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Montag, 15.08.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

„Die Fans sind nach Strich und Faden für dumm verkauft worden“

Kurz vor Jahreswechsel traf sich DAZ-Herausgeber Siegfried Zagler mit drei Vertretern der Panther-Fans, um das Auftreten der Panther in Iserlohn via TV zu verfolgen und um sich nebenbei über die Zukunft des Curt-Frenzel-Stadions zu unterhalten. Bernhard Kopp, Fanbeauftragter der Panther GmbH, Johann Albrecht und Werner Gillmann zeigten sich als an der Sache orientierte Diskutanten.

Albrecht und Gillmann spielen im berüchtigten aev-forum eine wichtige Rolle. Albrecht gilt als besonnener und kühler Kopf, während Gillmann eher impulsiv und emotional agiert. Werner Gillmann hat als User „rochus“ in Sachen Curt-Frenzel-Stadion als Fan für Furore gesorgt. In unzähligen Arbeitsstunden hat er in seiner Freizeit die so genannte „Machbarkeitsstudie der Panther-Fans“ federführend entwickelt. Eine Studie, die im Entscheidungsfindungsprozess, wie im CFS nachgebessert werden soll, aus politischen Gründen eine wichtige Rolle spielt. – Es sollte ein sehr langer Abend werden, was nicht nur daran lag, dass der AEV erst nach Verlängerung und Dutzenden von Penalties das Spiel in Iserlohn für sich entscheiden konnte: Nach dem Spiel stellte sich Gillmann den kritischen Fragen der DAZ.

Treffpunkt CFS: DAZ-Herausgeber Siegfried Zagler (rechts) im Gespräch mit Werner Gillmann

DAZ: Herr Gillmann: Sie sind der Macher der so genannten „Machbarkeitsstudie der Panther“. Erklären Sie unseren Lesern in Kürze, wie es dazu kam?

Gillmann: Den Begriff Macher halte ich für ein wenig übertrieben, eher zutreffend ist wohl technischer Bearbeiter der Pantherfans. Zu Beginn muss ich mal klar sagen, dass ich ein vehementer Befürworter der Pro-Augsburg-Variante war, also für einen Neubau an der Impulsarena war. Ich warnte im Pantherforum schon damals davor, den Umbau des CFS vorzunehmen.

DAZ: Sind Sie dafür von den Panther-Fans nicht „gegrillt“ worden?

Gillmann: Nun ja, ich habe es gerade noch überlebt. Der Umbau des CFS hat somit auch seine Vorteile. Aber die Bestandsgeometrie des CFS und dessen Standort an der Hanglage beinhalten dennoch gewisse Zwänge. Im Januar bekam ich als verantwortlicher Kalkulator einer Niederlassung eines österreichischen Baukonzerns die Ausschreibungsunterlagen zur Bearbeitung. Als AEV-Fan sichtete ich sehr interessiert die Vielzahl der Planunterlagen, sah aber aus diversen Gründen von einer Bearbeitung ab. Die Daten-CD nahm ich mit nach Hause, um mit einem Plan mein Arbeitszimmer zu dekorieren. Damals fielen mir die zu geringen Steigungen der Zuschauertribünen auch nicht auf.

DAZ: Ihnen erging es also wie allen?

„Gespenst ist gut“

Gillmann: Genau, am 3. Oktober ging ich mit großer Vorfreunde auf die neue Eishockeysaison ins Stadion und war über die Sichtverhältnisse entsetzt. Nach dem Spiel ging ich in mein Arbeitszimmer und durchsuchte die CD mit den Planunterlagen und stellte nach Ausdruck eines Schnittes und durch Auflegen eines einfachen Lineals die planerische Fehlleistung fest.

DAZ: Jetzt dämmert es mir erst. Sie hatten die Pläne von Hermann und Öttl im Arbeitszimmer als Dekoration hängen?

Gillmann: Nein, nicht die von H+Ö, es waren die Bestandspläne des alten CFS auf der CD. Nach dem Spiel gegen Hannover nahm ich im inoffiziellen aev-forum die Erstellung einiger Beträge vor. Natürlich griff ich den damals im Forum noch schreibenden Peter Grab intensiv an.

DAZ: „Natürlich“? Erklären Sie uns bitte näher, was Sie an Herrn Grabs Beiträgen auszusetzen hatten? Schließlich hat Herr Grab, indem er User „rochus“ für salonfähig erklärt hat, zum ersten Mal in der zweitausendjährigen Geschichte der Stadt ein anonymes Gespenst in die Stadtgesellschaft eingeführt und somit nicht nur Ihre Plattform – das anonyme Forum – veredelt, sondern auch ihren Nicknamen „rochus“ zu einem Begriff gemacht. Vielleicht verdanken Sie gerade Herrn Grab ihren Ruf und ihren Aufstieg zum „Schattenarchitekten“ der Panther GmbH.

