei, in der Berliner Nobelhotels ihre Wäsche säubern lassen hat, gibt es ein paar Momente, in denen der ganze Wahnsinn des globalisierten Wirtschaftens aufscheint. Doch merkwürdigerweise geht der Film diesen Hinweisen nicht nach, verschenkt geradezu sein Thema.

Polnische Wäscherinnen bei der morgendlichen Arbeitsbesprechung - einige von ihnen begleitet Hans-Christian Schmidts Film in ihrem Alltag

Polnische Wäscherinnen bei der morgendlichen Arbeitsbesprechung - einige von ihnen begleitet Hans-Christian Schmidts Film in ihrem Alltag


Stattdessen zeigt sich Schmid vor allem interessiert am Familienleben einiger Wäscherinnen, das, so überraschend ist das nicht, sich vom Leben hierzulande nur wenig unterscheidet: Auch in Polen hat man hat Wohnungs-, Ehe-, Schulprobleme – man hat sie halt auf einem anderen Gehaltsniveau. Dass diese Firma nach rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten, geradezu nach einer Formel aus Zahl der vorhandenen Arbeitskräfte, Energiepreisen, Transportkosten und Lohnniveau, gegründet und geführt wird, wird schnell klar. Der zwangsläufige daraus resultierende Gegensatz zwischen menschlichen und betriebswirtschaftlichen Bedürfnissen scheint manchmal auf, etwa wenn eine Arbeiterin nicht mal zur Hochzeit der eigenen Mutter einen freien Tag bekommt. Schmid macht wenig daraus. Er behauptet, dem Zuschauer ein eigenes Urteil möglich machen zu wollen, macht sich aber nicht die Arbeit, ausreichende Fakten zu liefern. Natürlich sind die Arbeiterinnen froh über ihre Jobs, auch wenn sie schlecht bezahlt werden. Aber mit diesem Argument fängt doch die Diskussion erst an – bei Schmid endet sie hier. Fritz Vogt, beim Filmfest gefeierter Banker aus „Schotter wie Heu“ (die DAZ berichtete) saß im Publikum. „Wenn Sie einen solchen Film machen, müssen Sie eine Idee haben!“, rief er dem Filmemacher Schmid zu. Das traf ins Schwarze und charakterisiert, was derzeit vielen Dokumentarfilmern zu fehlen scheint: der Mut zur eigenen Stellungnahme, eine wenigstens ein bisschen konkretere Vorstellung davon, wovon ein derartiger Film handeln, was er bewirken soll.

» DAZ-Interview mit Hans-Christian Schmid

» www.filmfest-augsburg.de

gesamten Beitrag lesen »



Wenn der Verkehr zum Horror wird

Filmfest: „Home“ holt die Verkehrslawine in den Vorgarten Von Frank Heindl Keine anonyme Macht bricht über das Leben dieser fröhlichen Familie herein, auch kein durchgeknallter Mörder oder sonst ein genreüblicher Wahnsinn macht ihr das Leben zur Hölle. Eine Autobahn ist es, die in ihre Leben eindringt und in wenigen Tagen aus der Idylle am Stadtrand […]

gesamten Beitrag lesen »



Ein hochsympathischer Sturkopf

„Schotter wie Heu“ blamiert jeden Banker – außer einem Von Frank Heindl Gäbe es einen entsprechenden Wettbewerb bei den Tagen des unabhängigen Films, Fritz Vogt hätte sicher große Chancen, zum sympathischsten Gast der Filmtage gewählt zu werden. Das hat er einem wunderbaren Film der Regisseurinnen Siegrun Köhler und Wiltrud Baier zu verdanken. Die beiden haben […]

gesamten Beitrag lesen »



Die radikale Lösung

„Louise hires a contract killer“ – grausame Rache am Chef Mit welcher Nonchalance und Schnodderigkeit in diesem Film auch harmlose Unschuldige ins Jenseits befördert werden – selbst Quentin Tarantino müsste sein Vergnügen daran haben. „Louise hires a contract killer“ ist eine lustige Trash-Komödie und liefert den radikalsten Lösungsansatz, den das Filmfest zu den Themen Globalisierung […]

gesamten Beitrag lesen »



Schöne Bilder, wenig Inhalt

„Terra Madre“ romantisiert die Landwirtschaft, viel mehr kommt nicht rüber Was „Terra Madre“ eigentlich ist, erfährt der Zuschauer leider nicht. Ist die Organisation Teil der „slow food“-Bewegung? Wird sie von Regierungen unterstützt? Wer kann Mitglied werden? Hat sie was mit der UN-Organisation zu tun? Dass so viele Fragen offen bleiben, wundert einen immer weniger, je […]

gesamten Beitrag lesen »



Der Theologe als Pornoproduzent

Jens Hoffmanns Film über die Pornoindustrie auf dem Filmfest Finanzkrise hin oder her – die amerikanische Pornoindustrie setzt nach wie vor Milliarden von Dollars um. Jens Hoffmann hat darüber einen Dokumentarfilm gedreht, der am Freitag und Samstag auf dem Augsburger Filmfestival läuft. DAZ-Redakteur Frank Heindl sprach mit dem Regisseur. DAZ: Herr Hoffmann, Ihr Film handelt […]

gesamten Beitrag lesen »



Briefe an den Erzschurken

„Letters to the President“ – wenig informatives über den Iran Mahmud Ahmadinedschad bekommt mehr Briefe als der Durchschnittsbürger – viel mehr. Der iranische Präsident ist für die iranische Landbevölkerung eine Art Heilsbringer, einer, der sich persönlich um ihre Bedürfnisse kümmert. Peter Loms Dokumentarfilm zeigt zum einen, was mit den Millionen von Briefen und Eingaben passiert, […]

gesamten Beitrag lesen »



Eine sterbende Kultur

„Tulpan“ – wunderbare Bilder aus Kasachstan So ein langsamer Film! Ganz lange bleibt die Kamera auf einzelnen, unspektakulären Einstellungen stehen. Und wenn auch wenn von der anderen Seite der Jurte her ein heftiger Lärm zu hören ist, schwenkt sie nur gaaaanz langsam da hinüber. Und genauso gemächlich entwickelt sich die Geschichte – oder, wie man’s […]

gesamten Beitrag lesen »



Die gar nicht so wundersame Welt der Waschkraft

Regisseur Hans-Christian Schmid ist am Freitag zu Gast bei den Augsburger Filmtagen Zuletzt konnte Hans-Christian Schmid mit seinem Film „Requiem“ (2006) mehrere wichtige deutsche Filmpreise abräumen. Bei den Augsburger Filmtagen läuft nun sein neuestes Werk, der Dokumentarfilm „Die wundersame Welt der Waschkraft.“ DAZ-Redakteur Frank Heindl sprach mit dem Regisseur. DAZ: Herr Schmid, worum geht’s in […]

gesamten Beitrag lesen »



Hundert Filme, hundert Gäste

„Tage des unabhängigen Films“ am Dienstagabend offiziell eröffnet Von Frank Heindl Schon nach einer Minute war der Eröffnungsfilm zu Ende. Dann gab’s eine unfreiwillige Pause und – so ähnlich wie bei der Bundesbahn – keine erklärende Durchsage. Nach weiteren zwei Minuten fing’s einfach nochmal von vorne an – und diesmal ging’s ohne Pause weiter bis […]

gesamten Beitrag lesen »