DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Sonntag, 05.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Muss Theater wirklich sein?

Leere Kassen, gigantischer Sanierungsrückstau: Für Augsburg stellt sich die Frage, warum und für wen es welches Theater braucht – und zu welchem Preis.

Von Siegfried Zagler

Hinterhofromantik mit Dampfheizung: Theaterwerkstätten in Augsburg

Hinterhofromantik mit Dampfheizung: Theaterwerkstätten in Augsburg


Augsburg ist mit seinen Sorgen nicht allein: Marode bauliche Zustände und Etatkürzungen bedrohen eine Reihe von Theatern in der einzigartigen deutschen Theaterlandschaft. Rostock, Erlangen, Heidelberg, Mannheim und nicht zuletzt Wuppertal – die Liste der sanierungsbedürftigen Stadt- und Staatstheater ließe sich beliebig weiterführen. In Augsburg ist die Situation bezüglich des Sanierungsrückstaus im Großen Haus ähnlich dramatisch wie im Wuppertaler Schauspielhaus, das noch 2009 für 6,5 Millionen Euro saniert werden sollte, aber 2010 aus Haushaltsgründen komplett geschlossen wurde.

Der Stadtsäckel ist nicht nur in Augsburg leer. Die Krise der Kommunen ist in aller Munde und die städtischen Sparkommissare kennen kein Pardon und keine Tabus. Deshalb hat Kulturreferent Peter Grab kürzlich ein Papier vorgelegt, das einen kulturpolitischen Sparweg vorzeichnet. Betroffen sind alle städtisch subventionierten Festivals und eine Vielzahl kultureller Einrichtungen. Das Augsburger Stadttheater soll aber von gravierenden Etatkürzungen verschont bleiben. Ein deutliches politisches Signal für das Augsburger Stadttheater, das von Peter Grab und der städtischen Kulturpolitik insgesamt offensichtlich reflexartig geschützt wird. Öffentliche politische Bekenntnisse für ein städtisches Theater mit drei Sparten gibt es zwar zahlenmäßig beinahe so viele wie Schreckensmeldungen über die baulichen Mängel, ob allerdings die Stadtverwaltung die Gesamtsanierung tatsächlich zu stemmen gewillt ist, ist genauso unklar wie die Frage, ob die Augsburger Stadtgesellschaft ihr Theater in der bisherigen Form mitzutragen noch bereit ist.

„Theater muss sein!“

Für die Gesamtsanierung gibt es immerhin einen von Finanzreferent Hermann Weber zu Beginn dieses Jahres vorgestellten Finanzierungsplan. Fast 90 Millionen Euro würde das gigantische Sanierungsprojekt benötigen, über 60 Millionen für den Neubau eines Schauspielhauses, der Verwaltung und der Werkstätten, 27 Millionen für die Sanierung des Großen Hauses. Ein Drittel würde der Freistaat zuschießen. Den Eigenanteil von 60 Millionen müsste die Stadt über 20 Jahre finanzieren, drei Millionen Euro jährlich. Dem städtischen Haushalt drei Millionen Euro jährlich für die Gesamtsanierung des Theaters abzuringen, dürfte nicht nur haushaltstechnisch schwer zu jonglieren sein, sondern auch, angesichts der sechs Millionen Euro Sparvorgaben pro Jahr, politisch schwer vermittelbar sein.

„Theater muss sein!“ Mit diesem Slogan ging der Deutsche Bühnenverein vor vielen Jahren auf Sendung. Natürlich muss Theater sein. Die Frage ist nur, welches und warum, für wen, mit welchen Strukturen und für welchen Preis? Ist die Stadtgesellschaft, der man in den kommenden Jahren nicht wenige Sparmaßnahmen zumutet, noch gewillt, ein Stadttheater in dieser Kostendimension zu tragen? Ist ein Theater, das mit 13 Millionen Euro städtischer Zuschüsse im Jahr für den laufenden Betrieb zirka 50 Prozent des gesamten Kulturetats in Anspruch nimmt, in Augsburg noch zukunftsfähig?

