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Dienstag, 28.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

„Misswirtschaft“ und „geringe Halbwertzeiten“ im Hause Grab

SPD wettert gegen die Stadtregierung und den Sport- und Kulturreferenten

Von Frank Heindl

Man kann es durchaus als Job der Opposition sehen, immer mal wieder die Arbeit der Regierung zu analysieren und sie anschließend in Grund und Boden zu verdammen. Manchmal ist das mehr ein Ritual, manchmal sind die vorgebrachten Argumente nicht unbedingt von der Hand zu weisen. Am vergangenen Freitag lud die Augsburger SPD die Medien ins Rathaus, um mal wieder ihre Sicht der Dinge zu verbreiten. Der Fraktionsvorsitzende Stefan Kiefer und sein Stellvertreter Karl-Heinz Schneider legten dar, warum die SPD mehr denn je den größten Teil der Projekte, die die Stadtregierung aus CSU und Pro Augsburg derzeit umzusetzen versucht, für Pfusch hält. Insbesondere kommt einmal mehr Kultur- und Sportreferent Peter Grab (Pro Augsburg) bei dieser Zwischenbilanz nicht eben gut weg. Der Reihe nach:

„Abbruchszenarien“ fürs Eisstadion

Curt-Frenzel-Stadion. Beim fehlgeplanten Eisstadion sieht die SPD die Zeit gekommen, „Abbruchszenarien aufzuzeigen“. Kiefers Botschaft, nach seinen Worten mit der Panther-Führung abgesprochen: „Gründlichkeit statt Aktionismus“. Lieber lasse man sich jetzt genügend Zeit, um eine vernünftige Lösung zu suchen, als den „verbockten Weg“ weiterzugehen. Ohnehin gerieten durch die notwendigen Umplanungen die ursprünglichen Pläne derart in Unordnung, dass nun „nichts mehr zusammenpasst“ – den Beschlüssen des Stadtrats sei damit die Geschäftsgrundlage entzogen. Für die Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag (27. Januar) müsse man allerdings das Schlimmste befürchten: Von der Transparenz, die der OB verkündet hatte, sei „nichts zu spüren“, in den Vorlagen, die den Stadträten zugeleitet wurden, sei „nichts drin“ – man werde so zu keinem Beschluss kommen können. Zwar solle es beim Thema zunächst „nicht mehr um Personen, sondern um die Sache“ gehen, allerdings steht für die SPD fest, dass die Planungsfehler das Architekturbüro zu verantworten habe, während dem Sportreferenten „Misswirtschaft und fehlendes Handwerkszeug“ bei der Umsetzung vorzuwerfen sei. Von Anfang an habe Peter Grab versucht, „sich am Stadtrat, der Öffentlichkeit und den kritischen Panthern vorbei zu schwindeln.“

„OB sucht verzweifelt Geldquellen“

Bayerngas. OB Kurt Gribl hatte kürzlich angekündigt, die Stadtwerke sollten in nächster Zeit ihre Anteile an der Bayerngas GmbH beziehungsweise deren Beteiligung an der norwegischen Norge aufgeben. Gribls Argument: Die Stadtwerke dürften nicht nur auf Gewinne hoffen, sondern müssten auch auf Verluste gefasst sein, diese Risiko aber sei ihm zu hoch, er wollte „nicht zocken“. In Zeiten, zu welchen sich öffentliche und private Investoren auf allen möglichen Feldern des Wirtschaftens erheblich „verzockt“ und Steuergelder in den Sand gesetzt haben, ein durchaus populärer Gedanke. Die SPD indes sieht das ganz anders: Gribls Argumentation, so Stefan Kiefer, sei in Wahrheit nur vorgeschoben, in Wirklichkeit suche der OB verzweifelt nach Finanzierungsquellen, um jene Gelder wieder einzutreiben, die er selbst durch jahrelange Verzögerungen bei Mobilitätsdrehscheibe und Straßenbahnlinie 6 „verzockt“ habe. Schwerer wiegen allerdings die weiteren Argumente von Kiefer und Schneider: Der Anteil der Stadtwerke an der Norge, die in der Nordsee nach neuen Erdgasquellen sucht, beträgt nach ihrer Berechnung gerade mal 1,8 %. Die Stadtwerke sind an der Norge über die Bayerngas beteiligt, einem Unternehmen, mit dessen Hilfe die kommunalen Energieversorger sich ein wenig von den Schwankungen des Weltmarktes unabhängig machen wollen. Da bereits neue Erdgasfelder gefunden seien und die Energiepreise permanent steigen, sei die Bayerngas geradezu „das Huhn, das goldene Eier legt“, sagt Kiefer. Gribl wolle Anteile an einem Unternehmen abwerfen, das satte Gewinne verspreche und in den vergangenen Jahren auch ausgeschüttet habe. Dagegen sei das Risiko, mit 1,8% an Verlusten beteiligt zu werden, die gar nicht zu befürchten seien, lächerlich gering. Genauso hatten es auch die Stadtwerke früher gesehen: „Ran an die Quellen“ wollte die Geschäftsführung 2003, als man bei Bayerngas einstieg – eine Devise, die Kiefer „nach wie vor für richtig“ hält. Zumal der Wert der Anteile, die der OB jetzt „verscherbeln“ wolle, auch ohne Verkauf „in drei Jahren wieder drin“ wäre. Die Münchner Stadtwerke rieben sich im Übrigen die Händen und freuten sich über die Dummheit der Augsburger, ihr Tafelsilber billig weiterzuverkaufen.

