Faktencheck Grundwasser: Augsburger Messstelle zeigt Normalstand
In übereinstimmenden Berichten der Süddeutschen Zeitung und der Augsburger Allgemeinen ist von einer „besorgniserregenden“ bzw. „angespannten“ Grundwassersituation in Bayern die Rede. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) bestätigt ein Niederschlagsdefizit von rund einem Drittel im vergangenen Winterhalbjahr und einen extrem trockenen April. Doch ein Blick auf die öffentlichen Messdaten des LfU für eine der wichtigsten Grundwassermessstellen Augsburgs relativiert das Bild für die Stadt.
Von Bruno Stubenrauch
Grundwasserstand an Augsburgs wichtigster Messstelle: kein Grund zur Sorge (Daten: LfU; Grafik: DAZ)Die Messstelle 596 in Göggingen gehört zum offiziellen staatlichen Messnetz, wird vom LfU betrieben und gilt als besonders repräsentativ für das Grundwasser in Augsburg. Der Grundwasserspiegel liegt dort etwa zehn Meter unter der Geländeoberfläche, die Schwankungsbreite beträgt 3,73 Meter. Die öffentlich zugänglichen Daten reichen bis 1974 zurück.
Am 22. April 2026 (dem jüngsten verfügbaren Messtag) lag der Grundwasserstand bei 491,52 Meter über Normalnull. Der Zehn-Jahres-Durchschnitt für den 22. April beträgt 491,68 Meter; der aktuelle Wert liegt nur 16 Zentimeter darunter – wenig angesichts einer Schwankungsbreite von fast zwei Metern für diesen Kalendertag. Vier der letzten zehn Werte des 22. April lagen über dem 2026er Pegel, aber auch vier darunter.
Das langjährige Mittel (über alle Tage) liegt bei 491,87 Meter, wobei zu beachten ist, dass im sogenannten hydrologischen Winter – zu dem der April gehört – das Grundwasser an der Messstelle 596 im Schnitt ohnehin 34 cm niedriger steht als im Sommer (DAZ berichtete).
Entwarnung für Augsburg
Ein „besorgniserregender“ oder „angespannter“ Zustand lässt sich aus diesen Zahlen für Augsburg nicht ableiten. Zwar weisen oberflächennahe Grundwasserschichten in Bayern nach LfU-Angaben tatsächlich vielerorts niedrige Pegel aus – doch das tiefer liegende, für die langfristige Versorgung und das Augsburger Trinkwasser relevante Grundwasser zeigt hier ein stabiles Bild. Die Messstelle 596 steht für genau diese tieferen Verhältnisse.
Was folgt daraus? Die Lage in anderen Regionen Bayerns mag angespannt sein. Die Klimakrise bleibt eine große Herausforderung. Doch für Augsburg gilt: Die wichtigste Grundwassermessstelle der Stadt zeigt keinen alarmierenden Trend. Ein pauschales „Bayern versiegt“ trifft auf Augsburg nicht zu.