„Muss Theater, wie wir es kennen, wirklich sein?“

Diese Fragen müssen jenseits der Programmvorworte und Sonntagsreden der jeweiligen Theaterleitung beantwortet werden. Muss Theater so wie wir es heute kennen wirklich sein? Brauchen wir noch die beinahe ungebrochene, im 19. Jahrhundert von den Fürstenhöfen übernommene Repräsentationsbühne mit einem festem Haus, einem festen Ensemble und festem Repertoire, als Ort der Orientierung, Pflege der Aufklärung und der kulturellen Bildung? Diese Frage ist nicht rhetorisch gestellt, sondern angesichts der zunehmenden kommunalen Finanzierungsschwierigkeiten und angesichts einer sich in Lichtgeschwindigkeit verändernden Gesellschaft eine ernsthaft zu untersuchende Frage.

Was verbindet die Bürgerschaft mit dem Augsburger Stadttheater? Verbindet man damit eine gewachsene Struktur für die unerschrockene Auseinandersetzung der eigenen Existenz, einen fernen Spiegel, ohne den unsere Lust, uns selbst und unsere Gesellschaft verstehen zu wollen, ihre Kraft verliert? Verstärkt das Theater unsere Reflexionsfähigkeit und verbindet man mit seiner jeweiligen „Hausbühne“ den kulturellen Stellenwert seines Wohnortes? Was kann uns das Spiel auf der Bühne heute und in der Zukunft geben? Kann sich das das Augsburger Stadttheater aus sich selbst heraus begründen, da es tief in der Stadtgesellschaft verankert ist? Oder steht das Theater nur für sich selbst? Ist eine „Schließung aus künstlerischen Gründen“ (Bert Brecht) notwendig oder eben gerade nicht? Oder kann die seit vielen Jahren brachliegende Augsburger Kulturpolitik diese sehr schwierige Frage einfach umschiffen, indem man das Theater buchstäblich „von innen heraus“ an seiner maroden Bausubstanz zu Grunde gehen lässt? Die DAZ hat sich vorgenommen, diese Fragen in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren dergestalt hartnäckig abzuarbeiten, dass es weder für die die Theaterleitung noch für die Politik ein Entrinnen geben kann.

gesamten Beitrag lesen »



Kultur ins Grundgesetz

Kultur für alle - von Anfang an! Kulturstadt Augsburg. Unsere Stadt bietet was Kultur betrifft so einiges. Wir haben ein großes Stadttheater, die Freilichtbühne, welche in wunderschönem Ambiente viele warme Sommerabende zum kulturellen Highlight macht, und vieles mehr. Die Jugend scheint das aber alles kalt zu lassen - oder etwa nicht? Linksjugend ['solid] Augsburg sagt ganz klar: NEIN. Das mangelnde Interesse der Jugend an Kultur ist vielmehr das Ergebnis systematischer Ausgrenzung. Denn [...]

gesamten Beitrag lesen »



Club schwach, FCA schwächer

In einem über die gesamte Distanz sehr schwachen Bundesligaspiel verlor der FC Augsburg beim 1.FC Nürnberg vor 43.071 Zuschauern durch ein Tor von Alexander Esswein in der 77. Minute mit 0:1. Von Siegfried Zagler Mehr als diesen Satz sollte man zum Spiel der beiden bayerischen Sorgenkinder in der Bundesliga nicht sagen - aus Respekt vor der Schönheit des Fußballspiels. Der FCA hat sich nach seinem vierten Bundesligaauftritt ohne Sieg im Tabellenkeller angesiedelt. [...]

gesamten Beitrag lesen »