Gillmann: Gespenst ist gut! Für manchen Projektbeteiligten sorgte wahrscheinlich der Nickname „rochus“ für schlaflose Nächte. Vielleicht sollten die Pantherfans Herrn Grab dafür dankbar sein. Schließlich wurde ich von Grab zum so genannten Runden Tisch am 15. Oktober 2010 geladen. Herrn Tanzer übergab ich damals eine einfache CAD-Skizze, die er herablassend als „Laubsägearbeiten“ bezeichnete. Diese persönlich herabstufende und überhebliche Ausdrucksweise gab mir die Energie, den Kampf gegen das von mir so wahrgenommene „Gemauschle und Vertuschen“ aufzunehmen. Aus dem selbstgefälligen und selbstüberschätzenden Auftreten von Herrn Öttl gegenüber den anwesenden Pantherfans könnte ich locker noch ein paar Jahre Energie ableiten.

Eine Menge Dinge zu beachten: Randbedingungen Statik (Grafik: AGS)

DAZ: Sie sind, soweit wir informiert sind, kein Architekt. Ist das richtig?

Gillmann: Ja, das stimmt. Wenn ich die Leistungen der Architekten Hermann und Öttl zum Maßstab nehme, möcht ich sagen: Ja! Gottseidank bin ich kein Architekt.

DAZ: Das finde ich nun wieder herablassend und nicht zielführend. Was qualifiziert Sie eigentlich zu einer dergestalt komplexen Arbeit? Immerhin sind eine Menge Dinge zu beachten. Statik, Bodengutachten, Versammlungsstättenverordnung, das Baurecht, DIN-Normen, alle möglichen Sicherheitsauflagen, Fluchtwege und nicht zuletzt die Sichtlinien, die Dr. Nixdorf in Ihrer Machbarkeitsstudie als „nicht weiterführend“ bezeichnete.

„Herr Stubenrauch hat in der DAZ die Sichtlinien sehr gut beschrieben“

Gillmann: Als Baukalkulator muss ich binnen kürzester Frist in maximal zwei Wochen eine Ausschreibung auf vielseitige Weise zerlegen. Außer der Sache, in der Nixdorf Experte ist, ist die technische Ausführung und Machbarkeit einer neuen Baumaßnahme mein Tagesgeschäft. – Der Bezeichnung „nicht weiterführend“ sehe ich nach eigener Prüfung sehr gelassen entgegen. Die hauseigene Prüfung erstellte ich nach den gleichen Vorgaben wie in Ihrer Zeitung. Herr Stubenrauch hat hier die Sichtlinienberechung sehr gut beschrieben. Jeder Anwesende in der Stadtratssitzung hat doch gesehen, dass die Prüfung der Sichtlinien von Nixdorf auf dem Weg zwischen Rednerpult und seinem Sitzplatz bei der Stadtregierung stattfand. Stubenrauch hat auch die H+Ö-Variante grafisch sauber dargestellt. Wenn meine Sichtlinien durchfallen, dann gehen auch H+Ö’s Sichtlinien, die heute schon mäßig sind, in Richtung ungenügend.

Werner Gillmann: "Die bisher von den Verantwortlichen offerierten Kompromisse werden die Pantherfans und meine Person nicht akzeptieren"

Werner Gillmann: "Die bisher von den Verantwortlichen offerierten Kompromisse werden die Pantherfans und meine Person nicht akzeptieren"


DAZ: Herr Gillmann, es hat sich mittlerweile auch in der politischen Kaste die Erkenntnis durchgesetzt, dass die größten Fehler beim CFS in der Kommunikationsweise der verantwortlichen Planer, der AGS sowie des Sport- und des Baureferenten vom 3. Oktober bis zur Fertigstellung des Nixdorf-Gutachtens stattgefunden haben. Ein Stadion umzubauen, in dem die Sichtverhältnisse nicht akzeptabel sind, ist eine Sache, sich den Fans gegenüber, die die schlechten Sichtverhältnisse monieren, respektlos zu verhalten ist die andere Sache. Sie sind aber auch noch aus anderen Gründen mächtig sauer auf die AGS. Erzählen Sie unseren Lesern warum?

Gillmann: Ich nenne den aktuellsten Grund, warum man als AEV-Fan sauer ist: Seit letzten Freitag ist in der Öffentlichkeit bekannt, dass die neu hinzugezogenen Planer Reisch und Schlenker von der WBG mit einem Schweigegebot versehen wurden. In der letzten Stadtratssitzung versprach OB Gribl alle notwendige Transparenz auf allen Ebenen. Sogar dem Gesellschafter der Panther Lothar Sigl wurde Auskunft über den aktuellen Stand der Dinge verweigert.