40 Jahre Container – oder zurück zur Komödie?

Container. „Ziemlich erbost“ gibt sich Karl-Heinz Schneider beim Thema Ersatzspielstätte. Aus der Presse habe man erfahren müssen, dass der Container fürs Theater erneut teurer werde und die Stadtspitze gleichzeitig über ein abermalige Verlängerung nachdenke: Nun soll die „Theater-Box“ gar für 20 Jahre die fehlende zweite Spielstätte ersetzen. „Am Ende“, so Schneider, „werden es dann wohl 40 Jahre, und dann steht das Ding für alle Ewigkeit.“ Mit „Bauchschmerzen“ habe man der Kostenerhöhung von 3,5 auf zuletzt 5,9 Millionen Euro zugestimmt, nun soll die Box erneut mehr kosten. Am heutigen Montag sollen die Mitglieder des Kulturausschusses im Werkausschuss für das Theater über die Ursachen aufgeklärt werden. Allerdings fühlen sich die SPD-Ausschussmitglieder von Grab „getäuscht“. „Die Unterlagen für die Sitzung sind Null“, sagt Schneider, alle erforderlichen Dokumente wolle das Kulturreferat erst nachreichen, und selbst dann müsse man misstrauisch sein: Alles, was aus dem Haus Grab komme, habe „eine extrem kurze Halbwertzeit.“ Die SPD scheint sich daher wieder denen anzunähern, die mit dem Container-Projekt nie einverstanden waren und nun Rückenwind für eine Wiederbelebung der Komödie fühlen. Schneider schwebt der alte Plan vor, einen privaten Investor zu finden, der auf eigene Kosten das Gignoux-Haus theatertauglich saniere und von der Stadt anschließend einen ordentlichen Mietzins bekomme. Zeitgleich könne mit dem Neubau einer zweiten Spielstätte auf dem Theatergelände begonnen werden. Und wenn diese fertig wäre, könnte die Komödie als neue, dritte Spielstätte beispielsweise für Konzerte oder die Kabarett-Tage der „Mühle“ verwendet werden und so weiterhin ein attraktiver Anlaufpunkt in der Altstadt bleiben. Zwar sehen Schneider und Kiefer durchaus, dass man am Theater alles andere als froh über einen Verzicht auf den Container wäre. Allerdings müssten „auch die Theaterleute mal schauen“, ob der Aufwand für die Box „noch im Verhältnis“ stehe zu den erwarteten Vorteilen. „Über eine funktionierende Komödie wären die bestimmt auch nicht traurig“, glaubt Schneider.

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Englets Bekenntnis

Im Oktober 2010 haben im Augsburger Stadtrat die Freien Wähler eine Fraktion gebildet. Dies wurde möglich, weil CSU-Stadträtin Regina Stuber-Schneider die CSU verlassen hatte und bei den Freien Wählern eintrat. Dadurch haben sich im Stadtrat die Mehrheitsverhältnisse numerisch so entwickelt, dass der Regierungskoalition von CSU und Pro Augsburg eine Stimme zur Mehrheit im Stadtrat fehlt. Die Augsburger Allgemeine sah darin damals „ein politisches Beben“. Von Siegfried Zagler Das Beben blieb aus. Der [...]

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FCA enttäuscht in Paderborn

Am 19. Spieltag der Zweiten Fußballbundesliga kam der FC Augsburg beim SC Paderborn nach einer insgesamt schwachen Vorstellung am gestrigen Freitag vor 6.500 Zuschauern zu einem 1:1 Unentschieden und setzte somit seine imposante Serie von nun elf Spielen ohne Niederlage fort. Von Siegfried Zagler Edmond  Kapplani hatte in der 72. Minute für die Paderborner die klarste Tormöglichkeit des Spiels, doch Kapplani vergab diese Chance aus der Reihe der so genannten Hundertprozentigen noch [...]