„Ich habe keinen Reduzierungsauftrag, sondern einen Gestaltungsauftrag“

Oberbürgermeister Kurt Gribl im großen DAZ-Interview über das Theater Das städtische Theater ist in Augsburg ein wohlbehüteter Schatz. Quer durch alle Schichten und Parteien scheint es eine unausgesprochene Übereinkunft darüber zu geben, dass wir in dieser Stadt ein Theater mit dieser Struktur und in dieser Dimension brauchen. Was aber wäre, wenn diese Grundannahme falsch wäre? Steht die Stadtgesellschaft tatsächlich noch zu seinem Theater? Was leistet das Theater für die Stadt, was [...]

gesamten Beitrag lesen »



Walter Käsmair, Photograph

Eine bemerkenswerte Ausstellung im Brechts Von Siegfried Zagler Wer sich über Augsburg informieren will, also zum Beispiel wissen will, wo der „Lochbachanstich“ ist und ob die Bilder von Lucas Cranach in St. Anna Plagiate sind oder woher dieser oder jeder Kanal kommt und wohin er fließt, ist bei Walter Käsmair richtig. Der 54jährige Fotograf erkundet […]

gesamten Beitrag lesen »



Verwaltungsgebäude I wird hellgrau

Der Ferienausschuss des Stadtrats segnete in seiner gestrigen Sitzung die Neugestaltung der Fassade des Verwaltungsgebäudes I am Augsburger Rathausplatz ab. Bald grau statt grün: Verwaltungsgebäude I am Rathausplatz Das aus dem Jahr 1985 stammende Schlammgrün, so Hochbauamtsleiter Günter Billenstein, soll einem hellen Grau mit weißen Faschen um die Fenster weichen. Die Fenster selbst sollen einen […]

gesamten Beitrag lesen »



Steigende Energiekosten gefährden schwäbische Arbeitsplätze

Stetig steigende Energiekosten gefährden mittelfristig zahlreiche Arbeitsplätze in den Industrieunternehmen Schwabens. Das ist das Ergebnis einer IHK-Studie zur Wettbewerbsfähigkeit schwäbischer Firmen nach der Energiewende. Besonders gefährdet ist laut der Studie das produzierende Gewerbe: Eine zukünftige Steigerung der Stromkosten um 10 Prozent würde 31 Prozent der produzierenden Unternehmen bereits nachhaltig in ihrer Konkurrenzfähigkeit am Markt einschränken. […]

gesamten Beitrag lesen »



„Der Clubb is a Debb“

Der FC Augsburg steht am kommenden Samstag in der vierten Runde der Bundesliga beim 1. FC Nürnberg vor der nächsten Herkulesaufgabe. Nürnberg gegen Augsburg, das Spiel heißt Fußball, womit gesagt sein soll, dass es sich in Wahrheit nicht um ein Spiel, sondern um eine wirklich wichtige Angelegenheit handelt. Von Siegfried Zagler Dem Club kann der […]

gesamten Beitrag lesen »



Pro Augsburg: Durchhaltevermögen der Theaterleitung wird honoriert

Die Fraktion von Pro Augsburg hat bezüglich des Betriebskostenzuschusses aus dem Hause Heubisch für das Stadttheater „zum AZ-Artikel“ eine Pressemitteilung nachgeschoben. Von Siegfried Zagler Die Bayerische Staatsregierung hat auf den Vorstoß von Kulturreferent Peter Grab reagiert und dem Stadttheater aufgrund der „besonderen Not“ eine Erhöhung des Betriebskostenzuschusses für die Spielzeit 2011 gewährt. Der staatliche Anteil […]

gesamten Beitrag lesen »



Ballack zum FCA!