DAZ: Sie werden doch nicht über jeden Schritt der fachkundigen Überprüfung unterrichtet werden wollen?

„Sie kennen einfach nicht das gesamte Bild“

Gillmann: Als erfahrener Bauleiter versprach ich mir bei einer zugesagten Transparenz eine gewisse Art des Brainstormings zum Nutzen der Sanierung des CFS, wenn alle Beteiligten ihr Wissen beziehungsweise ihre Erfahrung auf kurzem Weg einbringen können. Aber Herr Mathe wird schon wissen, was für die AGS samt H+Ö das beste Endergebnis bringt.

DAZ: Herr Gillmann, bei allem Respekt, aber diese sarkastische Spitze will ich so nicht stehen lassen. Es handelt sich um ein schwebendes Verfahren und Mathe will die Sachverständigen einfach in Ruhe arbeiten lassen. Es herrscht ohnehin großer Termindruck.

Gillmann: Sie kennen einfach nicht das gesamte Bild. Sauer bin ich aber vor allem seit dem Runden Tisch vom 15. Oktober. Ich stelle mal die menschlichen und emotionalen Aspekte komplett hinten an. Herr Hermann zeigte eine Präsentation, wo alle Zwänge, behördlichen Auflagen und Vorschriften der DEL für das CFS dargestellt wurden. Danach wurden alle Tribünenbereiche mit den zugehörigen Sichtlinien dargestellt. Als Grundlage seiner Sichtlinienberechung wurden nach Hermanns Angaben Unterlagen und Richtwerte von Dr. Nixdorf verwendet und auch die Nixdorf-Unterlagen bildlich vorgestellt. Alle damals dargestellten Tribünenbereiche hatten normale bis gute C-Werte und das ohne Eisflächenerhöhung. Die Eisflächenerhöhung von 60 cm wurde von H+Ö unter Mitwirkung der AGS erst nach Unmutsäußerung der anwesenden Pantherfans mit einem zusätzlichen Folienpaket präsentiert.

DAZ: Und?

„Ich erwarte, dass aus dem alten CFS ein Schmuckkästchen gemacht wird“

Gillmann: Dr. Nixdorf wurde erst zirka zwei Wochen nach dem 15. Oktober durch OB Gribl eingebracht, und er hat die von H+Ö vorgestellten „guten Werte“ in der Luft zerrissen. Während der Zeit vor dem Nixdorfgutachten wurde die gleiche Präsentation dem Sportausschuss, dem Stadtrat und bei anderen gemeinsamen öffentlichen Auftritten von H+Ö und AGS gezeigt. Die Rückschlüsse, dass H+Ö unfähig waren, eine Sichtlinienberechnung zu erstellen und dass die AGS als Bauherrenvertreter rückhaltlos die fehlerhafte Berechnung deckte, überlasse ich Ihren Lesern.

DAZ: Herr Gillmann, unsere Leser werden wohl denken, vorausgesetzt dass ihre Ausführungen richtig sind, dass die Planer und die AGS einfach davon überzeugt waren, dass diese Sichtlinienberechnung stimmen. Irren ist menschlich, wie es so schön heißt.

Gillmann: Einverstanden. Natürlich sind auch gravierende Planungsfehler von Architekten, wie im CFS geschehen, keine Megakatastrophe – wenn man sie einsieht und zugibt. Hätten die Architekten gesagt, dass sie einen Fehler begangen haben, aber alles Erdenkliche in Bewegung setzen werden, um diesen zu beseitigen, wäre vieles anders verlaufen, also geordneter abgewickelt worden. So aber sind die Fans nach Strich und Faden für dumm verkauft worden. – Ich möchte nicht klüger und besser als die Architekten sein, aber ich lasse mir vom keinem Architekten ein X für U verkaufen und mich interessiert auch nicht, wer politisch dafür den Kopf hinhalten muss, dafür ist der Stadtrat zuständig. Ich erwarte aber, dass aus dem alten geliebten Bombentrichter CFS ein wirkliches Schmuckkästchen gemacht wird. Die bisher von den Verantwortlichen offerierten Kompromisse wie aufgedoppeltes Flickwerk an den Tribünen, Zuschauerkapazität unter 5.000, die nicht einsehbare Spielerbank und weiterhin die Sichteinschränkungen auf das Eis werden die Pantherfans und meine Person nicht akzeptieren.

DAZ: Herr Gillmann, vielen Dank für das Gespräch.

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Fragen: Siegfried Zagler

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