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Bundestag: Theater um Krawatten-Diktat

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Startschuss für den Kö-Umbau

Sensiblen und professionellen Umgang mit dem zweiten Teilprojekt der Mobilitätsdrehscheibe, dem Umbau des Augsburger Königsplatzes, versprach gestern OB Kurt Gribl vor den Medien. Schon in den nächsten Wochen soll es mit ersten Baumfällungen losgehen. Bauphase 1 mit Vollsperrung der Schaezlerstraße – Grafik: Stadt Augsburg „Wir arbeiten am offenen Herzen der Stadt“, so Gribl. Es werde […]

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„Ein Trauerspiel, das mit uns allen zu tun hat“

Bühnenbildnerin Judith Oswald über ihre Schrankwand in Hebbels „Maria Magdalena“ Am vergangenen Samstag hatte im Stadttheater Friedrich Hebbels „Maria Magdalena“ Premiere (DAZ berichtete). Im Mittelpunkt der Inszenierung stand das von Judith Oswald gestaltete Bühnenbild: eine hohe Wand aus aufeinander montierten Schränken, Kommoden, Vitrinen. Oswald wurde 1976 in Freiburg im Breisgau geboren und lebt derzeit in […]

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Horex kommt nach Augsburg

Horex hat sich für Augsburg als Standort der Firmenzentrale, Fahrzeugentwicklung und Manufaktur entschieden. Zur Jahresmitte 2011 soll der Umzug aus Garching bei München nach Augsburg stattfinden. Parallel läuft der Aufbau der Fertigungsanlagen für den im vierten Quartal 2011 geplanten Serienstart der ersten neuen Horex Motorräder. Als Clemens Neese vor sechs Jahren die Idee hatte, eine […]

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Bildervortrag Fledermäuse an der Wertach

Fledermäuse an der Wertach
Zu einem Bildervortrag über Fledermäuse an der Wertach laden Christine Kamm, MdL und Dr. Eduard Belotti vom BUND Augsburg ein. Es referiert Carmen Liegl, Mitglied des Naturschutzbeirats der Stadt Augsburg. Anschließend Diskussion.
21. Januar, 19.00 Uhr
Bürgerhaus Pfersee
Stadtbergerstr. 17

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Große Rochade für das H2O

Mit der Sitzung des Liegenschaftsausschusses startete gestern der Stadtrat ins politische Jahr 2011. Einziger Tagesordnungspunkt: das Jugendzentrum H2O in Oberhausen. Bis vergangenen Sommer war das H2O im Erdgeschoss des städtischen Anwesens Hirblinger Straße 2, dem ehemaligen Rathaus von Oberhausen, untergebracht. Seitdem sind der Keller und das Erdgeschoss des Gebäudes wegen Schimmelbefall gesperrt, das Jugendzentrum zog […]

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Wie jüdische Ärzte ausgegrenzt und ermordet wurden

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Bollwerke gegen die Widrigkeiten der Welt

Premiere im Großen Haus: „Maria Magdalena“ im klaustrophoben Wohnzimmer-Ambiente Von Frank Heindl An diesen Vater erinnert man sich, obwohl Friedrich Hebbel ihn vor fast 170 Jahren erfunden hat: Diese eiserne Prinzipientreue; dieses Herumreiten auf zur absoluten Wahrheit stilisierten Lebensmaximen; dieses gefühllose Bestehen auf überkommenen Moralvorstellungen – man muss nicht mal bis in die 50er-Jahre zurückdenken, […]

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Neujahrsempfang der Augsburger SPD: Wind von links

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Kurznachrichten

Apfelblüte



Zurzeit herrschen ideale Bedingungen für die Apfelblüte. 2026 könnte ein gutes Apfeljahr werden! Foto: Apfelblüte in Lechhausen.

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„Drunter und drüber“: Kinder­fotopreis Augsburg 2026 startet



Chaos im Kinderzimmer, spannende Muster auf dem Bürger­steig oder die Welt aus Frosch­per­spektive – beim Kinder­fotopreis Augsburg Stadt & Land 2026 dreht sich alles um das Motto „Drunter und drüber“. Kinder von drei bis zwölf Jahren aus Stadt und Landkreis können ihre krea­tivsten Momente mit der Kamera fest­halten. Ein­sende­schluss ist der 18. Sep­tember 2026, die Preis­ver­leihung […]

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Augsburg verpasst Sieg knapp – Kade trifft, Dahmen rettet Punkt



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Halbzeit: Kade belohnt Augsburg spät – verdiente Führung gegen harmlose Frankfurter



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„Wo sollen die vielen Klein-Atomreaktoren hin, Herr Söder?“



Zum 40. Jahrestag der Atom­kata­strophe von Tschernobyl am 26. April fordert die bayerische ÖDP von Minister­präsident Markus Söder (CSU) Auskunft über mögliche Standorte für Klein-Atomkraft­werke. In offenen Briefen mehrerer Kreis­verbände wollen die ÖDP-Vor­sitzenden Agnes Becker und Tobias Ruff wissen: „Wo sollen die vielen Klein-Atom­reaktoren hin, Herr Söder?“ Von Bruno Stubenrauch Die bayerische ÖDP-Vorsitzende Agnes Becker (vorne […]

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