Das Augsburger Publikum hat ein Recht darauf, zu erfahren, warum der FCA ein sportliches Desaster riskiert. Kommentar von Siegfried Zagler Die obige Schlagzeile muss eine Finte sein. Dafür kann man zwei plausible Gründe ins Feld führen. Erstens verzichtete die DAZ bisher auf reißerische Ausrufezeichen in Überschriften, zweitens verbreitete das FCA Management bereits wenige Stunden nach […]

gesamten Beitrag lesen »



FCA vs. Hoffenheim 0:2

Am dritten Spieltag der Fußballbundesliga verlor der FC Augsburg vor 30.004 Zuschauern in der SGL-Arena gegen die TSG 1899 Hoffenheim mit 0:2. In der zweiten Halbzeit verstanden es die Brechtstädter, ihr Heimspiel phasenweise offen zu gestalten. Dennoch lassen Ergebnis und Spielverlauf für den FCA das Schlimmste befürchten. Von Siegfried Zagler Noch vor dem Anpfiff sorgte […]

gesamten Beitrag lesen »



FCA vs. Hoffenheim: Gemischtwarenladen gegen Global Player

Von Siegfried Zagler Am heutigen Samstag (15.30 Uhr) gastiert in der Augsburger SGL-Arena mit der TSG 1899 Hoffenheim ein Klub, der sich auf den ersten Blick vom FC Augsburg nicht besonders unterscheidet. Die TSG ist ein Emporkömmling wie der FCA. Beide haben ein neues Stadion gebaut und den Aufstieg in die Bundesliga gestemmt, weil sie […]

gesamten Beitrag lesen »



« neuere Artikel ältere Artikel »

Kurznachrichten

FCA: Remis in Hamburg



Der FC Augsburg hat sich beim Hamburger SV einen hart erarbeiteten Punkt gesichert – und dabei vor allem Moral und Widerstandsfähigkeit bewiesen. Augsburg startete mutig und zielstrebig in die Partie. Die Belohnung folgte früh: Nach einem Standard stocherte Arthur Chaves die Kugel zur verdienten 1:0-Führung über die Linie (22.). In der Folge übernahm Hamburg zwar […]

gesamten Beitrag lesen »



Halbzeit: Effizienter FCA belohnt sich – Führung in Hamburg, Dahmen hält die Null



Der FC Augsburg geht mit einer verdienten 1:0-Führung beim Hamburger SV in die Pause. In einer temporeichen Anfangsphase begegneten sich beide Teams zunächst auf Augenhöhe, doch der FCA zeigte früh, wie gefährlich sein Umschaltspiel ist. Trotz weniger Ballbesitz kam Augsburg immer wieder zielstrebig in den Strafraum – und wurde dafür belohnt. In der 22. Minute […]

gesamten Beitrag lesen »



Der Frühling ist da!



Gänseblümchen am Friedberger Baggersee

gesamten Beitrag lesen »



Warnstreik im Augsburger ÖPNV am 7. April



Die Gewerkschaft Ver.di hat die Beschäftigten der Stadtwerke Augsburg (swa) für Dienstag, 7. April, erneut zum Warnstreik aufgerufen. Die swa erwarten, dass der Nahverkehr in weiten Teilen der Stadt weitgehend ausfällt. Nur wenige, von externen Bus­unter­nehmen be­triebene Stadt­teil­linien – 21 (Bären­keller), 24/25 (Haun­stetten) und 38 (Göggingen/ Inningen/ Bergheim) – werden regulär fahren. Die swa bitten Fahrgäste, vorsorglich auf […]

gesamten Beitrag lesen »



Mehr Tram, mehr Lichter: Entspannt zum Osterplärrer



Wenn sich ab dem 5. April wieder Karussells drehen und tausende Lichter den Augsburger Osterplärrer erhellen, wird auch die Anreise komfortabler: Neben der regulären Linie 4 schicken die Stadtwerke Augsburg täglich ab 20 Uhr zusätzlich die Straßenbahnlinie 2 zum Festgelände. Foto: swa / Bernd Jaufmann Zwei Linien sorgen so für mehr Platz und eine entspannte […]

gesamten Beitrag lesen »



Suche in der DAZ

  

DAZ Archiv

April 2026
M D M D F S S
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930